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Familie ganz modern: So leben wir heute

So bin ich, so leb ich

Familie ganz modern: So leben wir heute

Familien sind heute vielseitig – und das ist gut so. Wir haben mit vier modernen Familien gesprochen:

In vielen Köpfen besteht das „normale“ Familienmodell noch immer aus: Mutter, Vater und ein bis zwei Kindern. Selbst ein drittes Kind wird oft schon infrage gestellt. Und das, obwohl die Patchwork-Familie und gleichgeschlechtliche Paare mit Kind(ern) heute keine Seltenheit mehr sind.

Familienmodelle können vielseitig aussehen: Wie moderne Familien leben und wie ihr Alltag aussieht, verraten ein gleichgeschlechtliches Paar, eine Familiengemeinschaft, eine digitale Nomadin und eine Großfamilie.

4 Familien reden über sich

Mama, Mami, Kind


Elisabeth & Irene Schwaiger (beide 37) und Sohn Benedikt

„Wir haben uns im Dezember 2013 kennengelernt und es war Liebe auf den ersten Blick. Für uns war von Anfang an klar, dass wir irgendwann Kinder wollen. Im Herbst 2019 war es dann kurz nach unserer Hochzeit so weit. Wir haben die Befruchtung mit einer anonymen Spende aus der Samenbank durchgeführt.

Benedikt ist das Beste, was uns passieren konnte! Schade ist nur, dass es durch die ganze Corona-Situation praktisch unmöglich ist, Freundinnen und Freunde und Familie zu treffen und mit Benedikt an Kleinkinderangeboten teilzunehmen.

Wie wir mit unserer Homosexualität umgehen? Offen! Wir haben das Glück, dass uns unsere Familien und Freunde dabei immer unterstützt haben und hinter uns stehen. Und auch sonst machen wir kaum schlechte Erfahrungen. Eingeschränkt sind wir eigentlich nur beim Urlaub, da es immer noch Länder gibt, in denen man Homosexuellen gegenüber nicht aufgeschlossen ist oder wo es dafür sogar Strafen gibt. Deshalb werfen wir immer einen Blick auf den Gay Travel Index (GTI), bevor wir eine Reise planen.“
 

Familiengemeinschaft

 
Die Bewohner*innen des GeWoZu-Wohnprojekts Waidhofen/Ybbs

„Was tun, wenn man gemeinschaftlich wohnen möchte, es dafür am gewünschten Wohnort aber kein Angebot gibt? Man startet selbst ein Projekt. So geschehen 2017 in Waidhofen an der Ybbs beim GeWoZu-Wohnprojekt. Heute stehen wir kurz vor der Fertigstellung unseres 12-Parteien-Hauses, noch heuer wollen wir einziehen. Wir, das sind übrigens 20 Erwachsene und 11 Kinder von 0 bis 70 Jahren – Familien, Pärchen und Singles, die sich größtenteils während des Projekts kennengelernt haben. Wir arbeiten in unterschiedlichen Jobs, haben unterschiedliche Hobbys und doch eines gemeinsam: Wir wollen miteinander und nicht nebeneinander leben.

Jede Partei wird ihren eigenen privaten und kompakt gehaltenen Wohn- und Rückzugsraum mit Küche, Bad und eigenen Zimmern haben. Darüber hinaus gibt es Gemeinschaftsräume, die allen Bewohnern offenstehen – von der riesigen Garderobe gleich hinter dem Eingang über die große Küche bis hin zu einem Spielzimmer für die Kinder, einer Werkstatt, einem großen Garten und einem gemeinschaftlichen Büro.

Klingt gut? Wird es auch, und wenn es doch einmal Diskussionen geben sollte, wird ein Versöhnungsteam schlichten. Wichtig wird aber auch sein, dass wir in Zukunft möglichst aufgeschlossen und tolerant aufeinander zugehen, Rücksicht nehmen, Probleme klar kommunizieren und das Miteinander in den Mittelpunkt stellen – ganz so wie in einer großen Familie.“

 

Digitale Nomadin

 
Simone Tieber (36)

„Als eigene Chefin nur dort arbeiten, wo es mir gefällt, und einfach weiterziehen, wenn ich einen Ortswechsel nötig habe: Diesen Traum habe ich über viele Jahre geträumt, gelebt habe ich ihn allerdings nicht. Vielmehr lief bei mir zunächst alles ganz klassisch: Ich komme ursprünglich aus der Steiermark, mit 19 bin ich nach Wien gezogen und nach dem Studium ins Berufsleben eingestiegen. Ich hatte eine tolle Wohnung, mit der Karriere ging es stetig vorwärts, es schien also gut zu laufen – und trotzdem fehlte mir etwas. Ich wollte mehr Unabhängigkeit, mehr von der Welt sehen, mehr zu mir selbst finden. Tief drinnen in mir spürte ich, dass mich dieses Leben einfach nicht glücklich macht. Mein Umfeld hatte damals nur bedingt Verständnis dafür, aber ICH musste etwas ändern. Also überwand ich meine Ängste, kündigte meinen Job und machte mich auf in Richtung Mittelamerika.

Damals war ich Anfang 30. Seitdem habe ich so viel von der Welt gesehen und war auf jedem Kontinent außer in der Antarktis. Wien sehe ich trotzdem als meine „Base“, wo ich gerne die Sommermonate verbringe. Wovon ich lebe? Ich arbeite von unterwegs als digitale Nomadin vorwiegend als Texterin im Wirtschafts- und IT-Bereich. Dafür brauche ich nicht mehr als einen Laptop, ein Handy und eine stabile Internetverbindung. Außerdem teile ich meine Reiseerlebnisse auf meinem Instagram-Account.

Einzig mein Beziehungsleben blieb zuletzt auf der Strecke: Ich bin seit Herbst 2017 Single. Irgendwann wird der Richtige kommen – und bis dahin schaue ich mir einfach die Welt an und genieße mein Nomadenleben. Eigene Kinder möchte ich übrigens nicht haben. Dafür mag ich mein ungezwungenes Leben viel zu sehr – und beides unter einen Hut zu bringen, wäre nur schwer möglich.“

 

Die Großfamilie

 
Katharina & Jürgen Zacharias (37 und 39) mit ihren vier Kindern

„Es ist nicht so, dass wir die „Kinderkriegerei“ von langer Hand geplant hätten. Wir waren 19 und 21, unsere Beziehung am Tag der Geburt unseres ersten Kindes zarte eineinhalb Jahre alt. So recht wussten wir damals nicht, auf was wir uns einlassen. Knapp zwei Jahrzehnte später ist das anders. Wir sind in der Zwischenzeit aus einer kleinen Wohnung in der Stadt in ein großes Haus mit riesigem Garten am Land gezogen. Hund Lilo und die Katzen Kaspar und Mimi komplettieren unseren Alltag. Dem Bild der klassischen Familie entsprechen wir damit wohl trotzdem nicht. Darauf finden sich gemeinhin ein oder zwei Kinder, aber gleich vier? Da sind wir wohl die Ausnahme, wobei in unserem Umfeld ein gutes Dutzend Familien vier oder sogar noch mehr Kinder haben.

Der Alltag kann deshalb zur Herausforderung werden: Unsere Waschmaschine läuft mehr oder weniger im Dauerbetrieb, mit dem Geschirrspüler ist es nicht anders, und Kühlschränke haben wir gleich zwei. Schnell nach der Arbeit ein paar Kleinigkeiten für das Abendessen einkaufen? Denkste! Wirklich jedes Mal füllt sich der Einkaufswagen wie von Zauberhand und am Ende ist der Kofferraum unseres Kleinbusses wieder voll. Und natürlich ist es bei uns alles andere als leise – manches Mal sogar richtig laut.

Corona hat die Situation nicht einfacher gemacht. Die Kinder verbringen nun fast ihre ganze Zeit mit Handy und Computer. Homeschooling und das gestrichene Sport- und Freizeitprogramm zehren an den Nerven. Abwechslung vom Alltag finden wir in Wanderungen. Wir haben dazu in unserer unmittelbaren Wohnumgebung zum Glück viele Möglichkeiten – und Nachzügler Valentin ist mit seinen drei Jahren auch mit von der Partie. Abends haben wir eine familieninterne UNO-Meisterschaft am Laufen und manches Mal bestellen wir auch Pizza – um nicht noch schnell wegen ein paar Kleinigkeiten zum Supermarkt zu müssen.“