Insektensterben: Jetzt helfen den Nützlingen diese 5 Tipps!

Manche von ihnen sind uns lästig, doch fürs Ökosystem sind alle Insekten nützlich. Nun sind Bienen, Schmetterling & Co bedroht - und das wirkt sich auch auf uns aus. Was tun gegen das dramatische Insektensterben? Wir haben fünf Tipps! 

Am Insektensterben ist der Lebenswandel der Menschen schuld.
Am Insektensterben ist der Lebenswandel der Menschen schuld.

Es ist leiser geworden. Früher hat es im Sommer gesummt und gebrummt. Heute sind viel weniger Insekten unterwegs. Die Fakten: Insgesamt schwirren und krabbeln um 80 Prozent weniger Bienen und Co. umher als noch vor 30 Jahren. Alle reden vom Insektensterben und fragen sich: Was können wir dagegen tun? Denn Studien warnen vor einem Insektensterben mit katastrophalen Folgen. Doch die gute Nachricht ist: Wir können was tun gegen das Insektensterben – am besten fängt man beim Bewusstmachen schon bei Kindern an, die bekanntlich großen Spaß am Gärtnern haben.

Warum brauchen wir Insekten und sollten sie schützen?

Insekten verlieren zunehmend ihren natürlichen Lebensraum. Die Hauptursachen dafür: die industrielle Landwirtschaft, in der synthetische Pestizide und Hormone die Umwelt vergiften. Auch die Verstädterung und die Versiegelung von Bodenflächen spielen eine Rolle: Wiesen werden zu Straßen, Parkplätzen oder Industrieflächen. Auch eingeschleppte, fremdländische Arten und der Klimawandel treiben das Insektensterben voran.

Wie wirkt sich das Insektensterben auf uns aus?

Schreitet das Insektensterben voran, wird die Bestäubung von Lebensmittelpflanzen immer schwieriger. Auch weitere, von Insekten abhängige Arten wie etwa Vögel, Igel oder Eidechsen werden abnehmen. „Insekten stellen mit Abstand die meisten Arten in der Natur, deshalb sind sie mit vielen anderen Arten auch eng vernetzt und spielen eine wichtige Rolle für die Funktionsfähigkeit unseres Lebensnetzes“, sagt Dagmar Breschar vom Naturschutzbund Österreich. Die Naturschutzorganisation beschäftigt sich intensiv mit der Frage: Was tun gegen das Insektensterben?

Insektensterben verhindern: Warum brauchen auch „Schädlinge“ Schutz?

Dass schön anzuschauende Insekten wie Bienen oder Schmetterlinge Schutz benötigen, weiß heute fast jedes Kind. Aber auch als „Schädlinge“ betrachtete Insekten brauchen Beistand. Sie haben ebenso ihre Aufgabe in der Natur. Bockkäfer tragen etwa dazu bei, den Wald gesund zu erhalten. Weil sie ihre Eier in Alt- und Totholz legen, verringern sie aber forstwirtschaftlich gesehen den Wert des Holzes. Oft werden vermeintliche „Schädlinge“ in gewissen Bereichen sogar vom Menschen als nützlich betrachtet. „Blutegel sind als ungewollte Blutsauger zwar nicht willkommen, werden aber in der Medizin erfolgreich eingesetzt“, sagt Expertin Breschar.

Was können wir gegen das Insektensterben tun?

Tipp 1: Aufs Rasenmähen verzichten

Eine natürliche, blühende Blumenwiese ist nicht nur schön anzuschauen, sondern hilft auch dabei, ein weiteres Insektensterben zu verhindern. Deshalb: Warten Sie mit dem Mähen, bis die Blumen abgeblüht sind und ihre Samen Zeit zum Heranreifen hatten. Dann können Sie auch in den Folgejahren mit einer vielfältigen Blumenwiese rechnen. „Meistens ist der passende Zeitpunkt für eine erste Mahd etwa Ende Juni – je nach Witterung beziehungsweise wie sich die Pflanzen im Frühjahr entwickeln konnten“, sagt Breschar. Öfter als zwei Mal pro Jahr zu mähen ist nicht empfehlenswert, weil viele Pflanzen dabei nicht zum Absamen kommen.

Tipp 2: Die richtigen Blumen anpflanzen

Wie kann man Insekten noch schützen? Setzen Sie auf heimische Pflanzen! Diese haben sich gemeinsam mit den heimischen Insekten entwickelt – sie sind aufeinander abgestimmt. Wichtig sind außerdem „ungefüllte“, also natürliche Blüten. Denn „gefüllte“ Blüten wurden weitergezüchtet, damit sie mehr Blütenblätter haben. Dadurch kommen die Insekten aber nicht mehr an den Nektar heran. Ideale Insektenpflanzen sind zum Beispiel Gartenkräuter wie Thymian, Salbei oder Schnittlauch. Außerdem Kornblumen, Klatschmohn, Sonnenhut, Disteln, Fetthennen und Wiesenpflanzen wie Gold- und Taubnesseln oder Klee.

Tipp 3: „Unkraut“ absichtlich stehen lassen

Laut Naturschutzbund gibt es so etwas wie „Unkraut“ eigentlich nicht. Ein Beispiel: „Der Löwenzahn wird von vielen Menschen im Garten ausgestochen, dabei dient er den Insekten aber als wertvolle Nahrung“, sagt die Naturschutzbund-Expertin. Auch die viel verschmähte Brennnessel leistet wertvolle Dienste: Mehr als 100 Insektenarten leben in und von ihr, etwa der Kleine Fuchs, eine Schmetterlingsart. Was können Sie also gegen das Insektensterben tun? Vermeintliches „Unkraut“ stehen lassen und lernen, es wertzuschätzen – zumindest in einem Teil Ihres Gartens.

Tipp 4: Insektenhotels richtig bauen

Gut gemeint ist auch daneben: Nicht alle Insektenhotels, die es zu kaufen gibt, sind auch wirkungsvoll. Das liegt daran, dass sie nicht richtig gebaut sind oder die verwendeten Röhrchen, oft sind das Bambusrohre, den falschen Durchmesser haben. Insekten finden deshalb keine Nistmöglichkeiten. Der Naturschutzbund empfiehlt: Die Röhrchen sollten einen Durchmesser von zwei bis zehn Millimetern haben. Sie müssen hinten verschlossen sein. Um Röhren zu bilden, kann man auch in trockenes Laubholz Löcher bohren. Nadelholz eignet sich aber nicht, weil sich die Holznadeln aufrichten und die Insekten verletzen können. „Am besten seitlich in den Stamm und nicht ins Stirnholz bohren, damit sich keine Risse bilden, durch die Parasiten eindringen können“, rät Breschar. Nisthilfen sollten sonnig aufgehängt werden, idealerweise Richtung Südost bis Südwest.

Tipp 5: Winterquartiere schützen

Auch in der kalten Jahreszeit können Sie etwas gegen das Insektensterben tun und Insekten schützen: Verräumen Sie alte Stauden und tote Zweige im Garten nicht! Lassen sie diese bis ins Frühjahr hinein stehen, damit Insekten darin ihre Larven legen können. „In toten Zweigen nisten zum Beispiel Mauerbienen, Maskenbienen, Blattschneiderbienen und Heuschreckenarten.“


5 Juni 2019 | Text: Maria Kapeller | Fotos: Stocksy

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