Viele oxidative Haarfarben arbeiten mit Inhaltsstoffen wie Ammoniak oder Wasserstoffperoxid, um die Haarstruktur für die Farbreaktion zu öffnen. Diese Inhaltsstoffe können die Haarstruktur beanspruchen, weil sie die äußere Schuppenschicht öffnen. Denn für ein optimales Farbergebnis rauen oxidative Colorationen die oberste Schuppenschicht der Haare auf, damit die Farbpigmente tief eindringen und haften bleiben können. Langfristig kann das zu trockenem, sprödem Haar führen, das zu Spliss und Haarbruch neigt.
Pflanzenhaarfarben funktionieren anders: Sie hellen das Haar nicht auf, sondern lagern Farbpigmente an der äußeren Haarstruktur an. Dadurch kann sich das Haar griffiger anfühlen und mehr Glanz bekommen. Unter Pflanzenhaarfarben versteht man Haarfarben mit pflanzlichen Farbstoffen, zum Beispiel Henna, Indigo oder Cassia. Auch Zutaten wie Walnussschalen, Kurkuma oder Hibiskusblütentee können eingesetzt werden, um das Farbergebnis zu intensivieren.
Je nach Produkt können Pflanzenhaarfarben neben pflanzlichen Farbstoffen weitere Inhaltsstoffe enthalten. Prüfen Sie dazu die Inhaltsstoffliste des jeweiligen Produkts. Denn: „Pflanzenhaarfarben sind nicht zu 100 Prozent deckend“, wissen Susanne Forobosko und Janine Hausegger, Qualitätstrainerinnen für die dm friseurstudios. Wir haben mit den Expertinnen über die Vor- und Nachteile von Pflanzenhaarfarben gesprochen und worauf man beim Färben achten sollte.

Welche Vorteile hat das Färben mit Pflanzenhaarfarben?

„Mit Pflanzenfarben erzielt man am besten sehr warme, meist rötliche Farbergebnisse. Sie legen sich um die Schuppenschicht und lassen das Haar dadurch glänzen. Je öfter man eine Pflanzenhaarfarbe verwendet, desto besser hält das Farbergebnis“, sagt Susanne Forobosko.

Für wen sind Pflanzenhaarfarben geeignet?

„Pflanzenhaarfarben sind für alle interessant, die Haarfarbe mit pflanzlichen Farbstoffen wie Henna, Indigo oder Cassia verwenden möchten. Viele Pflanzenhaarfarben enthalten pflanzliche Bestandteile wie Blüten, Stängel, Samen oder Wurzeln. Sie hellen das Haar nicht auf, sondern lagern Farbpigmente an der äußeren Haarstruktur an“, betont Janine Hausegger.

Worauf muss man beim Färben mit Pflanzenhaarfarben achten?

„Pflanzenhaarfarben können das Haar weder aufhellen noch weißes Haar zu 100 Prozent gleichmäßig abdecken. Das Ergebnis hängt von der Ausgangsfarbe ab. Pflanzenhaarfarben sind meist rötlich pigmentiert und kühle Töne nur sehr schwer bzw. nicht wirklich zu erzielen“, weiß die Expertin.

Sind Pflanzenhaarfarben für graue Haare geeignet?

„Weiße bzw. graue Haare werden mit Pflanzenhaarfarben kaschiert, aber nicht zu 100 Prozent abgedeckt. Auf weißem Haar werden Pflanzenhaarfarben im Ergebnis stärker und intensiver. Sie passen sich den Weiß- und Graunuancen des Haares an und können dadurch weich und weniger deckend wirken als oxidative Haarfarben. Je öfter man eine Pflanzenhaarfarbe verwendet, desto besser bzw. länger hält das Ergebnis“, ergänzt Susanne Forobosko.

Worauf beim Färben mit Pflanzenhaarfarben achten, wenn man danach oder zuvor die Haare blondiert?

„Wenn das Haar nach einer Pflanzenhaarfarbe blondiert wird, kann es zu extremen Farbabweichungen kommen. Daher empfehlen wir, vorab eine Probesträhne zu Hause oder bei Ihrem Friseur zu färben.
Umgekehrt gilt: Da Pflanzenhaarfarbe das Naturhaar nicht heller färben, sondern nur nuancieren kann, sind Pflanzenhaarfarben auf bereits blondiertem Haar nicht empfehlenswert“, sind sich die Expertinnen einig.

Wie kann man das Farbergebnis von Pflanzenhaarfarben intensivieren?

„Für ein gleichmäßiges Ergebnis empfehlen wir, das Haar vollständig von Styling- und Pflegerückständen zu befreien. Je nach Nuance kann die Pflanzenhaarfarbe statt mit Wasser mit entsprechenden Tees angerührt werden. Dafür eignen sich bei dunklen Haaren etwa Schwarztee, bei hellen Haaren Kamillentee. Rottöne können etwa mit Hibiskusblütentee Reflexe erhalten.“

Profi-Tipps für das Färben mit Pflanzenhaarfarben

  • Pflanzenhaarfarbe sollte immer auf frisch gewaschenem, handtuchtrockenem Haar aufgetragen werden.
  • Zum Anrühren der Farbe das Wasser kurz aufkochen und anschließend etwas abkühlen lassen. Zu heißes Wasser kann einzelne Pflanzenbestandteile beeinträchtigen. Bei zu kaltem Wasser können sich dagegen die Farbstoffe nicht richtig entfalten.
  • Um ein Austrocknen der Farbmasse während der Einwirkzeit zu verhindern, empfehlen wir, das Haar mit Frischhaltefolie abzudecken.
  • Handschuhe tragen, um Verfärbungen zu verhindern.
  • Um die Haltbarkeit der Haarfarbe zu verlängern, empfehlen wir, Haarpflegeprodukte für coloriertes Haar zu verwenden.