Viele Eltern macht es Angst, wenn ihre Kinder im Internet surfen.
im Ernstfall richtig reagieren

Wenn Kinder surfen: Das Internet ist für sie die reale Welt

Sie sorgen sich darüber, was Ihr Nachwuchs im Internet macht? Dann informieren Sie sich hier, warum es Kindern so nahe geht, was online passiert. Denn nur wer über das digitale Leben seines Kindes Bescheid weiß, kann im Ernstfall richtig reagieren und helfen.

Die Kinder und Jugendlichen dieser Zeit sind mit dem Internet groß geworden. Praktisch innerhalb jeder Familie gehören Smartphones, Computer und Internetzugang zum Alltag. Das Medienangebot ist schon in jungen Jahren enorm breit gefächert. Das bestätigen auch die Zahlen der deutschen JIM-Studie (Jugend, Information, Medien) aus dem Jahr 2018.: 97 Prozent der zwölf bis 19-Jährigen besitzen ein eigenes Smartphone. 71 Prozent der Jugendlichen haben einen Computer oder Laptop.

Trotz aller positiven Möglichkeiten des Internets fragen sich Eltern naturgemäß, welche Gefahren es birgt, wenn ihr Kind online unterwegs ist. Die Bandbreite ist groß: Von Bilder und Videos über Gewalt, Hassbotschaften bis hin zu pornografischen Inhalten. Sicher ist: Wegschauen hilft bei Gefahren und Problemen nicht.

Wissen, was die Kinder im Internet machen

Die Lösung: Informieren und reagieren. Dazu braucht es aber eine entsprechende Sichtweise. Matthias Jax von der Plattform saferinternet.at rät Eltern dazu, sich mit der Welt des Internets intensiv auseinanderzusetzen. Die Idee dahinter: Wer sich darüber informiert, was das Kind im Internet macht und wie diese Angebote funktionieren, wandelt vermeintliche Probleme in Herausforderungen um. „Und für alle Dinge, über die man im Internet stolpert, gibt es Lösungsstrategien, die man anwenden kann.“

Sichtweise: Internet als die „echte Welt“

Das Um und Auf dabei ist, dass Eltern begreifen: Kinder und Jugendliche unterscheiden nicht zwischen online und offline. Für sie ist beides gleichwertig. „Den Unterschied gibt es bei ihnen nicht mehr. Wenn jemand online beleidigt ist, dann ist das für sie gleichbedeutend, als wenn sie offline jemand anschreien würde“, erklärt Jax. Das gilt natürlich auch für Positives: Wer ein virtuelles Herzerl auf Instagram bekommt, stößt Endorphine aus. „Das ist nicht nur bei Kindern und Jugendlichen so, sondern auch bei Erwachsenen. Was online passiert, hat reale Auswirkungen.“

Eltern machen dem Experten zufolge einen Fehler, wenn sie die Online-Erlebnisse ihres Kindes als weniger wichtig abtun. Bagatellisieren Sie nicht ihre Erlebnisse: „Kinder wollen diese beiden Welten nicht unterscheiden. Die digitale Welt ist Teil ihrer Lebensrealität – mit allen positiven Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen.“

Ernst nehmen und versuchen, nachzuvollziehen

Mütter und Väter sollten also auf jeden Fall ernst nehmen, was in der Online-Welt ihrer Kinder passiert. Denn für die Kinder ist von größerer Bedeutung, was digital vor sich geht, als es die Eltern womöglich nachvollziehen können. Kinder und Jugendliche sind im Netz ebenso mit Hassbotschaften oder Beleidigungen konfrontiert wie Erwachsene. Für sie sind die Vorgänge im Internet aber viel wertvoller, eben weil sie Teil ihres Lebens sind. Deshalb reagieren sie oft auch emotionaler auf negative Vorkommnisse. „Dem Kind zu raten, Beleidigungen in Sozialen Medien zu ignorieren, ist definitiv der falsche Ansatz. Beim nächsten Mal wird das Kind nicht mehr fragen, wenn es ein Problem hat“, erklärt Jax.

Kinder verstehen und vor Gefahren schützen

Eltern, die sich informieren, lernen nicht nur zu verstehen, wo und warum sich das Kind online bewegt. Sie können ihr Kind auch besser schützen, sollte es zu unbequemen oder gefährlichen Situationen kommen. Dazu müssen sich die Erwachsenen aber auch eine gewisse Lösungskompetenz aneignen. So kann das Kind auf die Eltern zählen und traut sich eher, um Hilfe zu fragen. Ein Beispiel: Wird jemand in einer „Story“ auf Snapchat gemobbt, sollten die Eltern das in den richtigen Kontext einordnen können. Experte Jax hat wichtige Erziehungstipps: „Ansonsten wird es für das Kind eine große Herausforderung, den Eltern von einem Problem zu berichten, wenn diese es womöglich gar nicht verstehen.“

Kinder im Internet: Tipps für Eltern

Wie sollen Eltern damit umgehen, wenn ihr Kind im Internet surft, spielt oder sich etwas anschaut? Mit diesen drei Ratschlägen fällt es vielleicht etwas leichter:

  1. WISSEN, was die Kinder im Internet machen, welche Spiele sie spielen, mit wem sie chatten. Lernen, wie einzelne Apps und Programme funktionieren.
  2. ZUHÖREN. Die Kinder fragen, wie sie die Dinge im Internet erleben, warum ihnen gewisse Spiele Spaß machen, das Netz gemeinsam erkunden.
  3. KOMPETENZEN STÄRKEN. Dem Kind Fähigkeiten mitgeben, um sich im Internet sicher zurechtzufinden. Von der Medienkompetenz bis zum Umgang mit Konflikten.

Matthias Jax ist Projektleiter für das EU-Projekt saferinternet.at. Es wird mitunter von der Europäische Union, dem Bildungsministerium, aber auch von der Industrie (A1, facebook) finanziert. Ziel ist es, einen sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien zu vermitteln. Darüber hinaus ist Jax Projektmanager in den Bereichen Datenschutz und Online-Sicherheit. Er leitet außerdem Projekte mit digitalen Schwerpunkten und führt Workshops für Jugendliche, Eltern, Lehrer und Senioren zu digitalen Themen durch.

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