Vorhang auf für die Maske!

Veröffentlicht am 18. April 2019

Im Team leiten Sybille Ridder und Silke Klosa die Abteilung „Perücke & Make-up“ bei den Salzburger Festspielen. Was diesen Beruf so besonders macht und wie der Alltag hinter den Kulissen aussieht – wir haben nachgefragt!

Zwei Gipsköpfe mit hellbraunen Perücken
Zwei Gipsköpfe mit hellbraunen Perücken

Als wir Sybille Ridder und Silke Klosa kurz nach der Premiere von „Die Meistersinger von Nürnberg“ im Rahmen der Salzburger Osterfestspiele in ihrem Büro zum Interview treffen, herrscht Erleichterung bei den beiden. „Doch eigentlich stecken wir schon wieder mitten in den Vorbereitungen für die nächsten Festspiele“, sagt Silke Klosa. Rund 90 Maskenbildner aus ganz Europa sind während der Sommermonate hier hinter den Kulissen im Einsatz und sorgen dafür, dass Haare und Make-up perfekt sitzen. Dazu kommen unzählige Kostümbildner und Garderobiers sowie Dutzende Spezialisten – von Maßschneidern über Weißnäher, Modisten und Schuhmacher bis hin zu Requisiteuren, die in den Werkstätten beschäftigt sind. Vom Friseursalon in die Theaterhäuser dieser Welt: Wir haben nachgefragt, wie man denn eigentlich Maskenbildner wird, wie stressig sich dieser Beruf tatsächlich gestaltet und was das Schönste daran ist …

active beauty: Sänger, Schauspieler, Chöre und Statisten – Sie kümmern sich darum, dass Frisuren und Make-up perfekt sitzen. Wie wird man denn eigentlich Maskenbildner an der Oper oder an einem Theater?

Sybille Ridder: Also früher, als wir begonnen haben, war der klassische Weg zu diesem Beruf eine Friseurlehre und anschließend drei Jahre Volontariat am Theater, das man dann mit diversen Prüfungen abschließen musste. Ohne Friseurlehre war man als Maskenbildner am Theater chancenlos. Seit dem Frühjahr 2018 kann man in Österreich eine Lehre zum Maskenbildner machen, die Ausbildung findet dann am Theater statt und zur Berufsschule fährt man nach Wien. Als Studium wird „Bühnen- & Kostümbild“ in Deutschland angeboten, und zwar an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Es gibt also mittlerweile verschiedene Wege und man kann genau den wählen, für den das Herz schlägt.

Bieten die Salzburger Festspiele Lehrstellen als Maskenbildner an?

Sybille Ridder: Nein, die Maske ist ein Department, das bei den Salzburger Festspielen nicht fest installiert ist. Obwohl Silke und ich schon seit Jahren für die Salzburger Festspiele in unterschiedlichen Funktionen tätig sind, arbeiten wir hier als Freelancer. Deshalb gibt es – anders als in anderen, ganzjährigen Abteilungen – in der Maske bei den Salzburger Festspielen auch keine Lehrstellen.

Silke Klosa: Trotzdem versuchen Sybille und ich seit zwei Jahren, auch jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, in unseren Beruf und Alltag hineinzuschnuppern. Wir bieten zum Beispiel Praktikumsplätze an, auf die man sich bewerben kann. Man kann hier einfach wahnsinnig viel lernen und die Salzburger Festspiele sind natürlich eine Jobbörse. Wir sind im Sommer 90 Maskenbildner aus ganz Europa und aus verschiedensten Richtungen – Kontakte für die Zukunft knüpft man hier ganz automatisch.

Was machen Sie, wenn Sie nicht in Salzburg sind?

Sybille Ridder: Das ist ganz unterschiedlich – wir haben mehrere feste Kunden von Theatern über Ballett- bis hin zu Filmproduktionen aus ganz Europa, die mal größere, mal kleinere Jobs beauftragen. Das erfordert natürlich Flexibilität, naturgemäß ist man dabei sehr viel unterwegs. Als Maskenbildner sollte man die Bereitschaft, dorthin zu gehen, wo die Arbeit ist, unbedingt mitbringen. Auch zeitlich, denn das bedeutet auch, viel am Wochenende und an Feiertagen im Einsatz zu sein.

Wie aufregend ist es, immer wieder „neu“ zu starten?

Sybille Ridder: Meist beginnt es mit einer Vorbesprechung mit dem gesamten Team. Der Kostümbilder stellt das Konzept vor und zeigt uns die Figurinen, wir machen uns Notizen. Danach geht es eigentlich gleich darum, die Ideen des Kostümbildners umzusetzen. Welche Haare nehmen wir, welche Techniken wenden wir an, wie schnell muss das fertig sein etc. Die Wege bis zur fertigen Maske sind von Produktion zu Produktion komplett unterschiedlich. Da kein Stück gleich ist, gibt es kein Schema F. Mal geht es um Schnelligkeit bei den Umzügen während der Aufführungen, mal sind es materielle Herausforderungen. Oft merkt man erst während der Proben, dass etwas nicht funktioniert – dann muss man sich eben nochmal an die Arbeit machen. Die Probenzeit ist für Maskenbildner sowieso essentiell, weil man dann erst ein Gespür für ein Stück bekommt. Genau das ist aber auch das Spannende daran, weil man immer wieder neue Wege finden muss und nichts in trockenen Tüchern ist, bis das Stück auf die Bühne geht. Mit Stress muss man als Maskenbildner natürlich umgehen können, oder besser, langweilig wird es nie. (lacht)

Was sind die gängigsten Masken, die man so macht?

Silke Klosa: Zu einem großen Teil sind es Perücken, die in Handarbeit geknüpft werden. Dazu kommen die Sänger, Schauspieler etc. vorab zu uns in die Maske, um einen Gipsabdruck ihres Kopfes anfertigen zu lassen, das dauert ungefähr eine Stunde. Dort oben (zeigt auf ein Regal) haben wir einige berühmte Köpfe stehen (lacht). Diese Köpfe werden dann mit einem Netz bespannt, in die die Haare eingeknüpft werden.

Sybille Ridder: Ja und die zweite große Aufgabe ist natürlich das Make-up selbst. Sind es spezielle Make-ups oder Solisten, die etwas Ausgefallenes brauchen oder einen schnellen Wechsel haben, wird das vorab konzipiert und probiert. Bärte oder Glatzen sind oft solche „Spezialfälle“. Einfache Beauty-Make-ups hingegen schminkt und probiert man direkt bei den letzten Proben, das sind die Klavierhaupt-, die Orchesterhaupt- und die Generalprobe. Die Generalprobe findet dann schon vor Publikum statt – das sich eigentlich immer freut, wenn unvorhergesehene Dinge passieren. (lacht)

Wie stressig ist es, während der Spielzeit in der Maske zu arbeiten?

Silke Klosa: Ja, da kann es schon sehr zur Sache gehen, weil unsere Maskenzeiten oft sehr knapp sind. Bei den Meistersingern haben wir jetzt zum Beispiel beim Damenchor Umzüge, bei denen wir für einen kompletten Make-up- und Frisuren-Wechsel pro Dame maximal 20 Minuten Zeit haben. Und das ist schon sehr knackig. Insgesamt haben wir bei den Meistersingern allein beim Chor über 100 Leute – da muss man in der Maske schon sehr genau wissen, was man tut und seinen Job richtig gut können. Chöre, vor allem wenn sie individuell ausgestattet werden, erfordern generell viel Vorbereitung. Oder muss man zum Beispiel über 30 Glatzen auf eine Bühne bringen, ist das wieder eine ganz andere Herausforderung. Letztes Jahr bei den „Bassariden“ hatten wir das Problem, dass hinter der Bühne einfach kein Platz war. Doch auch das muss man dann irgendwie lösen. Und: Auch wenn es für die Zuschauer ganz unaufwendig aussieht, kann hinter der Bühne der Wahnsinn toben.

Wie sieht es mit Spezialeffekten, zum Beispiel Blut aus?

Sybille Ridder: Immer ein Problem (lacht). Weil man bei solchen Spezialsachen wie Blut immer schauen muss, dass man sie aus den Kostümen, die mitunter nicht gewaschen werden dürfen, auch wieder rausbekommt.

Was passiert nach den Aufführungen mit den Masken?

Silke Klosa: Die wandern dann zu uns in den Fundus. Dort stehen unzählige Kisten, in denen wir sie sammeln. Große Opernstars haben natürlich ihre eigenen Kisten, aus denen wir immer wieder schöpfen können.

Was ist das Schönste an Ihrem Beruf?

Sybille Ridder: Die Abwechslung. Hier arbeiten wir jetzt als Leitungsteam. Wenn die Salzburger Festspiele Ende des Sommers wieder vorbei sind, haben auch wir wieder unsere ganz normalen Vorstellungen, bei denen wir schminken und frisieren. Kein Stück gleicht dem nächsten, man muss sich immer wieder neuen Herausforderungen stellen, hat immer wieder neue Kollegen – und das ist wunderbar. Nicht zuletzt kommt man auch in den Genuss, mitten im Kulturgeschehen zu sein. Auch das ist einfach toll.


18 April 2019 | Text & Interview: Sandra Steindl | Fotos: Lisa Breckner

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