Drei Kinder lachend in der Badewanne
Darf es etwas mehr sein?

Drittes Kind: Ja oder nein? Was die Entscheidung leichter macht

Wollen wir noch ein drittes Kind: Jein, denken viele Eltern. Vielleicht helfen diese Anstöße einer Expertin bei der Entscheidung.

Zwei Kinder sind schon da – darf und soll es noch ein drittes Geschwisterchen sein? Viele Zweifach-Mütter berichten, ob in privaten Gesprächen oder in Web-Foren: Irgendwann regt sich die Sehnsucht nach einem dritten Kind. Egal, ob sie vor der Frage stehen, mit 40 nochmal schwanger zu werden oder mit 30. Viele Frauen wollen noch einmal das Gefühl haben, ein Baby zu bekommen. Die Entscheidung „Drittes Kind ja oder nein“ auch tatsächlich zu treffen, ist keine einfache – und Tipps, die andere Menschen geben, können immer nur Anstöße für die Paar-Beziehung sein.

Katharina Weiner, Lebens- und Familienberaterin sowie Leiterin von familylab Österreich, versucht das an dieser Stelle. Sie beantwortet die Frage, warum gerade die Entscheidung für das dritte Kind so herausfordernd sein kann und welche Erfahrungen Eltern womöglich helfen können.

Entscheidung für ein drittes Kind: Was spricht dafür und was dagegen?

Wieso reagieren Freunde und Verwandte auf ein Ja zum dritten Kind oft mit Unverständnis?

„Es ist ein gesellschaftliches Phänomen, dass manche glauben zu wissen, was für andere gut ist. Jede Familie weiß für sich, was am besten ist und sollte sich nicht von anderen beirren lassen.

Niemand sollte sich deshalb anderen gegenüber rechtfertigen müssen. Ich denke, wir brauchen grundsätzlich mehr Mut, zu unseren persönlichen Entscheidungen zu stehen, ohne dass jemand mit erhobenem Zeigefinger neben uns steht.“

Warum empfinden viele überhaupt Großfamilien heute nicht mehr als normal?

„Großfamilien hatten früher ganz andere Rahmenbedingungen. Diese lassen sich mit unserem heutigen Leben nicht mehr vergleichen. Im Laufe des Elternseins stellen sich mittlerweile viele Veränderungen ein, berufliche wie persönliche.

Wir erleben seit ‚früher‘ bereits die dritte Generation an Eltern, die sich selbst neu entdeckt. Vieles wurde und wird ausprobiert, jede Familie ist ein Unikat. Noch nie hatten wir so viel Freiheit Entscheidungen zu treffen.

Dieser Umstand wird heutzutage zur Herausforderung – mit einer wenig konkret planbaren Zukunft. Gerade weil wir kaum verlässlich nach vorne blicken können, wird ein weiteres Kind zur besonderen Aufgabe.“

Wenn die Sehnsucht nach einem dritten Kind aufflammt: Ja oder nein – was raten Sie?

„Die Zeit mit einem Baby ist eine ganz besondere. Die Überlegung zu einem dritten Kind ist je nach Familie mit unterschiedlichen Themen verbunden. Also ist ein drittes Kind letztlich eine sehr individuelle Entscheidung, für die es kein Patentrezept gibt.

Der erste Schritt für die beiden Elternteile wäre: Lassen Sie sich auf die Vorstellung ein – und was diese möglicherweise in Ihnen auslöst. Vielleicht entstehen große Vorfreude – oder auch Existenzängste.

Dennoch sollte ein drittes Kind zu keinem Projekt werden, von dem das Glück der Familie oder der Mutter abhängt. Denn wie es letztlich wirklich zu fünft sein wird, kann niemand im Vorhinein wissen. Die gute Nachricht ist: Ein drittes Kind trifft bereits auf Eltern, die manches viel entspannter erleben.“

Was tun, wenn der Partner dagegen ist?

„In dieser Situation sollten Sie beide sich dem Thema offen und ehrlich stellen. Besser im Vorfeld über Gedanken und Sorgen sprechen, am Partner interessiert sein und bleiben, anstatt es darauf ankommen zu lassen. In der Hoffnung, dass sich mit dem Kind alles ändert.

Was dabei helfen kann: Werden Sie sich bewusst, wie Sie als Paar mit Ihrem ersten „Kind“ – und damit meine ich: die Paarbeziehung – in der Zwischenzeit umgehen. Denn: Die Paarbeziehung ist in der Familie von großer Bedeutung. Oft verlieren sich Eltern im Elternsein und vergessen auf eines: Der Ursprung ihrer Familie liegt in ihrer Beziehung! Überprüfen Sie darum immer wieder, wie es Ihnen und Ihrem Partner als Paar miteinander geht: Gibt es noch gemeinsame Aktivitäten ohne Kinder? Gibt es genug Zeit miteinander, um sich auszutauschen, abseits der Kinderfragen?

Wenn Eltern gerade eine schwierige Zeit erleben (beruflich oder auch persönlich Belastendes wie z. B. eine Krankheit), so brauchen Kinder die Wahrheit. Damit sie wissen, dass es nichts mit ihnen zu tun hat und die Erwachsenen die Verantwortung dafür übernehmen. Geht es den Eltern gut, geht es den Kindern gut.“

Drittes Kind: Was ändert sich wirklich?

„Mehrkindfamilien können definitiv bereichernd wirken: Geschwisterkinder lernen Facetten des Lebens miteinander kennen, die etwa in einem Kindergarten nicht möglich wären. Eltern machen die Erfahrung, dass sie beim dritten Kind viel gelassener sein können als noch Jahre zuvor. Schließlich haben die zwei Vorgänger/-innen bereits wirkungsvolle Vorarbeit geleistet.

Natürlich ändern sich auch Dynamiken unter den Geschwistern, die den Eltern einiges an Geduld, Energie und auch Organisationstalent abverlangen. Grundsätzlich dürfen wir nie vergessen: Wir alle sind verschiedene Persönlichkeiten – auch unsere Kinder!“

Fazit: Drittes Kind – ja oder nein?

„Tatsache ist, wir wachsen alle an unseren Aufgaben. Wenn es beiden Elternteilen ein Herzenswunsch ist, die Familie zu vergrößern und die beiden Geschwisterkinder außerdem Lust auf mehr machen, weil sie sowohl einander als auch ihre Eltern bereichern, sollte dem Entschluss für ein drittes Kind nichts mehr im Wege stehen.“

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