Freiheit auf drei Rädern
Im Rahmen der großen dm Initiative stellen wir Projekte vor, die etwas bewegen. Diesmal eine Rikscha-Aktion aus Tirol, mit der ältere Menschen mehr vom Leben mitbekommen.
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Ein leises Surren, dann fährt die E-Rikscha los. Hinten tritt Oswald Heim in die Pedale, vorne lehnt sich ein älteres Pärchen zurück, den Blick auf die Berge gerichtet. Die Luft ist frisch, die Sonne wärmt, und für einen Moment zählt nur das Hier und Jetzt. Solche Ausfahrten sind es, die das Projekt „Rikscha mobil – Bewegte Erinnerungen“ möglich macht. „Oft erleben ältere Menschen den Alltag nur noch vom Zimmerfenster aus. Mit uns sind sie für gewisse Zeit wieder mittendrin“, sagt Rikscha-Pilot Oswald. Die Touren gehen durch belebte Viertel, vorbei an Fußgängerzonen oder blühenden Wiesen. „Zu Orten, die den Fahrgästen Spaß machen, wo sie das ganz normale Alltagstreiben oder die Natur sehen können.“ Und an schönen Panoramen mangelt es in der Tiroler Alpenwelt ja schließlich nicht.
Wiedersehen mit den Bergen
Entstanden ist die Initiative im Herbst 2025 im Raum St. Johann, Oberndorf und Kirchdorf. Der Anstoß kam damals von Oswald selbst. Der ehemalige, nun pensionierte Lehrer und leidenschaftliche Radsportler tat sich dafür mit dem Freiwilligenzentrum der Region Pillerseetal und Leukentalzusammen, das eine hochwertige, elektrisch unterstützte Rikscha anschaffte. Seitdem ist Oswald gemeinsam mit einem wachsenden Team viermal im Monat mit begeisterten Passagierinnen und Passagieren für jeweils 20 Minuten unterwegs. Aktuell richtet sich das Angebot vor allem an ältere Menschen in Pflegeheimen, viele von ihnen über 80 Jahre alt. „Wir arbeiten dafür eng mit dem Personal zusammen. Alle von uns stehen mit vollem Einsatz hinter dem Projekt. Es schenkt Lebensfreude!“, sagt Oswald.
Fünf Freiwillige engagieren sich bereits, die meisten von ihnen „junge Pensionistinnen und Pensionisten“, wie der Initiator schmunzelnd sagt. Die Einstiegshürden sind bewusst niedrig gehalten. Wer über zwölf Jahre alt ist, Freude am Radfahren hat und alle Verkehrsregeln kennt, bringt die wichtigsten Voraussetzungen mit.
Alles Weitere – von der Schulung über die Versicherung bis zum Fahrsicherheitstraining – wird vom Freiwilligenzentrum organisiert. Was bleibt, sind die Begegnungen, sagt Rikscha-Pilot Oswald: „Eine fast 90-jährige Dame, die viel Zeit drinnen verbringt, musste letztens vor Rührung weinen, als sie das Kaisergebirge endlich wiedersah. Solche schönen Momente gibt es immer wieder, deshalb macht dieses Projekt auch so viel Freude.“ Noch beschränkt sich „Rikscha mobil“ auf drei Ortschaften, doch die Initiatoren denken an Erweiterung: Vielleicht werden bald noch mehr Rikschas durch mehr Straßen und Wege rollen – und noch mehr Erinnerungen in Bewegung bringen.