Verstecken hinter Stoff: Body Shaming - ein Phänomen, ausgelöst durch soziale Netzwerke?
Body Shaming

Wie Mädchen lernen, dass es den „perfekten Körper“ nicht gibt

Body Shaming-Workshops zeigen auf, was hinter der Scheinwelt von Instagram und Co. steckt. Schönheitsideale werden kritisch hinterfragt. Das ist wichtig, um die eigene Identität zu finden. Und später im Leben stabil zu bleiben.

Mädchen werden viel öfter für ihr Aussehen kritisiert als Burschen. Das zeigt eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2013/2014. Vieles davon geschieht heute in den so genannten „Sozialen Medien“. In Netzwerken wie Instagram und Co. wird die Inszenierung von scheinbar perfekten Körpern auf die Spitze getrieben.

Body Shaming betrifft viele junge Mädchen

Das Schönheitsideal der Frau ist unrealistisch. Dabei ist das, was als „perfekter Körper“ gilt, oft fernab der Realität. Vor allem bei Mädchen im Alter von zehn bis 14 Jahren ist „Body Shaming“ der WHO-Studie zufolge ein großes Thema. Das heißt: Sie schämen sich für ihren Körper, weil sie ihn nicht als „perfekt“ empfinden. Gesicht, Haare, Busen, Bauch, Hintern oder das Gesamtbild entsprechen ihrer Ansicht nach nicht dem gängigen Schönheitsideal der Frau. Was oft zum Schamgefühl beiträgt: Wenn ihr Aussehen von anderen abwertend oder beleidigend kommentiert wird. Schönheitsideale wie die so genannte Bikini-Brücke oder die Lücke zwischen den Oberschenkeln sind eigentlich unnatürliche Proportionen, die nur durch Hungern oder operative Eingriffe möglich wären, erklärt Doris Formann, Geschäftsführerin des Gesundheitsvereins Proges.

Mädchen wollen den „perfekten Körper“

Viele Mädchen wenden viel Zeit auf, um sich selbst zu optimieren und würden gern dünner sein. „Fast 60 Prozent der Mädchen haben ein verrücktes Körperbild. Sie fühlen sich entweder zu dick oder zu dünn“, zitiert Formann Studienergebnisse. Und: „Mehr als die Hälfte der heranwachsenden Mädchen haben bereits Erfahrungen mit Diäten gemacht.“

Präventions-Workshops zum Thema „Body Shaming“

Der Verein „Proges“ führt deshalb unter psychologischer Leitung präventive Workshops für Mädchen zwischen zehn und 14 Jahren durch.  Dabei werden gängige Schönheitsideale kritisch hinterfragt. Unter anderem werden Fotografien hergezeigt, die bearbeitet und damit „verschönert“ wurden. Auch die eigene Darstellung in den Sozialen Medien wird mit den Jugendlichen besprochen.

Body Shaming-Workshops setzen bewusst früh an

Gerade im Alter zwischen zehn und 14 Jahren macht der Körper starke Veränderungen durch. Die Workshops setzen deshalb schon so früh an, um präventiv und langfristig etwas zu bewirken. „Es geht uns nicht darum, Schönheit per se abzulehnen. Sondern darum, dass die Mädchen in der Lage sind, sich selbst mit ihren Gefühlen zu dem Thema wahrzunehmen“, erläutert Formann. So werden Selbstwirksamkeit und Selbstachtung gestärkt.

Mädchen in diesem Alter stehen unter Druck, ihre eigene Identität und ihre Rolle zu definieren. Da kann es natürlich kritisch sein, wenn sie sich an schwer erreichbaren Idealen orientieren, erklärt Formann.

 

Bilder von „perfekten Körpern“ sind unrealistisch

Wer im Teenager-Alter lerne, mit seinem Körper zufrieden zu sein, gehe gestärkt ins Erwachsenenleben. Daher sei es wichtig, die unrealistischen Bilder in Medien, Werbung und Sozialen Medien zu reflektieren. „Wenn das nicht passiert, versuchen Jugendliche schon früh, Gewicht zu verlieren oder zuzunehmen“, erklärt Formann. „In der Folge steigt das Risiko, später im Erwachsenenalter eine Essstörung zu entwickeln.“

Unzufriedenheit mit dem Körper stehe häufig in Verbindung mit weiterem gesundheitlichen Risikoverhalten wie zum Beispiel Rauchen. Formann: „Je früher man ansetzt und das Thema aufgreift, desto besser sind mögliche Folgewirkungen in den Griff zu bekommen.“

Selbstsicherheit durch Body Shaming-Workshops

Ziel der Body Shaming-Workshops ist es, die Selbstsicherheit der Mädchen zu stärken. „Und zwar nicht nur durch Information, sondern durch eine aktive Auseinandersetzung mit dem Thema.“ Es geht darum, weibliche Schönheitsideale kritisch zu reflektieren. Außerdem soll sichtbar gemacht werden, wie vielfältig und unterschiedlich die Mädchen selbst sind.

Der Gegentrend ist wieder ein Extrem

Die „Sozialen Medien“ produzieren fortlaufend neue, mitunter fragwürdige Trends. Eine Gegenbewegung zum klischeehaften, weiblichen Schönheitsideal gibt es auch schon:  Mittlerweile präsentieren sich nicht nur extrem schlanke, sondern auch sehr übergewichtige Frauen auf Instagram-Bildern. Ein häufig verwendeter Hashtag ist etwa #fatkini.

Formann sieht diesen Gegentrend ebenso kritisch wie den Schlankheitswahn: „Das Problem daran ist, dass es immer nur um Extreme geht“, sagt sie. Gerade deshalb sei es für Jugendliche so schwierig, einen normalen Zugang zu ihrem Körper zu finden.

Frauen sollten sich keinem Ideal unterordnen

Die Lösung? Wie immer der „goldene Mittelweg.“ Formann wertet es als positiv, dass einige größere Modeketten sich heute bewusst mit „normalen“ Körpern auseinandersetzen. „Alles was hilft, Frauen Mut zu machen sich diesen Idealen nicht unterzuordnen, ist zu unterstützen.“

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