Häusliche Gewalt: Der Feind im eigenen Bett

Veröffentlicht am 25. November 2018

Wenn häusliche Gewalt zum Albtraum wird, führt mancher Weg ins Frauenhaus.

Frau im Trenchcoat mit einer gelben Stoffbahn vor den Augen.

Wie gehen Sie persönlich damit um, täglich mit einem so schwierigen Thema konfrontiert zu sein?

Während der Zeit im Frauenhaus gelingen unglaublich tolle Entwicklungen. Es ist schön zu sehen, wie Frauen nach einem halben Jahr im Frauenhaus in ihre eigene Wohnung ziehen, später wieder eine neue Beziehung eingehen und einfach ein glückliches Leben führen. Ich erfreu mich daran, dass wir vielen Frauen geholfen haben, den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen. Diese Erfolge sind auch der Grund, weshalb wir in diesem Jahr 40 Jahre Wiener Frauenhäuser feiern.

Wie fällt ihre Bilanz nach 40 Jahren Wiener Frauenhäuser aus?

Sinkende Fallzahlen gibt es leider nicht, aber die Sensibilität für Gewalt ist größer geworden. Heute trauen sich mehr Frauen, sich Hilfe zu holen. Vor allem auf rechtlicher Ebene hat sich dafür im Laufe der letzten 40 Jahre viel bewegt. Durch eine Reihe von Gesetzesänderungen, die unter anderem auch aus der Frauenhaus-Bewegung entstanden sind, wurden insgesamt bessere Rahmenbedingungen geschaffen. Das Gewaltschutzgesetz ermöglicht es Frauen und Kindern beispielsweise, in der Wohnung zu verbleiben, während der Gewalttäter von der Polizei aus der gemeinsamen Wohnung verwiesen wird. Ebenso gibt es mittlerweile ein Gesetz gegen Stalking und gegen fortgesetzte Gewaltausübung.

Am 23. November veranstalteten die Wiener Frauenhäuser einen Benefizabend. Kommen die Spendengelder einem bestimmten Projekt zugute?

Wir wollten dieses Mal für die Rechtsanwaltskosten Betroffener sammeln. Heute wird vielmehr prozessiert als noch vor einigen Jahren und die Verfahren dauern länger. Durch die gemeinsame Obsorge sind die Frauen zudem sehr unter Druck gekommen und müssen auch im Falle von häuslicher Gewalt um ihre Kinder kämpfen. Die Männer haben meistens mehr Geld und treten häufig eloquenter auf als die Frauen. Wir sind also in der Situation, dass Frauen immer mehr Anwaltskosten in Kauf nehmen müssen. Gibt es keine Verfahrenshilfe und die Frauen haben kein Geld, stehen sie ohne Rechtsbeistand in Scheidungs- und Obsorgeverfahren. Ein zweites Problem besteht, wenn Kinder ins Ausland entführt werden. Dann wird im Ausland ein Anwalt benötigt, was mit enormen Kosten verbunden ist. Ohne entsprechende finanzielle Ressourcen geht es daher häufig einfach nicht. Unsere Spendengelder werden daher 1:1 der Rechtshilfe betroffener Frauen zugutekommen.

Hilfe für Betroffene häuslicher Gewalt

Rund um die Uhr, kostenlos und anonym:

Frauenhelpline: 0800 222 555

Notruf der Wiener Frauenhäuser: 05 77 22

 

Mehr Infos: www.frauenhelpline.at | www.frauenhaeuser-wien.at


25 November 2018 | TEXT: DENISE SIEBKE | FOTO: STOCKSY

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