Reden ohne Tabus: Die Sache mit der sexuellen Aufklärung

Tolerant. Offen. Absolut aufgeschlossen. Keinesfalls prüde. So würde sich wohl ein Gros der heutigen Elterngeneration selbst beschreiben. Und doch bereitet das Aufklären der eigenen Kinder vielen Mamas und Papas Kopfzerbrechen.

Couple Of Dolls And Babies
Couple Of Dolls And Babies

Achtung:

Mit seinem Kind offen über Sexualität zu reden, bedeutet nicht, über die eigene Sexualität zu sprechen. Als Eltern muss man seine Intimsphäre wahren und dem Kind von Beginn an beibringen, dass das nur Mama und Papa etwas angeht.

 

3. Immer, aber nicht immer sofort antworten!

Kinderfragen, die die Sexualität betreffen, sollte man beantworten. Aber man muss das nicht immer sofort machen. Wenn das Kind an der Supermarkt-Kassa fragt „Was heißt ficken?“, dann verschlägt es Mama oder Papa schon mal die Sprache. Es ist erlaubt, sich ein Zeitfenster zu verschaffen und sein Kind mit einer Antwort zu vertrösten. Aber ganz wichtig: Verschoben heißt nicht aufgehoben. Wenn der Zeitpunkt passt und man sich eine adäquate Antwort überlegt hat, das Thema von sich aus aktiv und ganz in Ruhe ansprechen.

4. Altersgemäß agieren!

Eltern grübeln oft intensiv darüber, was sie ihrem Kind über seine Frage hinaus noch vermitteln könnten. Zeitverschwendung! Kinder wollen meist nur ihre Frage beantwortet haben und keine langen thematischen Ausschweifungen. Wichtig ist allerdings, so zu erklären, dass es dem Alter und der psychosexuellen Entwicklung entspricht, sachlich richtig und auch verständlich ist. Wenn ein Kindergarten-Kind fragt, wie das Baby in den Bauch kommt, kann man ihm erklären, dass es dafür die Samenzelle eines Mannes und die Eizelle einer Frau braucht. Und wenn die aufeinandertreffen, kann ein Baby entstehen. Kindern im Volksschulalter sollte darüber hinaus durchaus erklärt werden, wie denn Samen- und Eizelle zusammenkommen.

5. Die Sache mit dem Wording!

Ob Mumu, Scheide oder Vagina, Zipfi, Maibaum oder Penis – welche Begriffe Eltern verwenden, ist Familiensache. Wichtig ist, dass sie diese selbst nicht blöd oder peinlich finden. Es soll auf jeden Fall authentisch sein. Gerade innerhalb der Familie müssen nicht unbedingt Fachbegriffe eingesetzt werden. Allerdings sollten Kinder mit dem Schuleintritt die fachlichen Ausdrücke zumindest kennen, um sich dort oder auch bei Arztbesuchen entsprechend artikulieren zu können.

6. Sexualisierte (Schimpf-)Wörter entmachten!

Ficken, bumsen, schwul, Titten oder Homo. Schon kleine Kinder kennen viele dieser Wörter, meist aber nicht ihre Bedeutung. Treiben sie Mama und Papa aber die Schamesröte ins Gesicht, reagieren Oma und Opa schockiert und dreht sich die Tante peinlich berührt weg, werden die Ausdrücke für Kinder gleich noch interessanter. Denn sie erkennen, welche Wirkung sie auf andere haben. Maßregeln hilft da nichts! Am besten das Wort selbst aussprechen und ihm so die Macht entziehen. Denn wenn Mama oder Papa es auch verwenden, ist es nur mehr halb so spannend. Im nächsten Schritt nachfragen, ob das Kind überhaupt weiß, was das Wort heißt, es erklären und danach idealerweise alternative Ausdrucksweisen anbieten.

Sexualtherapeutin Kerstin Steiner Illichmann

Kerstin Steiner-Illichmann ist zertifizierte Sexualpädagogin und selbst zweifache Mama. Sie arbeitet für den Verein „Selbstbewusst“, der an Schulen Workshops zu sexueller Bildung und Prävention vor sexuellem Kindesmissbrauch hält.

Buchtipps

Wachsen und Erwachsen werden. Aufklärungsbuch für Kinder

Wachsen und erwachsen werden.
Das Aufklärungsbuch für Kinder.

(Sabine Thor-Wiedemann und Birgit Rieger)
PREIS: € (A) 13,40
110 Seiten
Verlag: Ravensburger Buchverlag

Klär mich auf. Aufklärungsbuch

Klär mich auf.
101 echte Kinderfragen rund um ein aufregendes Thema.

(Katharina von der Gathen und Anke Kuhl)
PREIS: € (A) 15,50 (gebundene Ausgabe)
208 Seiten
Verlag: Klett Kinderbuch


14 Februar 2019 | Text:Julia Fischer-Colbrie | Fotos: Stocksy, AENEA Jewellery

Auch interessant
Öfter mal auf's Mikrobiom hören und nie wieder Diät machen
Ernährung Low Carb, Paleo, Keto: Diäten gibt es wie Sand am Meer. Aber darauf können Sie pfeifen - Schluss mit den Ernährungsmantren! Viel wichtiger als eine Diät ist das Mikrobiom. Kennen Sie nicht? Dann gleich weiterlesen.
Papas erziehen anders - Was Mamas sich abschauen können
Eltern Papas erziehen anders, Mamas auch. Und das ist gut so. Aber Eltern können voneinander lernen. Fangen wir an: Was Mütter sich von Vätern abschauen können.