Junge Seitenansicht einer Frau, die mit geschlossenen Augen ihren Kopf in den Nacken legt.
Tief Luft holen!

Richtig atmen: Wie wir es lernen

Falsches Atmen hält Emotionen zurück. Psychotherapeutin Caroline Kunz erklärt, wie wir richtiges Atmen lernen – und so auch leichter durchs Leben gehen.

Schnell noch zum Bäcker sprinten, dann zur U-Bahn rasen. In einer Viertelstunde beginnt die Präsentation im Büro. Stress und Hektik im Alltag lassen oft kaum eine Verschnaufpause. Für tiefes, beruhigendes Ein- und Ausatmen scheint schlichtweg keine Zeit zu bleiben.

Dabei würde es dem eigenen Wohlbefinden guttun, wenn die Atmung weniger flach wäre. Denn Atemzüge und Gefühlsleben sind stark miteinander verbunden. Die gute Nachricht: Richtiges Atmen kann man lernen. Caroline Kunz, Allgemeinmedizinerin und Psychotherapeutin in Wien, erklärt, worauf es ankommt.

5 Fakten zum bewussteren Atmen

Warum ist unsere Atmung so wichtig, einmal abgesehen von der Sauerstoffversorgung?

„Die Atmung begleitet im Grunde alle Stoffwechselprozesse und Regungen des Körpers. Das umfasst vor allem Körperspannung, Muskulatur, Gefühle, vegetatives Nervensystem und indirekt auch die Hormonregulation.“

Was sind die Symptome für falsche Atmung?

„Durch den Stress, die Anspannung und das zunehmende Tempo im Alltag atmen die meisten Menschen sehr oberflächlich. Dadurch werden unter anderem sehr viele Emotionen zurückgehalten und nicht ausreichend verarbeitet. Für eine gute Regulation wäre es aber wichtig, bewusst zu atmen.“

Die Atmung neu lernen: Wie funktioniert das?

„Der erste wichtige Schritt ist, dass man einmal bewusst wahrnimmt, wie man atmet. Über dieses Wahrnehmen kann man beginnen, tiefer in den Bauch und das Becken zu atmen. Wer sich das angewöhnt, fühlt sich frischer und weniger müde. Er bekommt ein besseres Körpergefühl und kann seine Emotionen klarer wahrnehmen.“

Wie lernen wir bewusster zu atmen – ob beim Sport oder im Alltag?

„Besser zu armen lässt sich zum Beispiel im Zuge von asiatischen Bewegungslehren wie Yoga oder Qigong lernen. Sie integrieren bewusstes Atmen zur Stressverarbeitung. Nicht zuletzt kann man auch sehr gut beim Ausdauersport seine Atmung trainieren.“

Es gibt spezielle Therapien für die richtige Atmung. Was passiert dabei?

„Das Atmen selbst kann man zum Beispiel über ein Biofeedback-Gerät mit einem Atemsensor üben, weil das die Reaktionen des vegetativen Nervensystems zurückmeldet. Wenn man bereits sehr viel aufgestaut hat, kann man auch eine eigene Therapiemethode nützen, die holotrope Atemarbeit. Das ist eine beschleunigte Atmung, die dabei hilft, Emotionen abzuarbeiten. Sie wirkt wie eine Entschlackungskur für die Seele.“

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