Ihr Kind schläft nicht durch? Nur die Ruhe!

Hilfe, mein Kind schläft nicht durch - was tun? Durchschlafen ist das Thema schlechthin für Jung-Eltern. Die schlechte Nachricht: Das ist oft auch nach der Säuglingszeit so. Die gute Nachricht: Dass Ihr Kind nicht alleine schlafen will, hat Gründe.

Das können Eltern tun, wenn ihr Kind nicht durchschläft.
Das können Eltern tun, wenn ihr Kind nicht durchschläft.

Ungesundes Essen, Probleme beim Zähneputzen und Durchschlafen – unliebsame Elternthemen. „Und, schläft es schon durch?“ Diese neugierige Frage setzt frischgebackene Eltern unnötig unter Druck. Denn erstens begleitet dieses Thema Familien oft über Jahre – sogar bis in die Schulzeit hinein – und zweitens gibt es einen triftigen Grund dafür, wenn selbst das Kind mit fünf oder sechs Jahren nachts noch ins Elternbett krabbelt und deren gute Nacht stört: die Evolution.

Also nicht verzweifeln, wenn Sie sagen müssen: Mein Kind schläft nicht durch – aber wenn Sie wissen wollen, was Sie tun können, dann lesen Sie diese Erkenntnisse. Sie können dabei helfen, den eigenen Weg zwischen den Erziehungsstilen Attachment Parenting und Helicopter Parenting zu finden.

Schlafprobleme sind Teil der Entwicklung

Auch bei älteren Kindern, die eigentlich schon längst durchschlafen, meldet sich das instinktive Sicherheitsbedürfnis – und zwar häufig dann, wenn Veränderungen anstehen. So können etwa ein Umzug, der Kindergartenstart, die Einschulung oder Stress die heile Welt der Kleinen ins Wanken bringen. Daher werden wichtige Entwicklungsschritte, wie etwa Phasen des Fremdelns oder des magischen Denkens, in vielen Fällen von Schlafproblemen begleitet. Ein Kind, das nicht alleine schlafen will, hinkt also keineswegs in der Entwicklung hinterher – im Gegenteil.

Mein Kind schläft mit 6 Jahren noch nicht durch – na und?

Was bedeuten diese Erkenntnisse nun für Eltern? Vor allem, dass sie sich nicht stressen brauchen, wenn das Kind auch mit zwei Jahren noch nicht alleine in seinem Bettchen durchschläft. Denn dieses Verhalten ist nur das evolutionäre Erbe, nicht etwa ein Versuch, die Eltern zu „erziehen“. Mama und Papa sollten daher kein schlechtes Gewissen haben, wenn hin und wieder die Kinder im Elternbett schlafen. Weder verwöhnt man die Kleinen durch mit „zu viel Nähe“, noch schafft man durch „Nachgeben“ kleine Tyrannen – letzteres ist übrigens ein Begriff, den Sie besser aus Ihrem Wortschatz streichen sollten. Denn er stammt aus einer dunklen Zeit: Die Nazi-Lungenärztin Johanna Haarer schrieb 1934 den ideologischen Ratgeber „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“, in dem sie jegliche kindliche Bedürfnisse aufs Ärgste missachtete. Ihr Tipp: Ein Baby solle nachts natürlich in einem anderen Zimmer als die Eltern schlafen, und niemals dürften Eltern ein weinendes Kind zum Trösten auf den Arm nehmen – weil sie sich sonst einen „unerbittlichen Haustyrann“ heranziehen würden.

(Durch-)Schlafen: Was Sie als Eltern für Ihr Kind tun können

  1. Fördern Sie das Sicherheitsgefühl Ihres Kindes.

    Sorgen Sie dafür, dass neben den Grundbedürfnissen Hunger und Wärme auch das Bedürfnis nach Geborgenheit und Nähe gestillt ist. Begleiten Sie auch ältere Kinder besonders liebevoll und aufmerksam durch schwierige Phasen.

  2. Setzen Sie beim Schlafengehen auf Rituale.

    Rituale wie eine Geschichte, ein Gutenachtlied oder ein Bad vermitteln Routine und Sicherheit.

  3. Achten Sie auf die Einschlaf-Signale, die Ihnen Ihr Kind gibt.

    Bei kleinen Kindern wechseln sich aktive und beruhigte Phasen im 50-Minuten-Takt ab. Stimmt man das Zubettgehen darauf ab, ist der Einschlaferfolg wahrscheinlich höher. Und denken Sie dran: „Durchschlafen“ ist eigentlich der falsche Begriff – denn jeder, auch ein Erwachsener, wacht mehrmals zwischendurch auf. Der Unterschied liegt bloß darin, dass kleine Kinder sich noch nicht selbst so beruhigen können, dass sie von alleine wieder einschlafen.

Schlaf gut, Baby! Der sanfte Weg zu ruhigen Nächten
(Dr. Herbert Renz-Polster, Nora Imlau)
Verlag: GU


16 Oktober 2019 | TEXT: Elisabeth Schmiedjell | Fotos: Stocksy

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