Als das „innere Kind“ bezeichnet die Psychotherapeutin Stefanie Stahl die Summe all jener Kindheitsprägungen, die wir durch unsere Eltern und andere Bezugspersonen erfahren haben. „Insbesondere die Kränkungen und Verletzungen aus der Kindheit verankern sich tief im Unbewussten und hindern uns als Erwachsene daran, unser volles Potenzial zu leben“, schreibt Stahl in ihrem Buch „Das Kind in dir muss Heimat finden“ (Kailash). Doch es gibt Hoffnung: Unser inneres Kind lässt sich heilen.

Wenn wir uns der Vergangenheit stellen und uns von alten Glaubenssätzen verabschieden, können wir auch als Erwachsene diese alten Wunden aus der Kindheit noch heilen. So lösen wir alte Blockaden und können letztlich zu uns selbst finden.

Inneres Kind heilen: Schattenkind trösten, Sonnenkind stärken

Bei der therapeutischen Arbeit mit dem inneren Kind wird zwischen Sonnenkind und Schattenkind differenziert. Das Sonnenkind ist eine Metapher für den intakten Teil des Selbstwertgefühls einer Person. Es repräsentiert die positiven Prägungen und guten Gefühle, die insbesondere aus einer achtsamen Erziehung resultieren. Dazu gehören etwa Spontanität, Abenteuerlust, Neugierde, Selbstvergessenheit, Vitalität oder Lebensfreude.

Das Schattenkind steht für jenen Anteil des Selbstwertgefühls, den wir stärken müssen, weil er verletzt und labil ist. Das Schattenkind umfasst die unbewussten, negativen Glaubenssätze, die jemand aus seiner Kindheit ins Erwachsenenleben mitnimmt, etwa „Ich bin nicht gut genug“ oder „Ich bin nicht wichtig“. Daraus resultieren Gefühle wie Trauer, Angst, Hilflosigkeit oder Wut.