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So geht es den Frauen und Männern
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Spannungsfeld Rollenbild

So geht es den Frauen und Männern

Zusammenfassung In der heutigen Diskussion über Geschlechterrollen stehen viele junge Erwachsene im Spannungsfeld zwischen traditionellen und modernen Erwartungen. Frauen hinterfragen alte Rollenbilder stärker, streben nach beruflichem Erfolg und einer gleichberechtigten Partnerschaft. Eine Ipsos-Umfrage zeigt, dass nur wenige junge Frauen glauben, dass traditionelle männliche Rollenbilder hilfreich sind. Gleichzeitig wünschen sich über 90 Prozent eine liebevolle Beziehung, ohne sich den alten Normen zu beugen. Männer sind strukturell oft privilegiert, aber viele streben nach neuen Modellen, die Care-Arbeit einschließen. Trotz Fortschritten sind alte Rollenbilder in Österreich noch präsent, und der Wandel verläuft langsam.

Diese Zusammenfassung wurde mit KI erstellt und menschlich kontrolliert

Rollenbilder von Frauen und Männern werden gerade heiß diskutiert, vieles scheint im Umbruch. Aber warum genau? Und: Wie geht das gemeinsam?

Hinweis: Der Report orientiert sich aus Gründen der Lesbarkeit an den in Studien meist binär erfassten Kategorien „Frauen“ und „Männer“.

Eigentlich wollte ich unbedingt früh Kinder bekommen“, sagt Lena, 31, Lehrerin aus Graz. „Aber dann ist so viel anderes in meinem Leben passiert. Und mir fehlte bisher auch der passende Mann. Manchmal bin ich unsicher, ob es den überhaupt gibt.“
Ihr Bruder Paul, 38, hat andere Themen: „Seit ich ein Kind habe, denke ich mehr darüber nach, was ich ihm weitergebe. Will ich der sein, der Geld verdient, aber nie da ist? Oder lieber Hausmann? Und: Muss ich Fahrräder reparieren können? Ich suche da noch meinen Weg.“

Fragen und Themen, die Frauen und Männer umtreiben

Repräsentativ ist das nicht, dazu sind Menschen viel zu verschieden. Aber es zeigt ein Spannungsfeld, in dem sich viele Frauen und Männer zwischen 20 und 40 Jahren heute bewegen.
Neben praktischen Themen wie die Wahl des Jobs oder des Wohnorts steht auch das Selbstbild, die Identität, die Rolle infrage. Wer bin ich? Wie komme ich bei anderen an? Bin ich männlich genug bzw. weiblich genug?* Oder will ich gar nicht in solchen Katego­rien denken? Sondern eher: Was macht mich als Mensch aus? Gar nicht so einfach.

Nostalgie nach alten Rollenbildern

Parallel belasten Kriege, Klimawandel und Pande­mien die Psyche der jungen Generation – sie besonders, denn ihre Zukunft wird da­von geformt. Kein Wunder, dass Menschen unter diesen Um­ständen empfänglicher sind für das Versprechen, dass die angeblich so gute „alte Zeit“ wiederkommt. Dazu gehört für manche auch die Rolle der Frau am Herd und des Man­nes in der Erwerbsarbeit.
Gleich­zeitig führen aktuelle Themen wie sexueller Missbrauch durch den eigenen Mann zu Hause oder im Netz (per Deepfake, das sind mit KI erstellte Fotos und Videos) aus gu­tem Grund zu Verunsicherung und verstärken die Lagerbildung.

Rollenbilder und typische Zuschreibungen

Hier Männer, dort Frauen, manchmal ziemlich unversöhnlich. Sicher, diese Gewalt ist schlimm und muss unbe­dingt benannt und bestraft werden. Aber parallel gilt es, gemeinsam die alten Strukturen zu verändern, in der Gesellschaft und im eigenen Kopf. Das Denken ist stark von sol­chen Bildern geprägt: „In westlichen Industriestaaten“, schreibt Barbara Blaha, Autorin und Gründerin des Thinktanks Momentum Institut, „gelten Eigenschaften wie Ängst­lichkeit, Sensibilität, Warmherzig­keit und Fürsorge immer noch als typisch weiblich.“
Auch bei den Män­nern gibt es Bilder, wie „man“ zu sein hat. Dazu der Autor und Männer­psychologe Markus Theunert: „Die moderneren Männlichkeitsnormen – sei einfühlsamer Gesprächspartner, teamorientierter Mitarbeiter, enga­gierter Papa, sensibler Liebhaber! – haben das alte Ideal vom allzeit leis­tungsfähigen Ernährer nicht abgelöst. Sie kommen ein­fach obendrauf. Das erzeugt massiv Spannung.“
In der momentanen Transforma­tion geht zwar manches viel zu langsam, es ist allerdings in den letzten Jahrzehnten auch eine Menge passiert. Junge Frauen und Männer agieren heute in vielen Be­reichen anders als ihre El­tern. Aber der Reihe nach…

Wie sehen sich junge Frauen heutzutage?

Die jungen Frauen gibt es wie gesagt nicht. Ein paar grundlegende Entwicklungen lassen sich allerdings beobachten. Weil Frauen besser ausgebildet sind und mehr Rechte haben als frühere Generationen, ist heute ein Lebensentwurf normal, der mehrere Dinge vereint: beruflichen Erfolg, finanzielle Unabhängigkeit, Spaß im Leben, eine erfüllende Beziehung und oft auch Familie – Kinder werden von über 80 Prozent der Frauen über 30 als sehr wichtig angesehen, bei den unter 30-Jährigen liegt die Zahl etwas niedriger (Quellen: Universität Wien, „Geschlechterspezifische Rollen im Wandel“, Dr. Gerlinde Mauerer. Und: Erhebung der Arbeiterkammer Oberösterreich).
Die üblichen Rollenbilder hinterfragen junge Frauen stärker, sie sind generell progressiver und wählen öfter links. So glaubt laut einer Ipsos-Umfrage zum Weltfrauentag 2026 nur jede 10., dass Frauen profitieren, wenn Männer sich an traditionelle männliche Rollenbilder halten.

Welche Bedeutung haben Beziehungen für junge Frauen?

Dadurch hat sich auch der Blick auf Beziehungen verändert. Der Partner soll für die meisten Frauen nicht mehr als Versorger fungieren, sondern Liebe ins Leben bringen. Dass man den Alltag gleichberechtigt organisiert, wird selbstverständlicher: So wünscht sich laut einer Erhebung der Arbeiterkammer Oberösterreich weit über die Hälfte der jungen Frauen, dass Aufgaben von Geldverdienen bis Care- Arbeit fair verteilt werden. Rund die Hälfte der jungen Frauen bezeichnet sich selbst als Feministin, Tendenz steigend (Quelle: Ipsos International Women’s Day 2024).
Junge Frauen nehmen sexistisches Verhalten stärker wahr als z. B. die der Boomer-Generation. Und dennoch wünschen sich über 90 Prozent eine Beziehung mit Liebe, Vertrauen, Verlässlichkeit, sei es mit einem Mann oder einer Frau (Studie Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, Deutschland). Aber eben nicht mehr um jeden Preis. Die Realität kommt dabei noch nicht ganz hinterher. Zum einen sind da die strukturellen Bedingungen. Weil Frauen immer noch deutlich weniger für den gleichen Job verdienen, arbeiten sie in Konstellationen mit erwerbstätigem Partner öfter in Teilzeit – bei den Müttern in dieser Gruppe sind es rund 90 Prozent.

Wie teilen sich Frauen und Männer die Care-Arbeit?

Dafür übernehmen sie den Großteil der Care-Arbeit: „Unbezahlte Sorgearbeit ist äußerst ungleich zwischen Frauen und Männern verteilt. Da hat sich auch seit 40 Jahren kaum etwas getan“, sagt die Ökonomin Katharina Mader. Außerdem tragen sie oft die Verantwortung für Organisation und Planung des Familienalltags, auch Mental Load genannt.
So erzählt eine Teilnehmerin der oben genannten Studie: „Bis zu dem Moment, wo man Kinder bekommt, sehe ich bereits fast eine Gleichstellung, aber dann fallen wir komplett wieder in das alte Rollenmodell zurück: Der Mann verdient das Geld, die Frau bleibt zu Hause.“

Woher kommen die Rollenbilder?

Erst mal prägen natürlich Familie und Umfeld, was wir als weiblich empfinden – wir lernen an echten, idealerweise auch unterschiedlichen Menschen. Im Netz sieht das etwas anders aus: Theoretisch herrscht zwar eine schier grenzenlose Vielfalt an Identifikationsfiguren, praktisch führen die Algorithmen schnell aber immer wieder zum einmal gewählten Rolemodel.

Welche sind die Kritikerinnen an den Rollenbildern?

Da gibt es zum einen selbstbewusst-feministische Frauen, die die klassischen Rollen kritisch hinterfragen: die Kabarettistin Irina aka Toxische Pommes, die wütende Journalistin Alex Stanić oder die provokante Autorin und Podcasterin Sophie Passmann.

Die Autorin Mareike Fallwickl hat gerade das Buch „Liebe Jorinde“ geschrieben, in dem sie einen neuen, die Männer einschließenden Feminismus fordert, „weil so viel Kraft und Zeit und Energie verloren geht bei diesem Kampf der Geschlechter“.
Auch Madeleine Darya Alizadeh (dariadaria), die eigentlich ein Fair-Fashion-Label hat, postet oft zum Thema Rollen und schreibt z. B. zum Thema Mental Load: „Männer, ihr seht oft nicht, was eure Frauen leisten.“ Mit mehr Spaß zeigen sich eher jüngere, provokant unperfekte Frauen wie Frau Gretel (frgretel). Mit dem klassischen Beauty-Ideal hat sie nichts mehr am Hut und fotografiert sich auch mal auf der Toilette – Hauptsache, authentisch.

In der großen Gruppe der Beauty-Influencerinnen dagegen zählt immer noch ganz klassisch die Schönheit, bei den Clean Girls geht es auch um Sport, Ernährung, Körperpflege – all das will man dort perfekt und stylish im Griff haben. Aber auch Themen wie Psychologie und Partnerschaft werden gelegentlich behandelt.

Welche sind die Vertreterinnen traditioneller Rollenbilder?

Eine recht kleine, aber oft erwähnte Gruppe bilden die Tradwifes. Frauen wie Carolina (xmalischka_) oder Estee Williams feiern das Rollenbild der 1950er und inszenieren sich als top gestylte Hausfrau, die vor allem ihren berufstätigen Mann verwöhnt. Apropos: Österreich ist „im europäischen Vergleich Spitzenreiter, was traditionelle Rollenbilder betrifft“, sagt die Wiener Soziologin Laura Wiesböck.
Das Ergebnis ist also kein klares Bild, sondern ein Spannungsfeld. Frauen sollen/wollen unabhängig sein, aber auch fürsorglich. Erfolgreich, aber nicht zu dominant. Selbstbestimmt, aber beziehungsfähig. Das Suchen nach dem eigenen Weg, der passenden Haltung ist eine Reise, die mitunter anstrengend ist.

Und was wollen junge Männer heutzutage?

Auch sie dürfen heute angeblich alles sein: hart, weich, Holzhacker oder Balletttänzer. Aber in der Realität ist es dann doch nicht so einfach, es gibt oft im Umfeld enge Grenzen und andererseits keine klaren Vorstellungen davon, wie man als Mann sein könnte. Dass Männer nach wie vor strukturell privilegiert sind durch Dinge wie bessere Gehälter, mehr Chancen auf Führungspositionen, mehr Macht, ist für die meisten normal und damit unsichtbar. Und natürlich ist es auch nicht immer easy, den Weg zum klassischen Versorger bewältigen zu müssen.
Erstaunlicherweise ist der traditionelle Ernährer bei den Jungen in der Gen Z (alle, die jetzt zwischen 14 und 29 Jahre alt sind) gerade wieder angesagter, dort sieht man sich weniger im Haushalt und findet, Männer sollen lieber das Geld verdienen. Jeder vierte von ihnen wählt laut der Shell Jugendstudie politisch eher rechts, was oft mit einer Ablehnung von Gleichberechtigung und Feminismus einhergeht. „Da geht eine Schere auf zwischen den Geschlechtern“, sagt Judith Rahner, Geschäftsführerin des Deutschen Frauenrats.
Aber natürlich gibt es auch viele Männer, die ein neues Modell leben möchten, die ihre Kinder mehr sehen möchten, die Erwerbsarbeit wie auch Care-Arbeit und Mental Load gern mit ihrer Partnerin teilen wollen und die emotional offen sind.

Mit welchen gesellschaftlichen Anforderungen haben junge Männer zu kämpfen?

In der Pubertät ist die Entwicklung dahin allerdings gefährdet. Denn während 12-Jährige noch gut über ihre Gefühle sprechen können, gilt das ab 15, 16 als unmännlich, wie eine große Beobachtungsstudie von Dr. Niobe Way, Professorin für Entwicklungspsychologie, herausgefunden hat.
Die Regel „Männer weinen nicht“ gehört zwar nicht mehr zur aufgeklärten Erziehung. Aber es gibt immer noch unausgesprochene Männlichkeitsanforderungen, wie sie der Psychologe Markus Theunert nennt: „Wenn ich an der Anforderung ,nicht weinen‘ scheitere, laufe ich Gefahr, nicht mehr zur Gruppe der ,richtigen Jungen‘ zu zählen. Diese Gefahr verschärft sich mit jedem Schritt zum Erwachsenwerden.“ Dr. Niobe Way sagt dazu: „Junge Männer leiden, weil diese traditionellen Männlichkeitsvorstellungen und die ,boy culture‘ sie von den engen Beziehungen abschneiden, die sie sich wünschen und die sie brauchen.“
Unter „boy culture“ versteht Way übrigens eine dominante Kultur, die nur die ,harte‘ Seite von Jungen wertschätzt. „Wir alle haben die Fähigkeit, grausam zu sein, Frauen und Männer, Mädchen und Jungen – und auch die Fähigkeit, liebevoll und fürsorglich zu sein.“

Wer sind ihre Vorbilder?

Auch für Männer können Rolemodels natürlich aus der eigenen Familie oder dem privaten Umfeld kommen und entsprechend variieren: Mal inspirieren sie, mal möchte man auf keinen Fall so werden wie Vater oder Opa. Online ist die Auswahl an Männerbildern theoretisch endlos. Junge Männer finden sie vor allem in Bereichen wie Unterhaltung/Comedy, Sport, Wissen oder Gaming. Themen wie Beziehungen oder emotionale Entwicklung spielen für sie online eine geringere Rolle.
Die Männerbilder in diesen medialen Welten reichen von eher schmal gebauten, eigenwilligen Stars wie dem Schauspieler Timothée Chalamet oder dem Musiker Harry Styles, die auch über Gefühle sprechen und Unsicherheit zulassen, bis zu den klassisch maskulinen Typen – letztere begegnen einem sowohl in der Musik als auch im Sport, in der Gaming-Szene und auch in Filmen (z. B. Aaron Taylor-Johnson oder Regé-Jean Page). Die „Helden“-Figuren sind stark, kontrolliert, oft wortkarg. Selbst wenn sie mal emotionaler werden, bleibt der muskulöse Körper zentral.

Welche Männer identifizieren sich mit der Manosphere?

Christoph May vom Detox Masculinity Institute spricht auch vom „Körperpanzer“ oder von einem „Korsett der Männlichkeit“. Denn vielen geht es nicht nur um den Look, sondern um Leistung, Kontrolle, darum, sein Leben im Griff zu haben. Auf die Spitze getrieben wird dieser Anspruch innerhalb der sogenannten Manosphere, die mit einem stark vereinfachten Rollenbild arbeitet. Der Tenor: den Körper stählen, dominant sein, reich werden, sich bloß nicht nach der Frau richten. Reich werden damit vor allem die Influencer selbst, und zwar mit teuren Kursen, dem Bewerben dubioser Geldanlagen und einer enormen Reichweite.
In diese Communitys stolpern viele User erst mal aus Versehen, etwa auf der Suche nach Fitnesstipps – und bekommen dann immer mehr Manosphere-Inhalte vorgeschlagen. Studien zeigen, dass eine Mehrheit junger Männer solchen Content zumindest gelegentlich konsumiert. Der Männerpsychologe Markus Theunert will das ändern. In seinem Buch „Jungs, wir schaffen das“ analysiert er die Situation und zeigt, wie man(n) seinen Weg in ein gutes Leben findet. „Jeder Bub muss spätestens mit zwölf Jahren verstanden haben: Ich kann so oder anders Mann sein.“ Und weiter: „Wir sollten ihnen vermitteln: Du bist okay so, wie du bist. Du bist liebenswert, einfach weil es dich gibt. Du musst nicht eine bestimmte Performance abliefern, um ,männlich‘ zu sein.“

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