Erziehungsstile: Jedes Elternteil erzieht anders, und das ist gut so.
Aber Papa hat ja gesagt

Wenn Eltern über Erziehungsstile streiten: 5 Tipps

Unterschiedliche Erziehungsstile führen zwischen Eltern oft zu Streit. Schade, denn wenn man die Sache anders angeht, kann in der Verschiedenheit ein echter Gewinn liegen – und zwar sowohl für die Kids als auch für Mama und Papa!

Hand auf’s Herz: Es ist oft das innere Kind, das den eigenen Nachwuchs miterzieht. „Nach dem Copy-and-Paste-Prinzip“ übernehmen wir die Wertvorstellungen und Erziehungsmethoden unserer eigenen Kindheit“ sagt auch die Psychologische Beraterin Sandra Teml-Jetter und verrät weiter: Dabei vergessen wir leider oft etwas ganz Wichtiges!

Warum Eltern unterschiedlich erziehen

Was wir vergessen? Ganz einfach: „Wir vergessen, dass Unterschiedlichkeit nichts Schlimmes ist. Sogar das Gegenteil ist der Fall: Unterschiedliche Ansichten sind absolut normal. Geht man richtig mit ihnen um, liegt darin das Potential für Wachstum und Bereicherung“, sagt Teml-Jetter. Vorstellen könne man sich das Ganze wie eine Art Box. „Jeder wächst in seiner eignen Familienbox auf, die für uns als Kind die Welt bedeutet. In jeder Box herrschen unterschiedliche Regeln und in jeder Box lebt es sich anders. All das prägt und erzieht und wird vom Kind als „normal“ betrachtet. Wenn sich zwei erwachsene Menschen nun verlieben, treffen diese Boxen aufeinander. Alles, was man mit der anderen Box gemein hat, schafft keine Probleme. Es sind die Unterschiede, die dem Paar zu schaffen machen. Der Schlüssel zu familiärer Harmonie liegt darin, diese Unterschiede befruchtend zu sehen und ihnen mit Offenheit und Neugierde zu begegnen. Im Idealfall gelingt es dem Paar, eine eigene, neue Box zu erschaffen, anstatt einen Abklatsch der eigenen Vergangenheit zu erstellen.“

Wie Eltern mit den Unterschieden gut umgehen

In der Theorie klingt das logisch. Aber was ist mit der Praxis? Was ist, wenn der Partner dem Kind erlaubt, vor dem Abendbrot Süßigkeiten zu essen, man selbst das aber nicht gutheißt. Oder wenn der Partner eine schlechte Schulnote mit Tadel bestraft, obwohl man dem Kind lieber achtsam erziehend begegnen und tröstende und aufmunternde Worte zusprechen würde? In diesen Fällen ist Toleranz gefragt. Toleranz sowie die Einsicht, dass auch hier die Unterschiedlichkeit okay ist. „In solchen Situationen geht es darum, ein Vorbild zu sein, statt sich mit dem Partner in Macht- oder Glaubens-Kriege zu verstricken“, sagt die Expertin.

Wieso verschiedene Erziehungsstile nützlich sind

Vorbild zu sein bedeutet: Das Verhalten des Anderen akzeptieren und gelten lassen, gleichzeitig aber die eigene Ansicht nicht verstecken. Erziehungsstile gleichen keinem Masterplan, sondern sind Vertrauenssache. Leben die Eltern vor, dass sie trotz (oder vielleicht gerade wegen) ihrer Unterschiedlichkeit zusammenhalten, sich respektieren und die Situation lösen, dann wirken unterschiedliche Erziehungsstile nicht trennend, sondern verbindend. Ein weiterer Bonus für das Kind: Je mehr Möglichkeiten, Rollen und Verhaltensweisen einem Kind vorgelebt werden, desto vielfältiger kann sich seine Persönlichkeit entwickeln; es kann am Ende selbst entscheiden, welchem Muster es folgen möchte.

Was tun, wenn Kinder die Eltern gegeneinander ausspielen?

Toleranz klingt gut. Doch was ist, wenn die Kinder die unterschiedlichen Erziehungsstile ausnutzen und die Eltern gegeneinander ausspielen? Ganz einfach: Auch dann ist elterlicher Zusammenhalt und Toleranz gefragt. Kinder lernen schnell, Unterschiede richtig einzuordnen. Es ist wie bei den Großeltern, bei denen oft auch Dinge erlaubt sind, die daheim ein Tabu darstellen. Gleiches gilt innerhalb der Familie: Was bei Papa erlaubt ist, darf bei Papa gemacht werden – und zwar nur bei Papa. Bei Mama gelten nun mal andere Regeln. Und darin liegt übrigens auch ein Benefit für die Eltern. Denn die goldene Regel lautet in diesem Fall: Jeder trägt die Konsequenz für sein Erziehungsmodell. Wer beispielsweise erlaubt, dass der Vierjährige abends noch eine halbe Stunde länger wach bleiben darf, trägt am nächsten Morgen die Verantwortung dafür, das Kind zu wecken.

Funktioniert das längere Wachbleiben gut, spricht im Prinzip nichts dagegen. Ist das Kind am nächsten Morgen aber müde und schlecht gelaunt, kann das Erziehungsmodell vielleicht doch in Frage gestellt werden. Kritikfähigkeit ist nämlich auch ein Teil der Toleranz. Am Ende geht es bei der Kinderziehung schließlich nicht ums Rechthaben, sondern um das Beste für das Kind und die Familie. Und was das ist, können Eltern nur gemeinsam herausfinden – oder vielleicht sogar ganz neu erfinden. Es liegt an Ihnen.

Unterschiedliche Erziehungsstile: 5 Tipps für mehr Einigkeit

  1. Unterschiede zulassen

    Es gibt kein richtig oder falsch. Bei der Kindererziehung zählen persönliche Überzeugungen. Und die sollte man nicht bewerten, sondern akzeptieren.

  2. Tabus vereinbaren

    Trotz aller Toleranz sollten Eltern fixe Tabus vereinbaren, die aus beider Überzeugung gelten. Beispielsweise, dass Cola trinken verboten ist, die Hausaufgaben immer erledigt werden müssen oder Pünktlichkeit wichtig ist. Welche Maßstäbe es auch immer sein mögen; es sollte Grundsätze geben, die nicht verhandelbar sind.

  3. Das innere Kind erkennen

    Die eigenen Überzeugungen stammen oft von gelernten Mustern aus der eigenen Kindheit ab. Fast automatisch und oft unkritisch übernimmt man diese Überzeugungen. Manchmal macht es jedoch Sinn, einen Moment inne zu halten und die Ansichten zu überdenken. Nur weil man etwas als Kind gelernt hat und es vielleicht als selbstverständlich ansieht, bedeutet das nicht, dass es nicht unumstößlich ist.

  4. Diskutieren, aber nicht streiten

    Dass Eltern verschiedene Ansichten haben ist nichts, was sie vor den Kindern verstecken sollten. Im Gegenteil: Es ist eine Art Vorbereitung auf das soziale Miteinander im späteren Leben; schließlich trifft man auch als Erwachsener immer wieder auf Situationen, in denen Menschen verschiedener Ansicht sind. Lehrreich wird es für das Kind, wenn Eltern offen über ihre Ansichten sprechen – ohne dabei zu streiten. Sachlichkeit, statt Emotionalität ist hier der Schlüssel zum Erfolg.

  5. Ausprobieren

    Theorie und Praxis sind zwei Paar Schuhe. Jeder Erziehungsstil sollte daher die Möglichkeit bekommen, einmal ausprobiert zu werden. Nur so kann in der Praxis erprobt werden, welche Vorgehensweise besser funktioniert.

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