Social Plastic: David Katz kämpft mit seiner Plastic Bank gegen Plastikmüll
Plastik: Das größte Umweltproblem weltweit

Zero Waste? Social Plastic ist ein wichtiger Schritt dorthin!

Plastik ist praktisch, aber Plastic ist „here to stay“ – also alles andere als nachhaltig. Das Sozialunternehmen „Plastic Bank“ von David Katz beginnt nun in Haiti damit, aus Plastik nicht Müll, sondern Geld zu machen – das ist Social Plastic. Damit will Katz zwei drängende Probleme unserer Welt angehen.

Plastikmüll zählt heute zu den größten Umweltproblemen weltweit. Mittlerweile schwimmen 100 bis 142 Millionen Tonnen davon in den Weltmeeren. „Plastic is here to stay“ – und das ist das große Problem: Plastik verrottet langsam, eine PET-Flasche etwa braucht dafür 450 Jahre!

Und, nächste Herausforderung beim Plastik: In vielen Ländern funktionieren Sammlung und Verwertung nicht. Deshalb hat David Katz im Jahre 2013 in Kanada eine internationale Initiative gegründet, um den Planeten von Plastik zu befreien. Katz gilt als Leitfigur der Nachhaltigkeitsindustrie und will mit seinem Sozialunternehmen „Plastic Bank“ und dem Social Plastic (quasi einer neuen Form des Recyclings) gleich zwei Probleme unserer Welt angehen: das Problem mit dem Plastikmüll zu bekämpfen und gleichzeitig Chancen für Menschen in Armut zu schaffen. Dazu wurden im Inselstaat Haiti, einem der ärmsten Länder der Welt, Sammelstellen für den Plastikmüll errichtet. Die lokale Bevölkerung soll ihn einsammeln, noch bevor er in die Ozeane gelangt.

Tausche Plastikmüll gegen Geld

In den Sammelstellen wird der Abfall sortiert und gewogen. Anschließend kann er gegen Geld, Waren oder Serviceleistungen wie Brennstoff zum Kochen oder Lademöglichkeiten für Mobiltelefone eingetauscht werden. So hilft das Social Plastic von der „Plastik Bank“ von David Katz, Armut zu verringern: Denn es macht Abfall zu einer Währung. Das gesammelte Plastik wird recycelt und von Unternehmen wie beispielsweise Henkel wiederverwertet. Bis heute wurden in Haiti rund 35 Sammelzentren eingerichtet und 2.000 Bewohner haben mehr als dreieinhalb Millionen Kilogramm Kunststoffabfälle gesammelt. Mittlerweile gibt es auch in Brasilien, Indonesien und auf den Philippinen Sammelzentren.

Social Plastic: Große Unternehmen machen mit

Die Firma Henkel ist als erstes globales Konsumgüterunternehmen eine Partnerschaft mit der Plastic Bank eingegangen. Seit dem Jahr 2017 wird gemeinsame Sache gemacht. Dank der Unterstützung von Henkel wurden in Haiti drei weitere Plastik-Sammelcenter eröffnet. Nach erfolgreichen Pilotprojekten verwendet Henkel ab Sommer 2019 das sogenannte Social Plastic in verschiedenen Produktverpackungen. Die PET-Flaschenkörper der Pro Nature Reinigungsmittel der Marke Pril sind zu 100 Prozent aus Altplastik hergestellt. Ein Viertel davon wurde in Haiti gesammelt und wiederaufbereitet. Im Beauty-Angebot von Henkel gibt es eine Special Edition: Die Flaschenkörper von Nature Box „Meeres Glück“ bestehen aus 100 Prozent recyceltem Plastik, davon ist die Hälfte „soziales Plastik“. Insgesamt werden pro Jahr rund 200 Tonnen Social Plastic für Henkel aufbereitet.

Ist Social Plastic die Lösung? Fragen an David Katz, CEO Plastic Bank

Von Zero Waste sind wir in Sachen Plastik sehr weit entfernt. Das weiß auch David Katz, Geschäftsführer der Plastic Bank, der das Problem Plastikmüll schon Jahrzehnte vor anderen beobachtet hat. Ihm ist es wichtig, Plastik nicht zu Müll zu machen, sondern zu Geld. Warum, erzählt er hier.

Wie kam es zur Idee der Plastic Bank?

Ich bin auf einer Insel weit im Westen Kanadas aufgewachsen und habe mein ganzes Leben an Küsten verbracht. Schon als Kind beobachtete ich, wie sich Plastik an den Stränden ansammelte. Vielleicht habe ich deshalb Jahrzehnte vor anderen realisiert, dass das Müll ist und dass eine ganze Flut davon im Anmarsch ist. Die Idee für die Plastic Bank war ein Ergebnis aus allem, was ich bis dahin erlebt hatte.

Was steckt hinter Ihrer Vision, nicht auf Plastik zu verzichten, sondern es besser wiederverwertbar zu machen?

Als Unternehmer bin ich nicht von Problemdenken inspiriert, sondern von der Suche nach Lösungen. Wenn jede Plastikflasche fünf Euro wert wäre, würden wir keine einzige in der Natur oder im Meer sehen. Das Problem ist also nicht das Plastik, sondern die Art und Weise, wie wir Werte einordnen. Wenn wir alle zusammen aufhören würden, Plastik zu verwenden, würden wir den Wert des Materials eliminieren – und damit auch alle wirtschaftlichen Möglichkeiten, es zu sammeln und wiederzuverwerten. Natürlich sind wir starke Gegner von Einwegmaterial. Aber das restliche Material sollten wir wertschätzen, sammeln, in den Kreislauf bringen und es so anstatt zu Müll zu Geld machen.

Welche Rückmeldungen bekommen Sie von den Bewohnern, die Plastik sammeln, wenn Sie in Haiti sind? Wie verbessert sich dadurch ihr Leben?

Haiti ist ein erstaunlicher Ort. Das Ende der Armut vieler Menschen ist das wahre Geschenk, das ich dort wahrnehme. Es ist eine tiefgreifende Erfahrung, wenn jemand zum ersten Mal sagt, dass er optimistisch in die Zukunft blicken kann, Hoffnung hat, dass seine Kinder studieren, Unternehmer werden oder ein Sparkonto eröffnen. Viele Menschen haben das erste Mal ihr eigenes Schicksal in der Hand. Sie merken: Je härter sie arbeiten, desto mehr Geld verdienen sie.

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