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„discovering hands“: Blinde Frauen ertasten Brustkrebs

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Eine Früherkennung erhöht die Heilungschancen. Das Projekt „discovering hands“ nutzt deshalb den ausgeprägten Tastsinn von Frauen mit Sehbehinderung.

Studio Portrait Of Blonde Woman
Studio Portrait Of Blonde Woman

Emine Cam berührt die Haut anderer Frauen, wenn sie ihren Job ausübt. Sie tastet besonders sensible Stellen ab: die weiblichen Brüste. Dabei geht sie strukturiert vor: Zentimeter für Zentimeter, Reihe für Reihe, Ebene für Ebene. „In der Ruhe und der genauen Zuwendung liegt die Kraft“, sagt sie. Die 30-Jährige ist von Geburt an stark sehbehindert. Und: Sie arbeitet als Tastuntersucherin. Seit knapp drei Jahren setzt sie ihren ausgeprägten Spür- und Tastsinn ein, um Brustkrebs bei Frauen ab 40 frühzeitig zu erkennen. Denn ihr fallen schon kleinste Veränderungen im Brustgewebe auf.

„discovering hands“ unterstützt Brustkrebs-Früherkennung

Ermöglicht wird diese Zusatzuntersuchung durch das Projekt „discovering hands“. Dabei wird die Begabung von blinden und sehbehinderten Frauen dafür eingesetzt, andere Frauen bei der Brustkrebs-Früherkennung zu unterstützen. Somit verwandelt sich eine vermeintliche Behinderung – das eingeschränkte Augenlicht – in einen Vorteil.

Brustkrebs ertasten: Studie überprüft Wirksamkeit

Vorerst werden die Tastuntersuchungen in Österreich ausschließlich im Rahmen einer Wirksamkeitsstudie durchgeführt. Diese wurde vom Gesundheitsministerium genehmigt. Ziel ist es, die Zusatzuntersuchung durch sehbehinderte und blinde Frauen langfristig in Österreich zu etablieren. „Damit hätten nicht nur Frauen einen Zusatznutzen im Rahmen der Brustkrebs-Früherkennung. Gleichzeitig würde es sehbehinderten sowie blinden Frauen neue Chancen am Arbeitsmarkt eröffnet“, erklärt Marisa Mühlböck, Geschäfsführerin von „discovering hands“ in Österreich.

Ausgeprägter Tastsinn hilft, Brustkrebs frühzeitig zu erkennen

Die Idee zu „discovering hands“ hatte der deutsche Gynäkologe Frank Hoffmann. Denn Blinde und Sehbehinderte haben nachweislich einen hoch entwickelten Tastsinn. Sie spüren mehr als andere. Ihre Begabung kann als „Frühwarnsystem“ in der Brustkrebserkennung eingesetzt werden. In Deutschland ist „discovering hands“ mittlerweile etabliert, zahlreiche Krankenkassen bezahlen die Zusatzuntersuchung.

In Österreich dürfen nur Ärzte die Brust abtasten

In Österreich sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen und das Kassensystem anders gelagert. Hierzulande ist das Abtasten der Brust bislang den Ärzten vorbehalten. Damit Tastuntersucherinnen wie Emine Cam künftig auch außerhalb der Studie den Ärzten zuarbeiten können, müsste ein eigenes Berufsbild unter den medizinischen Assistenzberufen geschaffen werden: das der Medizinisch-Taktilen Untersucherin (MTU). Die Ergebnisse der Studie von „discovering hands“ sollen als Grundstein dafür dienen.

„discovering hands“ sucht Studien-Teilnehmerinnen


4 Februar 2019 | Text: Maria Kapeller | Fotos: Stocksy

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