Finden wir uns selbst in der Einsamkeit?
Die ganz große Frage

Wer bin ich? Mit diesen 5 Tipps finden Sie zu sich selbst

Wer ist diese Person, die Ihnen jeden Morgen im Spiegel entgegenblinzelt? Was macht sie aus? Welche Träume und Ziele hat sie? Und warum ist die Antwort auf die Frage „Wer bin ich so?“ so schwer?

Viele orientieren sich bei der Beantwortung der Frage „Wer bin ich“ erst einmal an den harten Fakten. Fakten wie Alter, Geschlecht, Geburts- und Wohnort, Beziehungsstatus und Beruf. Alles Dinge, die auf der Hand liegen und uns dabei helfen, uns gesellschaftlich einzuordnen. Aber sagen sie auch etwas darüber aus, wer wir wirklich sind? Und darüber, was uns glücklich macht?

Eine allgemein gültige Antwort darauf gibt es nicht, sagen Expertinnen und Experten wie Bianca Meusburger-Waldhardt und Christoph Schlick. Doch ohne Selbstfindung, ohne dass wir uns selbst Fragen stellen, geht es nicht. So können wir unserem Selbst näherkommen:

Mit diesen 5 Tipps kommen Sie Ihrem Ich näher

  1. Sich selbst im ständigen Wandel sehen

    Welche Antwort Sie sich auf die Frage „Wer bin ich?“ geben, ist stark abhängig von Wertesystemen, Kultur, persönlichen Prägungen und auch von Philosophie, vom Glauben und Zeitgeist. Sagt Bianca Meusburger-Waldhardt, psychosoziale Beraterin in Wien. „Und Ihre Antwort könnte morgen schon ganz anders beantwortet werden als heute. Das ist natürlich und auch gesund.“

    Ihr Tipp: Begreifen Sie sich selbst als ein „offenes System, das ständig im Wandel ist.“ Die Welt, in der wir leben, ist es schließlich auch. Wer unter diesem Verständnis dem eigenen Selbst auf den Grund gehen will, tut gut daran, zu Beginn seine eigenen Stärken und Schwächen zu definieren. So lernen Sie sich selbst besser kennen und das ist eine wichtige Grundlage für jede Weiterentwicklung.

  2. Abhängigkeiten erkennen und auflösen

    Wenn wir uns anderen vorstellen, dann meist über jene Aspekte in unserem Leben, mit denen wir uns am meisten identifizieren, wie Freizeitgestaltung, Beruf oder Familie. Ist das gut? Expertin Meusburger-Waldhardt sagt „Jein“, denn: „Identifikation in einem gewissen Ausmaß kann hilfreich und motivierend sein. Im Übermaß kann sie allerdings zu Abhängigkeiten führen.“ Diese Abhängigkeiten sollten Sie sich bewusst machen und im Idealfall so gut es geht vermeiden. Denn was, wenn Ihr Job oder Ihre Beziehung wegfällt und Sie sich übermäßig damit identifiziert haben: Was bleibt dann von Ihrem Selbst?

  1. Machen Sie sich bewusst, was Ihnen wirklich wichtig ist

    Zu erkennen, welche Themen und Werte einem wirklich wichtig sind, spielt eine tragende Rolle bei der Selbstsuche. Daher rät der psychologische Berater und Logotherapeut Christoph Schlick, einige Fragen dazu aufzuschreiben: „Was macht mich aus? Was tue oder erlebe ich gern? Was sind meine Träume und Wünsche?“ Die Notizen dazu können Sie sich aufheben, immer wieder ergänzen und in einem ruhigen Moment darüber nachdenken, was diese Sammlung in Ihnen auslöst. „Macht sie dankbar? Traurig? Versetzt sie in Aufbruchstimmung? So kommt man den Werten näher, die einen ausmachen.“

  2. Erkennen, wer ich sein möchte - in sozialen Medien und analog

    Die meisten von uns haben eine zweite Identität: jene in sozialen Medien. Dort können wir frei entscheiden, welche Aspekte unseres Lebens wir ein- oder ausblenden. Wer sich dessen bewusst ist – und es trotzdem schafft, weniger aufs Handy zu schauen – kann daran sogar wachsen. Sogar dann, wenn wir versuchen, online unsere Defizite aus dem realen Leben auszugleichen: „Wenn ich mich so präsentiere, wie ich gerne wäre, real aber nicht bin, dann ist das ein Geschenk an mich und meine Entwicklung“, meint Experte Schlick. „Ich kann mich genau dieser Kluft zwischen dem realen und dem digitalen Selbst liebevoll zuwenden und schauen, wie es um meine Authentizität, um meine Echtheit, bestellt ist.“

  3. Sich von Fremdbestimmung befreien

    Haben Sie schon einmal eine gute Freundin gefragt, wie sie Sie beschreiben würde? Es klingt paradox, aber laut Christoph Schlick kann der Blick von außen hilfreich sein, sich von Fremdbestimmung zu befreien und authentischer zu leben: „Zu erkennen, dass die Fremdwahrnehmung von der Selbstwahrnehmung abweicht, ist ein wichtiger Prozess im Sinne der persönlichen Grenzen und der Selbstentwicklung.“ Dabei sollten wir aber immer hinterfragen, welche Aspekte für die persönliche Entwicklung förderlich sind: „Es geht hier darum, genau zu schauen, wer oder was mein Leben bestimmt. Bin ich das? Oder sind es Erwartungen und Meinungen von außen? Und: Möchte ich diesen gerne entsprechen? Wenn ja, in welchem Ausmaß und warum?“

Mag. Bianca Meusburger-Waldhardt ist psychosoziale Beraterin, (Drama-)Pädagogin sowie Prana-Energiearbeit-Anwenderin und -Trainerin in Wien.

Mag. Christoph Schlick ist Logotherapeut und psychologischer Berater. Er studierte Theologie und Jus und lebte 24 Jahre lang als Benediktinermönch im Kloster. Nach seinem Austritt 2001 gründete er das „SinnZENTRUM“ in Salzburg.

Lassen Sie sich auch von unseren anderen Artikeln mit Christoph Schlick inspirieren.

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