Frau die im Supermarkt Lebensmittel einkauft
Strategien gegen das Wegwerfen

Zero Waste beim Essen: Schluss mit der Verschwendung

Ein Drittel des weltweit produzierten Essens landet im Müll. Das muss nicht sein: Diese innovativen Bäcker, Supermärkte und Geschäfte sind pro Zero Waste und sagen der Verschwendung von Essen den Kampf an.

1,3 Milliarden Tonnen an Lebensmitteln werden nicht gegessen, sondern im Abfall entsorgt. Weil Supermärkte zu viel anbieten? Nur das schönste Obst im Regal haben wollen? Weil Kunden auch am Abend frisches Brot nachfragen? Zu viel einkaufen? Auf Vorrat hamstern? Das Problem ist vielschichtig. Während beim großen drängenden Problem unserer Zeit – Plastikmüll – erste Schritte in Richtung konsequenteres Recycling gegangen werden, wird weltweit rund ein Drittel aller auf der Welt hergestellten Lebensmittel weggeworfen. Und das, während andere Menschen an Hunger leiden. Für große, langfristige Änderungen bräuchte es ein strukturelles Umdenken. Kleine, kurzfristige Lösungen, um etwas für Zero Waste und gegen die Verschwendung von Essen zu tun, gibt es schon. Wir stellen einige dieser Akut-Hilfen vor.

Zero Waste: Altem Brot wieder einen Wert geben

Spätestens seit der Ernährungs-Doku „We feed the world“ von Erwin Wagenhofer wissen wir: In Wien wird am Tag so viel Brot weggeworfen, wie in Graz in derselben Zeit verbraucht wird. Rund jedes fünfte Brot, das gebacken wird, wird nie gegessen.

Pane

Der Grazer Trend-Bäcker Martin Auer will nicht Teil dieser Wegwerfgesellschaft sein. Seine Lösung gegen die Lebensmittelverschwendung: Er hat vor einigen Jahren das kleine Brotgeschäft „Pane“ im Zentrum von Graz eröffnet. Dort wird ausschließlich Brot von gestern verkauft – um den halben Preis. Den gesamten Erlös spendet die Bäckerei an lokale, soziale Initiativen.

Bäckerei Essl

Auch die Traditionsbäckerei Essl in Salzburg tut aktiv etwas gegen die Lebensmittelverschwendung: Sie verkauft Brote und Co. eine Stunde vor Ladenschluss um die Hälfte günstiger. Altes Brot kann man aber nicht nur essen. Es lässt sich auch zu Bier verarbeiten. Das zeigen die Macher von „Wasted Bio Bier“: Sie retten unverkauftes Bio-Brot vor der Mülltonne und brauen daraus frisches Bier.

Abgelaufene Produkte, frisch aus dem Regal

Supermärkte, die Abgelaufenes verkaufen? Ja, die gibt es. Bisher vor allem in Skandinavien. Das Ziel: Noch genießbare Lebensmittel vor der Tonne retten und bedürftigen Menschen einen günstigen Einkauf ermöglichen.

Wefood

Seit einigen Jahren kann man in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen im Supermarkt einkaufen und dabei der Essensverschwendung entgegenwirken. Wie das? Der Supermarkt „Wefood“ von einer Non-Profit-Organisation bietet ausschließlich Waren an, die schon abgelaufen sind. Oder die wegen kaputten Verpackungen oder falschen Labels anderswo nicht mehr verkauft werden dürfen. Das Geld für die Eröffnung stammt aus einer Crowdfunding-Kampagne. Die Produkte sind freilich noch genießbar, aber um die Hälfte günstiger. Somit können auch sozial Schwache hier einkaufen. Die Erlöse werden gespendet oder eingesetzt, um Projekte rund um Bio-Landwirtschaft zu fördern.

SirPlus

In Berlin gibt es seit einiger Zeit ebenfalls einen Reste-Supermarkt mit mittlerweile drei Filialen: „SirPlus“ wurde von einem jungen Start-up gegründet. Günstig angeboten werden Lebensmittel, die sonst im Müll landen würden. Das Innovative daran ist eine App, die bei der Essensverwaltung unterstützt.

Auch in Finnland wird gegen die Lebensmittelverschwendung angegangen: Demnächst eröffnet ein Supermarkt der Essen verkauft, deren Verpackungen leicht beschädigt sind. Außerdem Gemüse und Obst, dass nicht ganz perfekt ist, aber trotzdem schmeckt. Das Start-up „Unverschwendet“ am Wiener Schwendermarkt verarbeitet überschüssiges Obst, Gemüse und Kräuter zu Marmeladen, Sirups & Co.

Gegen die Essensverschwendung ankochen

Auch einige Restaurants arbeiten mittlerweile mit Lebensmitteln, die abgelaufen sind oder nicht der Norm entsprechen. Manche Lokale geben am Abend übrig gebliebene Gerichte günstig her, um Essen nicht einfach zu verschwenden.

Spill

Nordeuropa ist nicht nur bei Supermärkten gegen Lebensmittelverschwendung Vorreiter. Auch in puncto Restaurants mit ressourcenschonenden Lösungen. Ein Beispiel: Das kleine Mittagslokal „Spill“ in der schwedischen Stadt Malmö verkocht zum größten Teil Lebensmittel, die sonst in der Tonne landen würden.

Iss mich

Coole Ideen gibt’s aber auch in Österreich: Beim Bio-Catering und Lieferservice „Iss mich” in Wien wird Bio-Gemüse verkocht, dass es erst gar nicht bis in den Handel schafft. Es ist entweder zu groß, zu klein, zu dick, zu dünn oder zu krumm.  Aus diesen von der Norm abweichenden Lebensmitteln werden vor allem Suppen und Eintöpfe hergestellt, in Gläser abgefüllt und haltbar gemacht. Außerdem sind da noch Apps wie „Too good to go“ oder „ResQ-Club“. Sie zeigen an, in welchen Restaurants es kurz vor Ladenschluss übrig gebliebene Gerichte gibt. Das kann man dann online bestellen, selbst abholen und dabei auch noch Geld sparen. Bisher werden sie aber vor allem in Nordeuropa und Deutschland genutzt.

Auch Sie können helfen!

Die österreichischen Tafeln retten Lebensmittel vor dem Müll und geben sie an Bedürftige weiter. Dafür sorgen rund 2.100 ehrenamtliche Helfer. Geholfen beziehungsweise verteilt wird in den Bundesländern teilweise unterschiedlich – je nach Bedarf und Möglichkeiten. Die unabhängigen Regionalverbände haben sich vor einigen Jahren unter der Dachorganisation „Verband der österreichischen Tafeln“ zusammengeschlossen, um gemeinsam noch mehr zu erreichen. Auch dm drogerie markt hat bereits erfolgreich mit den Tafeln kooperiert, zum Beispiel im Rahmen der {miteinander} Weihnachtsinitiative 2018.

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