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3 Gründe, warum Freiwilligenarbeit so wichtig ist
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3 Gründe, warum Freiwilligenarbeit so wichtig ist

Pro Woche leisten Menschen in Österreich viele Millionen Stunden Freiwilligenarbeit. Die Forscherin Eva More-Hollerweger erklärt, warum ehrenamtliches Engagement unverzichtbar für die Gesellschaft ist und welche Benefits man persönlich daraus ziehen kann.

Eva More-Hollerweger ist Senior Researcher am Zentrum für Nonprofit-Organisationen und Social Impact an der Wirtschaftsuniversität Wien. Ehrenamtlich ist sie im Vorstand von npoAustria tätig, einer Plattform, die Nonprofit-Organisationen mit Wissen und Vernetzung unterstützt.

Sind Freiwilligenarbeit und Ehrenamt dasselbe?

Im Grunde sind Freiwilligenarbeit und Ehrenamt dasselbe: Gemeint ist damit Engagement, das außerhalb des eigenen Haushalts erbracht wird – und zwar unentgeltlich und freiwillig, also nicht etwa im Rahmen einer gesetzlichen Verpflichtung, wie es beim Zivildienst oder bei einem Pflichtpraktikum während der Ausbildung der Fall ist. „Das sind verschiedenste Tätigkeiten in ganz unterschiedlichen Bereichen, also von Sozialem, Sport, Kultur, Kunst bis hin zu politischer Arbeit oder Interessensvertretung“, nennt Eva More-Hollerweger einige Beispiele.

In der Forschung ist der Begriff „Freiwilligenarbeit“ geläufiger, weil das Engagement als Arbeitsleistung definiert wird und heute nicht mehr unbedingt mit Ehre oder Amt verbunden ist, wie es der Terminus „Ehrenamt“ suggeriert. „Wir unterscheiden auch zwischen dem formellen und dem informellen freiwilligen Engagement“, erklärt die Expertin. Ersteres wird im Rahmen einer Organisation erbracht. Die informelle Freiwilligenarbeit umfasst hingegen das, was man im weitestgehenden Sinne unter Nachbarschaftshilfe versteht. Sie wird also direkt zwischen dem Leistungsempfänger und der Person, die sich freiwillig engagiert, erbracht.

3 Gründe, warum Freiwilligenarbeit wichtig ist

1. Die Vereinskultur bringt Vielfalt in Regionen mit wenig Angebot.

Freiwilligenarbeit hat in Österreich traditionell einen hohen Stellenwert. Laut dem Bericht „Freiwilligentätigkeit in Österreich“ der Statistik Austria aus dem Jahr 2025 engagiert sich rund die Hälfte der österreichischen Wohnbevölkerung über 15 Jahre freiwillig, das sind etwa 3,73 Millionen Personen. Insgesamt werden laut der aktuellen Erhebung ca. 22 Millionen Wochenstunden Freiwilligenarbeit geleistet. Pro Person sind das rund sechs Wochenstunden.

Allerdings gibt es ein Gefälle zwischen Stadt und Land, wo das Engagement höher ist. „Im ländlichen Bereich gibt es meist nicht so viele Angebote zur Freizeitgestaltung“, weiß More-Hollerweger. „Da sind es oft wirklich die Vereine, die das Gemeindeleben stark prägen, von Sport über Kunst bis hin zu Kultur.“

Ungefähr 125.000 Vereine gibt es hierzulande. Auch der kirchliche Bereich spielt eine große Rolle, etwa Kirchenchöre. „Es müssen nicht einmal Organisationen sein, es können auch lose Gruppierungen sein, die sich immer wieder treffen“, sagt die Forscherin. „Ohne diese Art der Freiwilligenarbeit würde sehr viel Vielfalt verloren gehen.“

2. Freiwilligenarbeit kann Leben retten.

23,3 Prozent der Menschen, die sich in Österreich freiwillig engagieren, tun dies laut Statistik Austria im Bereich Katastrophenhilfs- und Rettungsdienst. „Das heißt, diese Menschen haben alle eine Ausbildung in diesem Bereich“, betont die Expertin. „Die kennen sich aus, die wissen, wie man Leute aus Autos rausschneidet, die wissen, wie man Feuer löscht.“ Gäbe es zum Beispiel statt der Freiwilligen Feuerwehren nur Berufsfeuerwehren, wäre dieses Know-how deutlich weniger in der Bevölkerung verbreitet.

3. Freiwilligenarbeit bietet Entwicklungsmöglichkeiten abseits des Berufs.

More-Hollerweger forscht auch zu den Motiven, warum Menschen Freiwilligenarbeit leisten. Neben dem Wunsch, der Gesellschaft etwas zurückzugeben, spielt es mitunter auch die Motivation eine Rolle, neue Kompetenzen zu erwerben. „Man kann Führungserfahrung sammeln, wenn man sich in einem Verein einbringt“, sagt die Expertin. „Da gibt es Möglichkeiten, die man so vielleicht im beruflichen Kontext gar nicht hat.“ Dass die Aufwertung des eigenen Lebenslaufs ein wichtiges Motiv für Freiwilligenarbeit ist, hat auch eine Generationenstudie des Instituts für Jugendkulturforschung im Auftrag des Gemeindebunds aus dem Jahr 2023 herausgefunden.

„Es ist fast nie so, dass ein einziges Motiv ausschlaggebend dafür ist, sich zu engagieren“, betont die Forscherin. Nicht zuletzt haben viele Freiwillige auch einfach Freude an ihrer Tätigkeit und daran, im Rahmen des ehrenamtlichen Engagements neue Menschen kennenzulernen.

Eva More-Hollerweger, Expertin für „Lust an Zukunft“
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