Ob extrovertiertes Partygirl oder graue Maus - Selbstliebe lernen kann jede!
Tipps für mehr Selbstbewusstsein

Ich liebe mich! In 5 Schritten zu mehr Selbstliebe

Sich selbst zu lieben, ist der Beginn einer lebenslangen Romanze, befand Oscar Wilde. Falls Sie sich damit noch ein wenig schwer tun: Selbstliebe lässt sich schrittweise lernen. Los geht’s!

Keine Beziehung im Leben ist wichtiger als die Liebe zu uns selbst. Dennoch heißt es für unsere eigenen Bedürfnisse oft: hintanstellen! Wenn wir Selbstliebe lernen, lohnt sich das doppelt: Dann soll es nicht nur uns besser gehen, sondern auch unserer Beziehung, sagen Experten wie David Schnarch oder Katharina Tempel.

Selbstliebe lernen in 5 Schritten

Schritt 1: Einstellung ändern

Unser neues Lebensmotto lautet: Ja, ich darf! (Öfter machen, was mir gut tut.) Step One klingt ja mal gemütlich zum Anfangen, ist aber der radikalste Schritt. Immerhin kann er vor allem das weibliche Selbstverständnis auf den Kopf stellen. Denn es geht nicht (nur) um die innere Erlaubnis für noch einen Schokokeks, sondern um eine positive Einstellung zu sich selbst und eine Abkehr vom halb ferngesteuerten Durchs-Leben-Rennen, à la: Ich muss ja nur noch schnell diese Abrechnung machen, und dann noch die Mails checken, auf die Pause verzichte ich, und dann muss ich das Regal durchsortieren.

Nein, müssen wir nicht. Vielmehr dürfen (und sollen) wir ohne schlechtes Gewissen fürsorglich mit uns umgehen, genießen und auch Nein sagen lernen – sprich, wir dürfen uns ein entspannteres Dasein zugestehen, appelliert Katharina Tempel, Psychologin und Autorin von „Gib dir die Liebe, die du verdienst“ (GU Verlag 2019). Denn wenn wir nur noch funktionieren, verpassen wir unser Leben.

Schritt 2: Blick nach innen richten

Die Aufmerksamkeit auf sich selbst zu richten, verlernt man allzu schnell. Schließlich sind wir Weltmeisterinnen darin unsere täglichen Routinen nicht zu hinterfragen – auch wenn diese uns gar nicht guttun. Ein erster Schritt in die richtige Richtung: regelmäßig innehalten und in sich hineinhorchen. Notfalls ein oder zwei Mal am Tag den Handywecker stellen und fünf Minuten Auszeit nehmen – inklusive der Deaktivierung aller menschlichen oder elektronischen Störenfriede.

Augen schließen, auf den Atem fokussieren und aufkommende Gedanken und Gefühle wahrnehmen. Keine Gelegenheit für diese Kurz-Meditation? Notfalls lassen sich sogar fade Alltagspflichten wie Geschirrspüler ausräumen für eine kleine Reise ins Innere und die Nachschau nach dem eigenen Befinden nützen. Auch das gute alte Tagebuch kann als Reflexions-Tool herhalten – und als Sammelstätte für inspirierende Gedanken.

Schritt 3: Meine Bedürfnisse erfüllen

Manchmal ducken sich unsere unerfüllten Bedürfnisse ja recht geschickt weg oder tarnen sich als eher undefinierbarer Grant. Daher beim Innehalten auch fragen: Was bräuchte ich jetzt? Einen Song von meiner Playlist, einen kurzen Spaziergang, einen Powernap auf dem Sofa? Und machen, so es irgendwie geht. Eine hübsch dekorierte Box kann als Selbstliebe-Kiste fungieren, die unsere Favoriten für schnelles Wohlbefinden bereithält – von der Kuscheldecke bis zum Aromaöl.

Weniger punktuellen Bedürfnissen kommt man durch den Umweg-Trick auf die Schliche: Einfach Sätze ergänzen wie: Mein Partner sollte doch … (z. B. mir öfter sagen, wie attraktiv er mich findet), Wenn meine Kollegin doch … (z. B. nicht ständig in mein Büro reinschneite), usw.

Schritt 4: Meinen Wert anerkennen

Selbstliebe lernen heißt auch, sich wertzuschätzen, und zwar nicht nur die Schokoladenseiten, sondern auch die sogenannten Schwächen. Die Erkenntnis darf lauten: An mir ist alles richtig! Auch, wenn ich nicht das propagierte Idealgewicht habe oder die Chefin an meinem letzten Bericht herumgedoktert hat: so what?! Für notorische Pessimistinnen unter uns mag positives Denken ja eine Strafübung sein, aber in eigener Sache setzen wir jetzt schon die rosa Brille auf – und legen sie am besten nie wieder ab. Als Einstieg könnten Sie spontan jeweils fünf Dinge aufschreiben, die Sie an ihrem Äußeren und Ihrem Charakter mögen. Darunter auch solche, die für andere auf den ersten Blick nicht so liebenswert erscheinen mögen.

Mit Selbstakzeptanz erweisen wir nicht nur uns selbst, sondern auch unserer Partnerschaft einen förderlichen Dienst: Lieben wir uns selbst, so wie wir sind, macht uns das innerlich frei – eine gute Basis für geglückte Beziehungen nach außen, meint der amerikanische Paar- und Sexualtherapeut David Schnarch. Tiefe Selbstliebe sei die Voraussetzung für authentische Intimität, und zwar ohne dass wir uns ständig rückversichern müssen durch den Partner.

Schritt 5: Verantwortung übernehmen

Wessen Aufgabe ist es, mich glücklich zu machen? Gemeine Frage, oder? Auch wenn wir meinen, die Daseinsberechtigung unseres Partners oder unserer Kids liege in der Vermehrung unseres Wohlbefindens: Nö, Fehlanzeige, da müssen wir schon selber ran. Statt unser Glück abhängig von den Aktivitäten unserer oft ahnungslosen Liebsten zu machen, packen wir mit einer altbekannten Faustregel lieber selbst an: Love it, change it or leave it. Also: Sind wir mit einem Element unseres Lebens unzufrieden – etwa mit der uns stets kritisierenden Freundin -, können wir entweder unsere Einstellung ändern, die Dynamik zu ändern versuchen oder uns notfalls ganz davon befreien. Ja, Freundschaften darf man beenden!

Ebenfalls eine ständige Übung wert: Blockierende Muster und Glaubenssätze aktiv hinter sich zu lassen – und im Kopf eine kleine Umstellung vorzunehmen. Die vermeintliche Erkenntnis: „Ich bin faul“ lässt sich trefflich umformulieren in „Ich habe den Gedanken, dass ich faul bin“. Das hilft, sich innerlich zu distanzieren. Und außerdem: Gut ist gut genug!

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