Nina Hartmann: mit Pauken und Trompeten

Veröffentlicht am 8. März 2019

Jede Frau kann sich aussuchen, ob sie ein wandelndes Skelett sein will oder nicht. Star-Kabarettistin und Schauspielerin Nina Hartmann im spannenden und launigen Gespräch.

Kabarettistin Nina Hartmann
Kabarettistin Nina Hartmann

Lesen Sie wie die Star Kabarettistin Nina Hartmann über den Internationalen Frauentag denkt, über ihr aktuelles Solo-Programm „Laut“, über Schönheitsideale, die in Frage gestellt werden können, und wie sie den verstorbenen Modeschöpfer Karl Lagerfeld sieht.

activebeauty: Der Internationale Frauentag (8. März) ist in diesen Tagen ein großes Thema – was muss aus Ihrer Sicht gesellschaftlich noch getan werden, damit es für Frauen gerechter zugeht?

Ein wichtiger Punkt ist die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern. Das ist etwas, was überhaupt nicht geht und was man überhaupt nicht rechtfertigen kann. Es ist einfach nur ungerecht, dass Frauen für die gleiche Arbeit weniger bekommen. Da ist man noch weit weg von jeglicher Gleichberechtigung. In Österreich ist vor allem dieses „Equal Pay“-Thema wichtig.

In Ihrer Anfangszeit als Kabarettistin sind sie mit einem Programm aufgetreten, das die Model-Welt thematisiert hat. – Wie sehen Sie den kürzlich verstorbenen Modeschöpfer Karl Lagerfeld?

Ich finde, Karl Lagerfeld war ein gescheiter Mann. Er hat schon auch mit Aussagen provoziert. Er hat gesagt: „Kurvige Frauen will niemand sehen“ und das seien „dicke Mütter, die zu Hause mit der Chips-Tüte“ sitzen. Das ist natürlich überzeichnet. Ich denke, er war eine Kunstfigur – und er war sicher für mehr Gleichberechtigung, als er manchmal suggeriert hat. Ich denke, das ist eben die Modebranche – du hast nicht viele Möglichkeiten. Was Kilos betrifft, musst du quasi reinpassen. Und wenn man nicht reinpasst, kommt man nicht vor. Das ist aber nur im Modelbusiness so und im normalen Leben nicht. Jede Frau kann sich aussuchen, ob sie eben ein wandelndes Skelett sein will oder nicht. Man muss sich ja nicht von solchen Idealen treiben lassen.

Am 15.3. beginnt die neue Dancing-Stars-Staffel im ORF – welche Erfahrungen haben Sie bei dieser Show als Kandidatin gemacht?

Es war toll, neue Tänze zu lernen. Zu tanzen, während eine Live-Band spielt, war unglaublich. Was extrem war: Mein Tanzpartner Paul war brutal streng und hat mich gedrillt und mich quasi durch die russische Schule geschickt. Spaß hat er keinen verstanden – er ist in Russland geboren und in Deutschland aufgewachsen. Er hat wirklich das Beste aus beiden Ländern vereint – den russischen Charme und den deutschen Humor. Das war oft etwas schwierig – ich finde, man hätte mir das mit Spaß auch gut beibringen können und nicht mit der Brechstange. Das wäre wohl lustiger gewesen.

Was erwartet die Besucher Ihres aktuellen Soloprogramms „Laut“?

Es wird laut! Dass ich mit Pauken und Trompeten daherkomme, ist keine Redewendung. Ich rede ja an dem Abend kein Wort, ich denke nur laut. Über alles Mögliche, Tiere, Techno, Toy-Boys, wie laut darf man im Bett sein und auch dass ich oft laut bzw. zu laut bin, also nicht im Bett, da gerade nicht. Es ist klassisches Stand-Up – wo man vom Hundertste ins Tausendste kommt. Eigentlich geht es um Nichts in meinem Programm. (lacht)

Welche weiteren Projekte stehen bei Ihnen in diesem Jahr an?

Ich schreibe gerade an meinem ersten Drehbuch für einen Film, was sehr spannend ist, das habe ich noch nie gemacht. Ich komme gerade learning by doing drauf, woran es ankommt. Ich schreibe gemeinsam mit Gregor Barcal und es ist eine Challenge. Wir hoffen natürlich sehr, dass der Film auch produziert wird. Sommer-Theater spiele ich auch – im Filmhof (Anm.: Nina Hartmann ist dabei in der Musical-Comedy „Sex in the country“ ab Juni zu sehen). Alles andere weiß ich noch nicht – das kommt immer spontan. Aber mit meinem Kabarett durch Österreich touren und mit „Match me if you can“ (weiteres Kabarettprogramm, Anm.), Theater spielen und Drehbuch-Schreiben – damit bin ich ganz gut eingeteilt. (lacht)

Um was geht es in dem Film?

Das ist noch geheim. Ich darf laut Vertrag noch nicht viel dazu sagen. Aber es ist auf jeden Fall eine Komödie.

Und es geht um das Geschlechter-Verhältnis?

Auch. Dieses Thema wird nie langweilig – dieses Mysterium zwischen Mann und Frau und wie das alles funktionieren soll. Das hat uns immer schon beschäftigt und wird uns auch immer beschäftigen.

Wir sind schon gespannt. – Haben Sie den kürzlich verstorbenen Kabarettisten Werner Schneyder einmal kennengelernt, hat Sie sein Tod betroffen gemacht?

Ja, natürlich. Das war ganz ein Großer. Ich habe ihn sogar einmal auf einer Premierenfeier kurz kennengelernt. Er war ein schlauer Kopf – und ich finde es so cool, dass er auch Sport-Kommentator war. Ich bin ja so sport-fanatisch – mir würde es auch voll taugen, Sport-Kommentatorin zu sein! – Das ist ein anderer Aspekt seines Lebens, den man sich bei ihm nie so gedacht hätte.

Noch ein Frühlings-Wordrap: Flirten …

Gut flirten passiert selten – meistens eher plump und ungeschickt.

Frühjahrsputz …

Passiert bei mir auch eher selten. Auch meistens ungeschickt – plump weniger. Ich flirte lieber, als Frühjahrsputz zu machen.

Joggen im Frühling …

Die Sportart, die ich am wenigsten mag. Ich liebe Sport und Bewegung, aber Joggen ist für mich eines der langweiligsten Sachen. Ich brauch immer Action und was zu tun.

Sonne …

Sonne liebe ich – ich bin ein Sonnenkind. Wenn die Sonne scheint, muss ich raus. Da halte ich es drin gar nicht aus. Man merkt jetzt, wo die Sonne kommt, wie es die Leute regelrecht hinauszieht. Man braucht es richtig – das ist super. Jeden Tag Sonne – das wäre das Coolste!


8 März 2019 | Text: Paul Buchacher | Fotos: Luis Casanova

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