Insektensterben: Diese zehn Tipps helfen Biene & Co.
Inhaltsverzeichnis
- Insektensterben: Was wir darüber wissen müssen
- Wozu brauchen wir Insekten?
- Wie wirkt sich Insektensterben auf den Menschen aus?
- Insektensterben: Das können wir dagegen tun
- 1. Bio-Lebensmittel kaufen
- 2. Mikroplastik vermeiden
- 3. Lebendfallen verwenden
- 4. Zigarettenstummel richtig entsorgen
- 5. Insektenfreundliche Blumen anpflanzen
- 6. Lichtverschmutzung reduzieren
- 7. Natürlichen Pflanzenschutz verwenden
- 8. Lazy Gardening betreiben
- 9. Insektenhotels und Insektentränken richtig bauen
- 10. Auf motorisierten Wassersport verzichten
Es ist leiser geworden. Früher hat es im Sommer gesummt und gebrummt. Heute sind viel weniger Bienen, Mücken und andere Insekten unterwegs als noch vor 30 Jahren. Studien warnen vor einem Insektensterben mit katastrophalen Folgen. Doch die gute Nachricht ist: Jeder von uns kann etwas dagegen tun!
Insektensterben: Was wir darüber wissen müssen
Wozu brauchen wir Insekten?
Kurz gesagt: Insekten sind für den Menschen überlebenswichtig, um die Versorgung mit Nahrungsmitteln zu sichern. Denn viele fliegende Insekten bestäuben Pflanzen, vom Apfelbaum bis zum Erdbeerstrauch. 80 Prozent unserer Nutzpflanzen werden von Insekten bestäubt. Außerdem stehen Insekten in der Nahrungskette weit unten. Das heißt: Sie sind für andere Tiere, vor allem für Vögel, wertvolles Futter.
Wie wirkt sich Insektensterben auf den Menschen aus?
Schreitet das Insektensterben voran, wird die Bestäubung von Lebensmittelpflanzen immer schwieriger. Auch weitere, von Insekten abhängige Arten wie etwa Vögel, Igel oder Eidechsen werden abnehmen. „Insekten stellen mit Abstand die meisten Arten in der Natur, deshalb sind sie mit vielen anderen Arten auch eng vernetzt und spielen eine wichtige Rolle für die Funktionsfähigkeit unseres Lebensnetzes“, sagt Dagmar Breschar vom Naturschutzbund Österreich.
Insektensterben: Das können wir dagegen tun
1. Bio-Lebensmittel kaufen
Die industrielle Landwirtschaft ist eine der Hauptursachen für das Insektensterben. Wer Bio-Lebensmittel kauft, unterstützt eine naturfreundliche Landwirtschaft. Denn Bio-Lebensmittel werden auf dem Acker nicht mit gefährlichen Pestiziden und Düngern behandelt. Die giftigen Spritzmittel schaden auch Insekten. Zudem bieten viele, vor allem kleinere Bio-Höfe durch Brachflächen und Fruchtwechsel auf den Feldern einen vielfältigeren Lebensraum für Insekten als große konventionelle Betriebe.
2. Mikroplastik vermeiden
Mikroplastik findet sich mittlerweile überall auf unserem Planeten, selbst in den entlegensten Gebieten. Die winzigen Plastikpartikel wirken sich auch auf die Insektenwelt aus. Die feinen Härchen auf den Körpern der Insekten laden sich im Flug elektrostatisch auf und ziehen die Partikel wie magnetisch an. Eine im Jahr 2021 veröffentlichte Studie untersuchte die Risiken von Polystyrol-Mikroplastik für Honigbienen. Bei der Studie wurden die Bienen zwei Wochen lang mit Polystyrol-Mikroplastik gefüttert. Die Sterblichkeitsrate blieb im Untersuchungszeitraum gleich, allerdings veränderte sich das Darmmikrobiom der Insekten. Somit könnte das Mikroplastik weitreichende Gesundheitsrisiken für die Bienen darstellen, schlussfolgerte das Forschungsteam.Wer etwas gegen das Insektensterben tun will, sollte daher auf Mikroplastik-Quellen verzichten oder diese weitgehend reduzieren. Der wichtigste Hebel ist der Verkehr: Der Reifenabrieb erzeugt große Mengen an Mikroplastik, das direkt in die Umwelt gelangt. Daher sollte man so selten wie möglich mit dem Auto fahren und stattdessen auf nachhaltige Mobilität setzen.
3. Lebendfallen verwenden
Verirrt sich eine Fliege in die Wohnung oder stören Wespen das sommerliche Grillen im Garten, erschlagen Sie bitte die Insekten nicht. Wespen stehen in Österreich sogar unter Naturschutz und dürfen nicht getötet werden. Und auch Fliegen sind wertvolle Nahrung für größere Tiere wie Vögel. Daher die Brummer bitte lebend wieder ins Freie geleiten. Insektenschutzgitter sorgen dafür, dass die unliebsamen Gäste in Zukunft draußen bleiben.Um Wespen und Gelsen zu vertreiben, kann man auf ätherische Öle wie Citronella oder Teebaumöl sowie auf spezielle Räuchermischungen setzen. Auch Pflanzen wie Lavendel oder Tomaten haben eine abschreckende Wirkung. Eine weitere Alternative sind Lebendfallen, aus denen die Tierchen wieder entlassen werden können, wenn das Grillen oder das Picknick beendet sind.
4. Zigarettenstummel richtig entsorgen
Zigarettenstummel gehören zum weltweit häufigsten Abfall. Und die Umweltschäden durch Nikotin sind weitreichender, als bisher von der Wissenschaft angenommen. Nicht nur verseucht eine achtlos weggeworfene Zigarette bis zu 60 Liter sauberes Grundwasser. Eine Studie aus dem Jahr 2025 zeigt zudem, dass die Schadstoffe aus achtlos weggeworfenen Zigarettenstummeln für Ameisen ein tödliches Risiko darstellen. Restnikotin wird von Pflanzen aufgenommen, reichert sich in hohen Konzentrationen im Blütennektar an und verschmutzt so die Nahrungsquelle für die Insekten. Das Forschungsteam fand heraus, dass gesunde Ameisen dadurch nicht beeinträchtigt scheinen, aber von Pilzinfektionen befallene Tiere eine höhere Sterblichkeitsrate aufweisen. Daher bitte Zigarettenkippen niemals in der Natur entsorgen!5. Insektenfreundliche Blumen anpflanzen
Setzen Sie auf heimische Pflanzen und Blumen! Diese haben sich gemeinsam mit den heimischen Insekten entwickelt – sie sind aufeinander abgestimmt. Wichtig sind außerdem „ungefüllte“, also natürliche Blüten. Denn „gefüllte“ Blüten wurden weitergezüchtet, damit sie mehr Blütenblätter haben. Dadurch kommen die Insekten aber nicht mehr an den Nektar heran. Ideale Insektenpflanzen sind zum Beispiel Gartenkräuter wie Thymian, Salbei oder Schnittlauch. Außerdem Kornblumen, Klatschmohn, Sonnenhut, Disteln, Fetthennen und Wiesenpflanzen wie Gold- und Taubnesseln oder Klee.
6. Lichtverschmutzung reduzieren
Eine oft unterschätzte Ursache für das Insektensterben ist Lichtverschmutzung. Laut einer 2023 veröffentlichten Studie ist der Nachthimmel in Europa jedes Jahr um rund 6,5 Prozent heller geworden. Das hat verheerende Folgen für Nachtfalter und andere nachtaktive Tiere. Die Insekten werden von den Lichtkegeln der Leuchtreklamen, der Gebäude- und der Straßenbeleuchtung angezogen, verlieren die Orientierung und sterben vor Erschöpfung, verbrennen an heißen Leuchtmitteln oder enden als leichte Beute von Fledermäusen und Spinnen. Viele Nachtfalter sitzen auch wie paralysiert an der hellen Wand, anstatt auf Futtersuche zu gehen.Wer nicht auf Außenbeleuchtung verzichten kann, sollte daher folgende Punkte beachten: Das Licht sollte nur so lange brennen, wie man sich selbst im Freien aufhält. Bewegungsmelder oder Zeitschaltuhren sind hier hilfreich. Gartenteiche, Bäume und Sträucher sollten nicht angeleuchtet werden. Der Lichtkegel sollte immer nach unten gerichtet sein. Zudem ist es gut, wenn die Leuchte möglichst niedrig montiert ist – das reduziert die Fernwirkung des Lichts. Geschlossene Lampenkörper verhindern, dass Insekten ins Innere der Lampe eindringen und dort eingesperrt werden. Der Farbton „warmweiß“ (unter 3.000 Kelvin) ist für Tiere besser geeignet als andere Farbtöne. Zudem sollte die Lichtintensität möglichst gering sein.
7. Natürlichen Pflanzenschutz verwenden
Was für landwirtschaftliche Betriebe gilt, trifft auch auf den eigenen Garten zu: Statt synthetischer Pflanzenschutzmittel und Dünger sollten Sie lieber auf natürliche Methoden zurückgreifen: etwa mechanische Barrieren, pflanzenbasierte Dünger oder den Einsatz von Nützlingen. Was auch hilft: Selbst Hand anlegen und Unkraut jäten – das ist zwar mühsam, aber deutlich umweltfreundlicher. Angenehmer Nebeneffekt vom häufigen Hacken: Sie müssen dadurch weniger gießen. Ein Garten ohne Gift ist zudem nicht nur für Insekten ein besserer Ort, sondern auch für Kinder, die im Garten helfen.
8. Lazy Gardening betreiben
Ein „fauler Gärtner“ bzw. eine „faule Gärtnerin“ zu sein, bringt nicht nur mehr Freizeit, sondern nützt auch der Umwelt. Dazu zählt etwa, aufs Rasenmähen zu verzichten und sogenanntes „Unkraut“ stehen zu lassen.
Warten Sie mit dem Mähen, bis die Blumen abgeblüht sind und ihre Samen Zeit zum Heranreifen hatten. Dann können Sie auch in den Folgejahren mit einer bunten Blumenwiese rechnen. „Meistens ist der passende Zeitpunkt für eine erste Mahd etwa Ende Juni – je nach Witterung beziehungsweise je nachdem, wie sich die Pflanzen im Frühjahr entwickeln konnten“, sagt Breschar. Öfter als zweimal pro Jahr zu mähen, ist nicht empfehlenswert, weil viele Pflanzen dabei nicht zum Absamen kommen.
Laut Naturschutzbund gibt es so etwas wie „Unkraut“ eigentlich nicht. Ein Beispiel: „Der Löwenzahn wird von vielen Menschen im Garten ausgestochen, dabei dient er den Insekten als wertvolle Nahrung“, sagt die Naturschutzbund-Expertin. Auch die viel verschmähte Brennnessel leistet wertvolle Dienste: Mehr als 100 Insektenarten leben in und von ihr, darunter der Kleine Fuchs, eine Schmetterlingsart. Was können Sie also gegen das Insektensterben tun? Vermeintliches „Unkraut“ stehen lassen und lernen, es wertzuschätzen – zumindest in einem Teil Ihres Gartens.
Auch in der kalten Jahreszeit können Sie etwas gegen das Insektensterben tun: Räumen Sie alte Stauden und tote Zweige im Garten nicht weg! Lassen Sie diese bis ins Frühjahr hinein stehen, damit Insekten ihre Larven darin legen können. „In toten Zweigen nisten zum Beispiel Mauerbienen, Maskenbienen, Blattschneiderbienen und verschiedene Heuschreckenarten“, so Dagmar Breschar.
9. Insektenhotels und Insektentränken richtig bauen
Nicht alle Insektenhotels, die es zu kaufen gibt, sind auch wirkungsvoll. Das liegt daran, dass sie nicht richtig gebaut sind oder die verwendeten Röhrchen, oft sind es Bambusrohre, den falschen Durchmesser haben. Insekten finden deshalb keine Nistmöglichkeiten. Der Naturschutzbund empfiehlt: Die Röhrchen sollten einen Durchmesser von zwei bis zehn Millimetern haben. Sie müssen hinten verschlossen sein. Um Röhren zu bilden, kann man auch in trockenes Laubholz Löcher bohren. Nisthilfen sollten sonnig aufgehängt werden, idealerweise Richtung Südost bis Südwest.
Wichtig ist, die Trinkstelle insektenfreundlich zu gestalten, damit die Tierchen nicht ertrinken. Geeignet ist eine Keramikschale, die mit verschiedenen Naturmaterialien wie Steinen, Zweigen und Moos ausgestattet wird. So entstehen flache Ein- und Ausstiegsstellen. Die Schale sollte nur so weit gefüllt werden, dass die Steine zur Hälfte aus dem Wasser ragen. Ideal ist ein sonniger, warmer und windstiller Platz in der Nähe von Pflanzen. Damit das Wasser nicht zur Brutstätte von Tigermücken und anderen Stechmücken wird, sollte das Wasser täglich erneuert werden.