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Besuchs- und Begleitdienst als Ehrenamt: „Wichtig ist nur die Bereitschaft, Zeit zu schenken“
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Lust an Zukunft

Besuchs- und Begleitdienst als Ehrenamt: „Wichtig ist nur die Bereitschaft, Zeit zu schenken“

Ein Gespräch bei einer Tasse Kaffee, ein gemeinsamer Spaziergang oder einfach jemand, der zuhört: Oft braucht es nur kleine Gesten, die den Alltag älterer Menschen heller machen. Denn viele Seniorinnen und Senioren fühlen sich einsam. Der Besuchs- und Begleitdienst setzt genau hier an und ermöglicht Begegnungen, aus denen nicht selten echte Freundschaften entstehen – so wie bei Petra und Isabella.

Was ist der Besuchs- und Begleitdienst?

Der Freiwillige Besuchsdienst, zum Beispiel von der Frauenhilfe Salzburg, richtet sich an ältere Menschen, die alleine sind. Er bietet ihnen regelmäßige und verlässliche Gesellschaft, sei es bei Gesprächen, Spaziergängen, gemeinsamen Erledigungen oder einfach beim Zuhören. Die Freiwilligen engagieren sich meist einmal pro Woche und schenken Zeit und Aufmerksamkeit. Interessierte jeden Alters können sich einbringen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Eine Einschulung, Austausch im Team und Versicherung werden organisiert. Wer sich engagieren möchte, aber auch Seniorinnen und Senioren, die einen Besuchsdienst wünschen, können sich direkt an den Träger wenden. So wie Isabella vor knapp zwei Jahren. Die Seniorin fühlte sich einsam. Ihr Ehemann ist bereits 2008 gestorben. Sohn und Schwiegertochter haben kaum Zeit, Freunde und Schwestern sind nicht mehr mobil. Besuche finden deshalb nur noch selten statt, der Kontakt zueinander beschränkt sich auf Telefonate. „Ich habe dann ein Prospekt der Frauenhilfe Salzburg erhalten und vom Besuchsdienst erfahren. Darüber habe ich Petra kennengelernt. Sie ist mein Gottesgeschenk“, erinnert sich Isabella. Petra Lehrer besucht Isabella inzwischen einmal pro Woche.

Frau Lehrer, warum haben Sie sich entschieden, sich sozial zu engagieren?

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass jeder von uns etwas zu geben hat, um diese Welt ein Stück heller, wärmer und wertvoller zu machen. Wir alle tragen etwas in uns, das wir teilen können – Zeit, Aufmerksamkeit, Mitgefühl, Wissen. Für mich bedeutet Engagement auch, aktiv zu einer Welt beizutragen, in der wir selbst gerne leben möchten. Und wenn jeder ein kleines Stück beiträgt, entsteht etwas Großes. Dieses Teilen ist unglaublich wertvoll.

Warum ist Ihre Wahl auf ein Engagement beim Besuchsdienst der Frauenhilfe Salzburg gefallen?

Ich habe schon länger darüber nachgedacht, mich zu engagieren, wusste aber nicht genau, wo und wie. Kurz nachdem ich meine Ausbildung zur Lebens- und Sozialberaterin abgeschlossen hatte, kam von meiner Akademie eine Anfrage der Frauenhilfe. Sie suchten dringend Menschen für den Besuchsdienst. Das war der erste konkrete Anstoß. Bevor ich mich gemeldet habe, habe ich mir noch ehrlich die Frage gestellt: Passt das zu mir? Ich finde, das ist ganz wichtig – in sich hineinzuhorchen: Wo sehe ich mich? Was könnte mir Freude machen? Und dann einfach ausprobieren.

Was genau macht die Frauenhilfe im Bereich Besuchsdienst?

Der Besuchsdienst richtet sich an einsame oder kranke Menschen. Darüber hinaus unterstützt die Frauenhilfe auch Kinder und alleinerziehende Mütter, teilweise mit Lernbegleitung. Generell gibt es aber viele Trägerorganisationen, etwa die Caritas, die Freiwillige suchen. Möglichkeiten gibt es also viele.

Braucht man Vorkenntnisse, um sich beim Besuchsdienst zu engagieren?

Nein, überhaupt nicht. Wichtig ist nur die Bereitschaft, Zeit zu schenken. Bei mir sind es etwa zwei Stunden pro Woche. Wenn ich sie mir nicht bewusst reservieren würde, wären sie schnell mit anderen Dingen gefüllt. Aber diese zwei Stunden sind ein Geschenk – für beide Seiten. Es gibt Ehrenamtliche, die das seit zehn oder zwölf Jahren machen. Manche haben mehr Zeit, andere weniger. Jeder Beitrag zählt.

Wie läuft der Einstieg in den Besuchsdienst konkret ab?

Zuerst gibt es ein persönliches Gespräch mit der Leiterin des Besuchsdienstes. In meinem Fall war das Reinhild Oberbucher von der Frauenhilfe. Sie erklärt, was einen erwartet, und macht sich natürlich auch ein Bild von einem. Sie hat ein unglaublich gutes Gespür dafür, welche freiwillige Person zu welchem Klienten passen könnte. Danach gibt es ein erstes gemeinsames Treffen, begleitet durch die Frauenhilfe.

Wie war ihr erstes Treffen mit der Seniorin, die Ihnen zugeteilt wurde?

Es war etwas außergewöhnlich, weil die Dame, die ich besuchen sollte – Isabella – gerade im Krankenhaus war. Ich war nervös. Ich wusste nicht genau, was mich erwartet. Aber ich habe mir gedacht: Ich lasse mich jetzt einfach darauf ein. Und dann saß ich da einer unglaublich herzlichen, aber auch sehr belasteten Frau gegenüber. In einem Krankenhausumfeld ist vieles intensiver. Trotzdem war sofort eine Verbindung da.

Und wie geht es dann weiter? Ist man im Anschluss auf sich alleine gestellt?

Nein, überhaupt nicht. Es gibt bei der Frauenhilfe alle zwei Monate Austauschtreffen, Superdivisionsmöglichkeiten und jederzeit ein offenes Ohr, wenn man Fragen hat. Gerade wenn man mit Themen wie Krankheit, Demenz oder schwierigen Lebenssituationen konfrontiert ist, ist es wichtig zu wissen: Man ist nicht allein. Und einmal im Jahr gibt es einen Freiwilligentag mit einem schönen Programm und viel Wertschätzung für alle Ehrenamtlichen.

Was bedeutet Ihnen dieses Engagement persönlich?

Ehrenamt ist keine Einbahnstraße. Es fließt in beide Richtungen. Natürlich schenke ich Zeit, aber ich bekomme unglaublich viel zurück: Dankbarkeit, Bewusstsein, Demut. Es ist Nahrung für die Seele. Man merkt wirklich: Es macht einen Unterschied. Und das kann man mit Geld nicht kaufen.

Wie sieht ein typischer Besuch bei Isabella aus?

Ich bringe meistens Tee und etwas Süßes mit. Wir setzen uns zusammen, kommen erst einmal an: Wie geht es dir? Was war los? Oft geht es um Schmerzen oder Arztbesuche, das gehört dazu. Aber dann schalten wir Musik ein. Ich habe ihr eine eigene Playlist zusammengestellt mit Liedern aus ihrer Jugend. Wir googeln alte Stars, sprechen über vergangene Zeiten, machen kleine Zeitreisen. Sie ist immer wieder fasziniert, was man mit dem Handy alles herausfinden kann. Und wir reden auch über mein Leben: meine Familie, meine Kinder. Es ist ein echter Austausch. Daraus ist eine Freundschaft entstanden.

War Ihnen vorher bewusst, wie viele Menschen einsam leben?

Nicht in diesem Ausmaß. Mich hat besonders erschüttert zu hören, dass es immer wieder vorkommt, dass Menschen tagelang unbemerkt in ihren Wohnungen sterben. Viele ältere Menschen sind kaum mehr mobil. Sie verschwinden leise aus dem gesellschaftlichen Leben. Umso wichtiger ist es, hinzusehen und da zu sein.

Was würden Sie Menschen empfehlen, die jetzt neugierig geworden sind?

Zuerst überlegen: Was passt zu mir? Dann informieren, vielleicht telefonieren, Fragen stellen. Und dann einfach den ersten Schritt machen. Man wird überrascht sein, wie viel Freude, Lebenskraft und Sinn darin steckt. Man kann nichts verlieren. Wenn man merkt, es passt nicht, gibt es Unterstützung, und man kann jederzeit aufhören. Wichtig ist die innere Bereitschaft.

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