Aus Alt mach Neu: Minimalismus liegt im Trend und dazu gehört auch, kaputte Dinge zu reparieren anstatt sie durch neue zu ersetzen.
So hält es ewig

Aus Alt mach Neu: Warum Reparieren im Trend liegt

Wegwerfen oder reparieren? Die Versuchung, sich einfach ein neues Gerät zu kaufen, ist groß. Doch wer das alte nicht entsorgt, sondern repariert, schont die Umwelt in vielerlei Hinsicht. Repair Cafés zeigen, wie man aus Alt Neu machen kann.

Früher war es selbstverständlich, etwas zu reparieren, wenn es beschädigt war. Heute leben wir in einer Wegwerfgesellschaft. Teilweise, weil Neugeräte mittlerweile günstiger geworden sind und professionelle Reparatur-Arbeitsstunden einiges kosten. Bei Smartphones etwa werden viele Reparaturen gar nicht angeboten. Oft sind aber auch die nötigen Ersatzteile nicht mehr zu bekommen. Manche Geräte werden noch dazu verklebt statt verschraubt und können deshalb gar nicht repariert werden.

Doch langsam geht der Trend in die andere Richtung: Nachhaltigkeit wird ein größeres Thema. Immer mehr Menschen haben erkannt, dass Reparieren statt Wegwerfen und Upcycling nicht nur das Geldbörsel schont, sondern auch das Klima. (Diese Tipps und Produkte helfen Ihnen übrigens dabei, Ihren Alltag nachhaltiger zu gestalten.)

Aus Alt mach Neu: Wieso Reparieren und Upcycling so wichtig sind

Dass wir unseren Plastikmüll reduzieren müssen, haben wir verstanden, aber noch nicht im Griff. Bei Elektrogeräten ist es so: Sie vor der Mülldeponie zu retten, hat eine besonders große Wirkung. Werden sie zu neuem Leben erweckt, schrumpft nicht nur der Haufen an Elektroschrott. Auch werden weniger neue Geräte produziert, was nicht nur den CO2-Ausstoß verringert: Denn auch die Rohstoffgewinnung für neue Elektronik schadet der Umwelt.

Würde die Lebenszeit aller in der EU vorhandenen Waschmaschinen, Notebooks, Staubsauber und Smartphones um ein Jahr verlängert, könnten gemäß einer Studie des Europäischen Umweltbüros vier Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Laut dem im Dezember 2019 veröffentlichten „Green Deal“ der Europäischen Union sollen Reparatur und Wiederverwertung einen wichtigen Beitrag leisten, um Europa bis 2050 klimaneutral zu machen. Deshalb ist es auch so wichtig, Kindern Nachhaltigkeit zu vermitteln.

Künftig soll es sogar ein „Recht auf Reparatur“ geben. Damit sind Produkte so konstruiert, dass man sie reparieren kann. Aber wie setzt man das „Recht auf Reparatur“ im realen Leben um? Wir zeigen die Bandbreite, von Repair Cafés bis hin zu Online-Plattformen, die dazu beitragen, unseren inneren Tüftler zu wecken.

Upcycling und Reparatur: Was kann ich tun?

  1. Beim Kauf die Reparaturmöglichkeit berücksichtigen

    Achten Sie bereits bei der Anschaffung eines elektronischen Geräts darauf, ob es später repariert werden kann. So hält beispielsweise der Lithium-Ionen-Akku eines herkömmlichen Smartphones laut iFixit bei starker Nutzung durchschnittlich zwei Jahre lang. Telefone mit leicht austauschbaren Akkus haben demnach eine mindestens doppelt so hohe Lebensdauer. Ebenfalls sinnvoll ist es, beim Neukauf eher zu einfachen Geräten zu greifen. Sie sind meistens langlebiger, weil sie weniger Zusatzfunktionen und damit weniger mögliche Fehlerquellen haben.

  2. Weniger Neues kaufen

    Für ein nachhaltiges Leben ist das Umdenken beim Konsumverhalten mindestens genauso wichtig wie Kaputtes zu reparieren oder nach Ideen für Upcycling zu suchen. Das heißt: bestehende Geräte so lange wie möglich nutzen und gut warten. Neues nur dann anschaffen, wenn es unbedingt notwendig ist. Oder auch gebrauchte Geräte kaufen, das schont die Geldbörse. Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen und Trockner kann man mittlerweile sogar langfristig mieten.

  3. Repair Café nutzen

    Zehn Jahre nach ihrer Gründung in Amsterdam, umfasst die europaweite „Stiftung Repair Café“ heute knapp 2.000 Gruppen in 35 Ländern. Auch in Österreich gibt es laut Repa-Net, dem Netzwerk für Re-Use und Reparatur in Österreich, mehr als 150 Projekte. Rund 3.000 Freiwillige reparieren jedes Jahr gemeinsam mit mehr als 63.000 Café-Besuchern rund 46.000 Gegenstände. Die Folge: Das spart jährlich rund 1.110 Tonnen CO2-Äquivalente und 210 Tonnen Abfall. Außerdem verbindet das gemeinsame Werkeln. „Repair Cafés schaffen soziale Lernräume, in denen praktisches Wissen rund um Reparatur weitergegeben wird – generationenübergreifend“, sagt Repa-Net-Geschäftsführer Matthias Neitsch.

  4. Sich online zum Reparieren vernetzen

    Wenn gerade kein Repair Café in der Nähe ist, hilft das Internet weiter. Die größte Online-Gemeinschaft fürs Reparieren heißt iFixit. Sie vernetzt Menschen auf der ganzen Welt und zeigt ihnen, wie sie Schäden und Defekte ganz einfach selbst beheben können. Mittlerweile bietet die Plattform mehr als 60.000 kostenlose Schritt-für-Schritt-Reparaturanleitungen für mehr als 21.000 Geräte an und hat weltweit rund zehn Millionen Nutzer. Auch auf der Onlineplattform reparaturfuehrer.at sind mehr als 1.500 Betriebe aufgelistet, die kaputte Gegenstände herrichten – vom Fernseher bis zum antiken Sessel. Außerdem bieten einige Firmen einen Verleihservice an, bei dem man sich Geräte ausborgen kann.

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