Kinder brauchen Eltern mit Grenzen - und dazu gehört, dass die Erwachsenen lernen, Nein zu sagen.
Gute Grenzen setzen

Nein sagen lernen: Eine Not-to-do-Liste für Eltern

Ein kleines Wort mit großer Wirkung: Wenn Eltern lernen, Nein zu sagen, wird sich ihr Leben ändern. Und zwar zum Positiven. Und das ihrer Kinder übrigens auch. Eine Anleitung zur elterlichen Abgrenzung

Eine achtsame Kindererziehung legt Wert auf das Wohl des Kindes. Doch wer hat eigentlich gesagt, dass klare Grenzen nicht auch dazu gehören? Jesper Juul etwa sagte immer: Kinder brauchen Eltern mit Grenzen! Doch Eltern müssen oft erst lernen, ohne Schuldgefühle Nein zu sagen, damit ihre Grenzen eingehalten werden. Doch wenn sie das geschafft haben, fragen sie sich oft: Warum haben wir uns nicht schon viel früher durchgesetzt?

Eltern aufgepasst: Nein sagen lernen ist so wichtig

Natürlich wollen wir nur das Beste für unsere Kleinen. Wir wollen sie fröhlich sehen und sie nicht zurückweisen. Doch gerade aus diesem Grund müssen Eltern lernen, Nein zu sagen. Grenzen der Eltern dienen schließlich dem Schutz, der Sicherheit und der Gesundheit ihrer Kids. Aber damit nicht genug: Ein „Nein“ kann auch als soziales Feedback dienen, das dem Kind eine wichtige Orientierungshilfe im alltäglichen Miteinander gibt.

Eltern, die lernen wollen, ohne Schuldgefühle Nein zu sagen, stellen sich Grenzen am besten vor wie eine rote Ampel: Würde es keine roten Ampeln geben, würde der Verkehr im Chaos enden und es gäbe dutzende Unfälle. Deshalb freuen wir uns zwar nicht unbedingt, wenn wir vor einer roten Ampel stehen, wir haben aber gelernt, mit ihrem Signal umzugehen und es als etwas Sinnvolles zu akzeptieren. Im sozialen Gefüge stellt ein rotes Licht nichts anderes da. Ein „Nein“ bewahrt persönliche Grenzen, gibt moralische Orientierung und dient damit letztlich einem glücklichen Zusammenleben. Und ganz abgesehen davon, kann ein Nein für Eltern ganz schön befreiend wirken. Wie zum Beispiel in diesen Fällen:

6 x Nein sagen: Eine Not-to-Do-Liste für Eltern

1. Nein, ich kaufe dir heute keine Süßigkeiten

Die ewige Diskussion im Supermarkt hat ein Ende, wenn Eltern lernen, Nein zu sagen. Keine Sorge; dieses Nein soll keinem gänzlichen Süßigkeiten-Verbot gleichkommen, es soll lediglich dafür sorgen, dass Sie nicht bei jedem Einkauf eine XXL-Packung Weingummi im Wagen haben. Bieten Sie Ihren Kids einen fairen Kompromiss an: Erlauben Sie Ihnen zum Beispiel bei jedem dritten Einkauf eine Süßigkeit auszusuchen. Das ist fair und erleichtert Eltern das Neinsagen.

2. Nein, ich lese Dir nicht noch eine Gute-Nach-Geschichte vor

Unsere lieben Kleinen könnten stundenlang zuhören, wenn wir ihnen Geschichten vorlesen. Doch wenn eine Geschichte vereinbart wurde, sollten sich Eltern nicht zu drei weiteren Storys überreden lassen. Ein Nein dient hier nicht nur dem „elterlichen Feierabend“, sondern hilft dem Kind auch früher in den Schlaf zu finden. Keine Diskussion!

3. Nein, du darfst mit deinen Schuhen nicht in die Pfütze springen

Wenn das Kind mit seinen Straßenschuhen in die Pfütze hüpft, sind diese nass und schmutzig und damit ist niemandem geholfen. Wer seinem Kind aber den Spaß nicht verderben will, verbindet das Verbot mit einem fairen Kompromiss. Sobald Sie daheim sind, darf das Kind in Gummistiefel schlüpfen und nochmals ein paar Minuten durch die Pfützen toben. Selbst Kleinkinder lernen den Unterschied zwischen „guter Kleidung“ und „Matsch-Sachen“ recht schnell zu unterscheiden.

4. Nein, ich räume deine Sachen nicht auf

Einen Einjährigen zum Aufräumen aufzufordern, hat keinen Sinn. Doch im Kleinkindalter sollten Eltern ihre Kids nicht unterschätzen. In der Krippe und im Kindergarten werden selbst die Kleinsten angehalten, wenigstens ein paar ihrer Spielsachen wieder weg zu räumen – und siehe da: Es funktioniert. Mit etwas liebevoller Konsequenz kann es daheim mit Ordnung im Kinderzimmer ebenfalls klappen. Wichtig hierbei: Eltern sollten das Aufräumen zunächst im Teamwork mit dem Kind üben, um ein Gespür dafür zu bekommen, wie viele Hilfe das Kind wirklich schon leisten kann.

5. Nein, ich mache den Haushalt nicht allein

Eltern sind kein Hotel. Jedes Familienmitglied kann und sollte seinen Teil zum Haushalt beitragen. Teenies bringen den Müll hinaus und erledigen vielleicht sogar den Einkauf. Aber auch kleine Kinder können anpacken. Ob sie den Tisch decken, ihr Bett machen oder regelmäßig das Haustier füttern: Eine To-Do-Liste für die ganze Familie, die gut sichtbar in der Wohnung aufgehängt wird, kann helfen, die Aufgaben zu verteilen. Für Kleinkinder können bildliche Symbole an die Erledigung erinnern. Und was passiert, wenn die Aufgaben nicht erledigt werden? Ganz einfach: Dann folgt eine Konsequenz (z.B. keine Süßigkeiten an diesem Tag oder TV-Verbot), die vorher mit dem Kind abgestimmt wurde.

6. Nein, ich habe gerade keine Zeit für dich

„Mama, kannst du mal helfen.“ „Mama, mir ist langweilig“. „Mama, ich kann meinen Teddy nicht finden.“ Kennen Sie diese Sätze? Und hören Sie diese auch etwa 100 Mal am Tag? Natürlich sind Sie als Eltern die Ansprechpartner Ihres kleinen Schatzes. Das bedeutet aber nicht, dass Sie nicht auch mal eine Pause haben dürfen. Gestatten Sie sich feste Eltern-Auszeiten. Und vor allem: Setzen Sie sie durch – und zwar ohne ein schlechtes Gewissen. Kleine Pausen im Alltag von 15 bis 30 Minuten zwingen die Kids zu Geduld und Selbstständigkeit, während die Erwachsenen kurz auftanken können. Eine Win-Win-Situation, wenn Sie uns fragen.

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