Body Shaming: Ein gefährliches Social Media Phänomen
Der Wunsch nach dem perfekten Körper

Body Shaming: Wer schön sein will, muss posten

Body Shaming in Social Media: Instagram & Co. verleihen dem Hype um Schönheit eine neue Dimension. Fotos knipsen, bearbeiten, posten. Sich für den eigenen Körper schämen. Kämpfen. Blockieren. Weitermachen. Fotos knipsen … Was macht das mit jungen Frauen?

Zu dick, zu dünn, zu wenig Busen, zu viel Hüfte. Frauen sind Meisterinnen darin, ihr eigenes Aussehen zu kritisieren. Viele wünschen sich einen „perfekten Körper“. Einen großen Teil zum gängigen Schönheitsideal der Frau trugen bis dato vor allem Magazine und Werbeplakate bei.

Seit einigen Jahren tun das auch die Bilder auf diversen Social Media Plattformen: Sie zeigen Frauen mit Modelmaßen, die mit der Realität schon lange nichts mehr zu tun haben. Einziger Unterschied: Das Verfolgen von Schönheitsidealen spitzt sich mit den sozialen Medien zu.

Die Definition von Body Shaming in Social Media

Unter Hashtags wie #bikinibridge oder #thighgap finden sich Bilder von knochigen Hüften und schmalen Oberschenkeln, die offensichtlich als erstrebenswert gelten. Wer mit diesen Schönheitsidealen nicht mehr mithalten kann, schämt sich für seinen eigenen, „unperfekten“ Körper. Auch dafür hat sich im Netz schon längst ein Wort gebildet: Body Shaming.

Wunsch nach einem perfekten, attraktiven Körper

Aber: Warum wollen Mädchen und junge Frauen unbedingt gefallen? „In unserer Zeit gilt: Nur die Attraktiven kommen durch. In der Jugendforschung spricht man von einer ‚erfolgsorientierten Inszenierungsgesellschaft‘, die jungen Menschen heute die Vorbilder liefert“, erklärt Beate Großegger. Sie leitet das Institut für Jugendkulturforschung in Wien und hat sich intensiv mit dem Thema Body Shaming beschäftigt.

Schlank sein – das Schönheitsideal vieler Frauen

Für eine Studie im Auftrag des Wiener Programms für Frauengesundheit hat die Wissenschaftlerin im Jahr 2017 mit ihrem Team 15- bis 19-jährige Mädchen und junge Frauen darüber befragt, wie sie mit Schönheitsidealen und Body Shaming in den Sozialen Medien umgehen.

Das Ergebnis: Mädchen orientieren sich an den Idealen, die in populären Medien, der Werbung aber auch im Alltag von den Müttern vorgelebt werden. Als Norm gilt dabei, schlank und adrett zu sein. Das ewig aktuelle Schönheitsideal der Frau.

Auf der Suche nach Aufmerksamkeit

Immerhin: Den befragten Mädchen scheint darüber hinaus der individuelle Charme zu faszinieren, der von Menschen ausgeht, die „nicht ganz perfekt“ und gerade deshalb interessant sind. „Trotzdem glauben sie, dass man nur dann Aufmerksamkeit und positive Rückmeldungen bekommt, wenn man mit der eigenen Körperperformance nahe an dem ist, was allgemein als attraktiv angesehen wird“, weiß Großegger.

So genannte „Supersize-Models“ würden zwar als cool bewertet. Vor allem dann, wenn sie Charisma und ein interessantes Gesicht haben. „Was das eigene Körperbild betrifft, streben die Mädchen aber meistens doch eine schlankere Figur an.“

Selbstoptimierung und Wohlfühlen mit Kosmetik

Apropos Schönheit: Studien zeigen, dass Mädchen nicht nur zu Kosmetik greifen, um „besser“ auszusehen. Für sie ist die Selbstoptimierung mit Lippenstift und Co. gleichzeitig eine Art Wellness. „Wenn man wieder mal einen nicht so guten Tag erlebt hat, testet man eine neue Haar- oder Nagellackfarbe oder greift zu einer Gesichtsmaske“, erzählt Großegger.

Nervige Tage sollen so mit einer „Dosis Wohlfühlen“ aufgehellt werden. „Dass man in diesem Alter aus kosmetischer Sicht keine Gesichtsmaske braucht, spielt dabei überhaupt keine Rolle“, kritisiert die Wissenschaftlerin den Einfluss von Kosmetikwelt und Industrie.

Negative Kommentare gehören dazu

Zurück zum Body Shaming in Sozialen Medien. Heutzutage ist es normal, das eigene Körperbild mit Fotoprogrammen und Filtern zu optimieren. Die Herausforderung dabei sind mögliche negative Kommentare über Gesicht oder Körper. Wie gehen junge Frauen damit um?

„Die Mädchen haben dazu eine nüchterne Haltung: Wenn du dich im Internet zeigst, musst du damit rechnen“, erzählt Großegger. Um das zu verdeutlichen, zitiert sie Aussagen der Befragung: „Präsentiere dich auf Insta immer besser und schöner als du wirklich bist.“ Und: „Wenn dir jemand blöd kommt, nimm es nicht einfach hin, sondern reagiere.“

In der Regel werden „Hater“ gnadenlos blockiert. Oder es wird ein Gegenangriff gestartet und erst danach blockiert. Somit wird dem „Täter“ eine Retourkutsche verpasst, die ihn machtlos zurücklässt.

Auf dem Weg zum positiven Körpergefühl

Wie können Mädchen trotz dieser omnipräsenten Scheinwelt und der Gefahr von Body Shaming ein positives Körpergefühl entwickeln? „Solange erwachsene Frauen aus der Müttergeneration dieses positive Körpergefühl fehlt und Menschen aufgrund ihres Aussehens abgewertet werden, ist das eine schwierige Aufgabe“, gibt Großegger zu bedenken.

Das Jugendalter sei eigentlich jene Zeit, in der Mädchen und Burschen mit Körperbildern und Ästhetik experimentieren. Das diene unter anderem dazu, den eigenen Typ zu finden. „Irgendwie ist uns diese Idee aber abhandengekommen.“

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