Beziehungskiller Smartphone: drei Tipps gegen Phubbing

Schatz, leg endlich das Handy weg! – Wer diesen Satz in seiner Beziehung schon gehört hat, aufgepasst! Denn eben „noch 148 Mails checken“ und den Partner derweil „phubben“, kann ungeahnte Konsequenzen haben.

Phubbing: Mit dem Smartphone in der Hand stößt man den Partner in der Beziehung oft vor den Kopf.
Phubbing: Mit dem Smartphone in der Hand stößt man den Partner in der Beziehung oft vor den Kopf.

Mit Ihrem Handy können Sie Ihren Partner vor den Kopf stoßen: Phubbing heißt der Fachbegriff dafür, von engl. „to snub“ (= jemanden vor den Kopf stoßen) und „phone“ für Telefon. Wer den anderen phubbt, nutzt sein Handy in Anwesenheit des Partners, ist dadurch abgelenkt, hört nur mit einem Ohr zu. Die Folge? Der/die Liebste fühlt sich nicht richtig beachtet, das frustriert, provoziert Konflikte – und führt schlimmstenfalls zur Depression.

Klingt arg? Eine Studie der Baylor University in Texas (USA) aber stellte fest: 46,3 Prozent der Befragten fühlen sich vom Partner „gephubbt“ und 36,6 Prozent seien dadurch zumindest zeitweise depressiv.

Lieber Smartphone im Bett als Sex

Auch aus Österreich gibt es Zahlen, die aufhorchen lassen: Eine Woche ohne Sex klingt für die meisten Österreicher besser als sieben Tage ohne Smartphone, ergab eine Marketagent-Umfrage. Eh klar, der durchschnittliche Österreicher schaut 84 Mal am Tag aufs Handy und hat 0 bis 3 Mal pro Woche Sex. (Die Liebe zum Gebrauchsgegenstand Handy geht bei Jugendlichen, fand der Jugend-Trend-Monitor 2019 heraus, mittlerweile so weit, dass rund 7 Prozent der Burschen und Mädchen ihr Smartphone wie einen Körperteil empfinden…)

Sex ist aber nicht alles: Was das Smartphone uns in der Beziehung nimmt, ist die Aufmerksamkeitsspanne und gefühlt auch das Interesse am Partner. Schielt der Freund immer mit einem Auge auf’s Handydisplay, weiß die Freundin: Er ist nicht multitaskingfähig – und hofft, er lässt das Internet einmal Web sein und probiert es stattdessen mit Digital Detox oder Digital Wellbeing.

Wie blöd wir alle aussehen, wenn wir wie Zombies in unsere Smartphones starren, zeigt sehr plakativ der Künstler Eric Pickersgill. Für seine Bilder drückte er seinen Modellen ein Smartphone in die Hand, ließ sie posieren. Bevor er die Fotos schoss, kam das Handy weg. Leere Blicke in schwarz-weiß.

Handy aus, um Paar zu bleiben?

Also Handy aus, wenn der Partner da ist? Nein, sagt Paartherapeutin Sandra Teml-Jetter. Es kommt darauf an, wie das Smartphone eingesetzt wird: Ob man etwa die Antwort auf eine Frage des Partners googelt, ihm ein Foto zeigt oder es als Ablenkung nutzt. „Bedenklich finde ich es, sobald ein Smartphone Verbindung be- oder verhindert“, sagt die Paartherapeutin.

Phubbing gab es vor 20 Jahren noch nicht, Streit in der Beziehung schon. Das sei laut Teml-Jetter auch ganz normal: „Konflikte sind Teil einer Paarbeziehung und suchen sich eine Bühne. Das Smartphone ist eine davon. Es geht darum, wie das Paar Konflikte löst – egal, auf welcher Bühne.“

3 Tipps, um Phubbing in der Beziehung zu vermeiden:

  1. Das Handy zu vereinbarten Zeiten wegpacken. Vorschlag der Paartherapeutin: Im Bett und beim Essen.

  2. Eine App installieren, um das eigene Nutzungsverhalten zu kontrollieren und einzuschränken (z.B. Moment oder Forest).

  3. Ton aus. Dann ist das Smartphone zwar griffbereit, aber Whatsapp und Co. unterbrechen nicht ständig die gemeinsame Zeit.


19 August 2019 | Text: Annalina Jegg | Foto: Stocksy