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Interview mit Judit Polgár: Eine Schach-Großmeisterin in der Männerdomäne
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Interview mit Judit Polgár: Eine Schach-Großmeisterin in der Männerdomäne

Zusammenfassung Judit Polgár, bekannt als die „Königin des Schachs“, ist eine ungarische Schachspielerin. In ihrer Karriere besiegte sie elf Weltmeister und erreichte als einzige Frau die Top Ten der Weltrangliste. Sie gründete eine Stiftung, um Chancengleichheit im Schach zu fördern. Sie trat 2014 aus dem Profisport zurück, ist aber als Trainerin und Kommentatorin weiterhin aktiv in der Schachszene.

Diese Zusammenfassung wurde mit KI erstellt und menschlich kontrolliert

„Queen of Chess“ heißt die aktuelle Netflix-Dokumentation über sie zu Recht: Judit Polgár ist die Königin des Schachs. Die heute 50-jährige Ungarin schlug in ihrer Karriere elf Weltmeister, darunter Garri Kasparow und Anatoli Karpow. Als bislang einzige Frau schaffte sie es in die Top Ten der Gesamtweltrangliste, auf Platz acht. Bis heute gilt sie als die stärkste Schachspielerin aller Zeiten.

Seit 2013 ist die „Judit-Polgár-Methode“ mit dem „Chess Palace“-Programm Bestandteil des ungarischen Schulsystems. Mit ihrer 2012 gegründeten Polgar Chess Foundation will sie Schach fördern, Chancengleichheit diskutieren und innovative Lehrmaterialien entwickeln. Durch ihre Karriere und ihr gesellschaftliches Engagement ist Polgár in ihrem Heimatland sehr beliebt. Doch Präsidentin Ungarns wollte Judit Polgár dann doch nicht werden. Im Juli 2026 hatte der amtierende Regierungschef Péter Magyar der ihr das Amt angeboten, sie lehnte aber ab. Polgár ist außerdem Buchautorin, Speakerin und Trainerin. Sie ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Im Interview mit ACTIVE BEAUTY spricht sie über ihre ungewöhnliche Kindheit, ihr frühes Aufbegehren gegen strukturelle Männerdominanz und warum sie schließlich aus dem Leistungssport ausstieg.

Frau Polgár, es gibt nur wenige weibliche Schachspieler, die überhaupt gegen Männer antreten. Warum haben Sie diesen Weg gewählt?

Weil meine Eltern immer überzeugt waren, dass ich in der Lage bin, mit den Allerbesten zu konkurrieren. Sie haben mich in meinen Zielen nie eingeschränkt, sie haben immer gesagt, dass ich genauso gut sein kann wie jeder Mann beziehungsweise anfangs wie jeder Junge. Das ist überall wichtig, egal ob im Schach, in der Wissenschaft oder anderen Bereichen. So wurde ich erzogen: Geh einfach hin, spiele und kämpfe. Schau auf das Schachbrett, finde den besten Zug, werde die beste Schachspielerin, die du sein kannst.

Haben Sie nie daran gedacht, etwas anderes zu machen? Lehrerin zu werden oder Tierärztin? Haben Sie nie gesagt: „Nein, ich will nicht sechs bis acht Stunden am Tag Schach spielen“?

Ich hatte einfach zu früh Erfolg und ich habe das Spiel selbst zu sehr genossen, um mir je etwas anderes vorzustellen. Wenn man erfolgreich ist, denkt man nicht: „Ah, vielleicht sollte ich mich neu orientieren.“ Hinzu kam die Motivation durch meine Schwestern: Als ich mit fünf Jahren anfing zu spielen, hatte Susan, die sieben Jahre älter ist als ich, bereits Erfolge im Schach. Und Sofia, die eineinhalb Jahre älter ist, spielte auch gut.

Wenn Sie heute zurückblicken: Gibt es Dinge, die Sie an dieser Kindheit vermissen?

Ich hatte nicht viel Kontakt zu anderen Kindern. Und habe erst angefangen, mich mit anderen anzufreunden, als ich mit etwa zehn Jahren in einem Verein Tischtennis spielte. Meine Schwestern waren meine besten Freundinnen, mein soziales Leben war also in gewisser Weise begrenzt, besonders wenn ich zu Hause war. Aber wenn ich für Turniere außerhalb des Landes unterwegs war, traf ich neue Leute und lernte andere Kulturen kennen. Ich habe schon sehr früh verstanden, dass ich ein ganz anderes Leben führe als andere Kinder in meinem Alter.

Glauben Sie – wie Ihr Vater –, dass Genie erlernbar ist? Könnte jedes Kind eine Schachkönigin oder ein Schachkönig werden?

Grundsätzlich kann jeder Großmeister werden, davon bin ich überzeugt. Doch was meinen wir mit „Genie“? Ich glaube, dass mein Können definitiv auf dem frühkindlichen Fokus beruht, ich habe insgesamt mehr als 10.000 Stunden Schach gespielt. Aber das Spiel passte auch sehr gut zu meinem Charakter und meinen Wesenszügen. Ich mochte den Wettkampf und ich konnte Monotonie immer sehr gut ertragen. Deshalb hatte ich auch kein Problem damit, so viel zu üben. Diese Persönlichkeitsmerkmale haben meinen Weg sehr unterstützt.

Das heißt, ein Kind, das lieber herumläuft und körperlich aktiv ist, könnte eher kein Schachgenie werden?

Das ist diese Henne-Ei-Geschichte: Woher kommt die Liebe zum Schach? Ist es der Trainer, der sie weckt, oder liebt das Kind das Spiel von sich aus? Ich meine, das muss sehr eng miteinander verknüpft sein. Deshalb ist es so wichtig, früh motivierende Menschen um sich zu haben.

Es kommt also stark auf Erziehung und Motivation an, wenn es darum geht, was aus einem Kind wird?

Davon bin ich überzeugt. In meiner Stiftung konzentrieren wir uns deshalb stark auf Bildung. Mein „Chess Palace“-Programm basiert auf den Regeln des Schachs und wir versuchen damit, genau die Fähigkeiten aufzubauen, die die kommende Generation für die Zukunft braucht: zum Beispiel ein flexibles Gehirn, Urteile fällen zu können, Entscheidungen zu treffen, Verantwortung für Konsequenzen zu übernehmen, den anderen zu respektieren. Diese „Judit-Polgár-Methode“ ist längst in das ungarische Schulsystem integriert und soll allen Kindern die gleichen Chancen geben, egal ob Jungen oder Mädchen, arm oder reich ...

Die Schachszene ist von Gleichheit jedenfalls immer noch weit entfernt: Aktuell steht die beste Frau, Ju Wenjun, auf Platz 215.

Es gibt viele Gründe: Eltern, Schulsystem und Gesellschaft müssten Mädchen nicht nur die gleichen Chancen geben, sondern auch die Vorstellung vermitteln, dass sie die Möglichkeit haben, die Beste zu werden. Ich habe allen Respekt vor Frauen, die Kinder haben und die Familie zusammenhalten, ein warmes Zuhause schaffen und alles organisieren, aber es sollte ihre eigene Entscheidung sein. Es müsste klarer artikuliert werden, dass Frauen die Wahl haben, was sie aus ihrem Leben machen wollen. Schach war und ist ein männerdominierter Sport, das habe ich als Kind selbst erlebt. Es gab immer Kommentare, wenn ich oder meine Schwestern bei Turnieren auftauchten. Die Gesellschaft geht mit Mädchentalent im Schach ganz anders um als mit begabten Jungen.

Deshalb spielen die Frauen in einer eigenen Liga?

Und das ist das nächste Problem: Wenn ein Mädchen gut ist, sagt der Trainer: „Wow, du kannst Frauen-Weltmeisterin werden.“ Bei einem Jungen würde es heißen: „Ah, du kannst Weltmeister werden.“ Der Weltmeister bei den Männern steht ganz oben in der Gesamtliste, und die Weltmeisterin bei den Frauen ist viel niedriger angesiedelt, Platz 200 oder 215 eben. Wenn man also für Jungen und Mädchen unterschiedliche Erwartungen ansetzt, werden Mädchen nicht versuchen, höher zu kommen, weil das gar nicht als Option genannt wird. Es ist eine große Einschränkung für Mädchen, wenn man sie auf den Frauentitel trainiert.

Würden Sie die geschlechtsspezifische Unterscheidung abschaffen, um mehr Spielerinnen zu fördern?

Das ist eine sehr schwierige Frage. Was tun, um Mädchen zu ermutigen? Titel wegzunehmen, inspiriert nicht unbedingt. Ich wäre eher dafür, statt der Frauentitel reguläre Titel für alle auf niedrigeren Stufen einzuführen. Warum muss man es einen Frauentitel nennen? Ich glaube, auch Jungen würden zunächst den niedrigeren Titel anstreben, weil er leichter zu erreichen ist. Das ist keine Frage von Mädchen oder Jungen, sondern eine Frage des menschlichen Charakters: Man will erst einmal auf dem einfachsten Weg weiterkommen, oder?

Schach war Ihr Leben, warum sind Sie 2014 zurückgetreten?

Als ich zurücktrat, hatte ich 33 Jahre lang Wettkampfschach gespielt. Zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits begonnen, mich der Welt zu öffnen, etwa 2012 meine Stiftung gegründet. Und angefangen, Bücher zu schreiben. Mein Sohn war damals zehn, meine Tochter acht Jahre alt. Im Spitzensport konzentriert man sich nur auf das eine, man muss sehr fokussiert sein. Irgendwann hatte ich das Gefühl, ich muss eine Entscheidung treffen. Entweder ich bleibe im Wettkampf oder ich öffne mich noch mehr, auch um meine Erfahrungen weiterzugeben. Schließlich habe ich mich für die Welt entschieden. Aber ich bin bis heute ein sehr aktiver Teil der Schachszene als Kommentatorin oder Trainerin.

Spielen Sie denn noch jeden Tag Schach?

Nein. Ich verfolge das Geschehen in der Szene auch nur ab und zu, wenn ich Zeit habe, meine Tage sind zu voll. Ich gehe jetzt regelmäßig schwimmen und habe wieder mit Tischtennis angefangen. Ich versuche, meine Sportroutinen beizubehalten, aber ich reise viel, da wird es mit der Regelmäßigkeit schnell schwierig.

Im Schach spielt künstliche Intelligenz schon lange eine Rolle, was halten Sie von den aktuellen Entwicklungen rund um KI?

Schach war einer der ersten Bereiche, in denen KI-Modelle entwickelt wurden. Meine Erfahrungen beginnen 1993, damals spielte ich zum ersten Mal gegen den IBM-Supercomputer „Deep Blue“: Ich testete als Versuchskaninchen das Programm in zwei Partien in New York. Später hat „Deep Blue“ den Superstar Garri Kasparow geschlagen. In den frühen 2000er-Jahren nutzte ich Programme, die Zugvorschläge und Bewertungen geben. Das ist also schon eine sehr lange Reise für mich. In den letzten Jahren sehe ich, dass viele Menschen, in deren Alltag KI jetzt eingezogen ist, dieselben Gefühle haben wie ich damals: Zunächst haben sie Angst, hegen großes Misstrauen gegenüber der neuen Technologie – und dann lernen sie, künstliche
Intelligenz zu nutzen. Eine meiner größten Sorgen bezüglich KI ist, dass sie das Gehirn von Kindern kapert.

Warum sehen Sie die KI-Entwicklungen mit Sorge?

Weil wir jetzt eine Frage stellen und sofort eine Antwort bekommen. Die Gedanken dazwischen fehlen, doch nur durch sie wachsen wir. Es fehlt das Aha-Gefühl, alles zu überdenken, neu zu analysieren. Kritisches Denken ist heutzutage außerordentlich wichtig. Wir können unser Gehirn nur in Sicherheit bringen, wenn wir Dinge hinterfragen.

Was sind Ihre wichtigsten Ziele für die Zukunft?

Neben dem Engagement für meine Stiftung geht es mir persönlich darum, mich körperlich und geistig im Gleichgewicht zu halten. Es gibt so viele Stürme, die gerade um uns alle herum aufziehen. Die Welt ist so schnell geworden, ob durch KI, Politik oder soziale Medien. Ich versuche, mein Gehirn stabil zu halten, damit ich mich an die verschiedenen neuen Herausforderungen anpassen kann. Ich halte das für die wichtigste Fähigkeit, die man in diesen Tsunami-Perioden heutzutage entwickeln muss.

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