Sport: Hier gerät gerade vieles in Bewegung
Diese Zusammenfassung wurde mit KI erstellt und menschlich kontrolliert
Weltweit angesagte Trainingsformate, spektakuläre Rekordjagden, aber auch bewusst ruhigere Alternativen: Wie unser moderner Alltag – und unsere individuellen Vorstellungen – die Fitness- und Wellness-Welt verändern.
Wie werden wir in Zukunft trainieren? Wie verändert sich der Freizeitsport durch die Digitalisierung und die Kommunikation über soziale Medien, aber auch durch die daraus entstehenden Wünsche nach mehr Authentizität und Rückzugsmöglichkeiten? An der Paris Lodron Universität Salzburg wird intensiv zu diesen Fragen geforscht. Wir haben Sport-Professor Herbert Wagner und den Sportsoziologen Minas Dimitriou nach den wichtigsten Trends gefragt.
Globalisierung: Sport kennt keine Grenzen
Das Tempo war rasant sportlich: 2017 startete der erste Hyrox-Event – ein Wettkampf, bei dem ein Zirkel bestehend aus Kraft- und Laufintervallen absolviert werden muss – in Hamburg mit 650 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Die Idee begeisterte Fitness-Fans in aller Welt – sodass in der Saison 2024/25 bereits 550.000 Athletinnen und Athleten in mehr als 30 Ländern bei sogenannten Rennen gezählt wurden.
Ähnlich der Ballsport Padel: Weltweit machen inzwischen rund 30 Millionen Freizeitspielerinnen und -spieler mit, allein in Europa stieg die Zahl der Courts in drei Jahren um 240 Prozent. Was gestern noch ein Nischensport irgendwo war, kann über Social Media, Streaming und globale Communitys innerhalb weniger Monate zum weltweiten Trend werden, und Wettkämpfe sehen in Wien genauso aus wie in New York oder Singapur. Ein Phänomen, das man aktuell nahezu in allen Bereichen unseres Lebens beobachten könne, meint Sport-Professor Herbert Wagner: „Irgendwer entdeckt einen Geheimtipp, alle springen auf den Zug auf, die Sache wird immer größer und irgendwann ebbt es wieder ab. Das gilt für Urlaubsdestinationen, Mode oder Essen. Und genauso für den Sport.“
Tatsächlich seien die gehypten News oft gar nicht so neu. Hyrox etwa unterscheide sich kaum von CrossFit, Bootcamp oder frühen Functional-Fitness-Formaten. Als Trainingswissenschaftler findet er das aber nicht schlecht: „Wenn es unter einem neuen Namen wieder Leute begeistert, Sport zu treiben, ist das prinzipiell positiv“.
Keine Verbindlichkeit: Das Training soll flexibel sein
Bitte keine festen Termine: Über Apps, Fitness-Challenges oder Running-Clubs entstehen Gemeinschaften jenseits von klassischen Vereinen. Dabei gilt: Flexibilität ist Pflicht, Verbindlichkeit out. „Die Menschen sind aktiv, wenn sie Zeit und Lust haben, diese Freiheit ist ein wesentliches Merkmal“, so Minas Dimitriou. Wer läuft, radelt oder Gewichte stemmt, bewegt sich dabei gern in einer digitalen Community: etwa Urban-Sports-Clubs, Drop-in-Classes, Instagram-Running, Pilates-Apps. Und jede und jeder kann über Plattformen wie Peloton vom Wohnzimmer aus in Echtzeit mit anderen trainieren und an globalen Events teilnehmen, etwa Streckenprofile berühmter Radrennen nachfahren.
Gemeinschaft ist jenseits der klassischen Vereine wichtig, auch wenn man sich nicht regelmäßig trifft: „Menschen fühlen sich emotional verbunden, auch wenn sie sich über soziale Medien finden“, sagt Sportsoziologe Dimitriou. Und der digitale Zusammenhalt schließt Treffen in der Wirklichkeit nicht aus, etwa bei großen Charity-Events. So nahmen in diesem Jahr beim Österreichischen Frauenlauf in Wien mehr als 30.000 Frauen aus fast 100 Nationen teil. Und der „Wings for Life World Run“ vereint Digitales und Reales: Läuferinnen und Läufer starteten über Zeitzonen hinweg gemeinsam in Wien, Ljubljana oder Tokio, und man konnte zeitgleich überall auf derWelt mit „App Runs“ am Ranking teilnehmen. Jeder Lauf-Kilometer galt einem guten Zweck: 346.527 registrierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 192 Nationen brachten in diesem Jahr umgerechnet 9,2 Millionen Euro für die Rückenmarksforschung zusammen.
Der Körper als Datensatz: Alles wird gemessen
Puls, Schlafqualität, Kalorienverbrauch, VO2max, Recovery-Score: Wearables wie Oura Ring oder Apple Watch machen den Körper und seine Funktionen permanent messbar. Das American College of Sports Medicine (ACSM) führt die Wearable-Technologie seit Jahren als wichtigsten globalen Fitnesstrend. Die eigene Performance wird analysiert, geteilt und mit früheren verglichen. Effizienter,schneller, besser: Sport werde zur Bühne der Selbstinszenierung, einer Möglichkeit, sich als etwas Besonderes zu zeigen, sagt Sportsoziologe Minas Dimitriou. Es gehe nicht nur um Gesundheit und Spaß, sondern zunehmend auch um Einzigartigkeit.
Man spreche von „Singularisierung“, einem Konzept, das der Soziologe Andreas Reckwitz als allgemeinen gesellschaftlichen Trend beschrieben hat: Menschen streben in allen Bereichen nach Individualisierung. Da man sich in puncto Training allerdings weniger nach dem eigenen Gefühl als nach Daten richte, könne Selbstoptimierung auch Stress und Enttäuschung erzeugen, warnt Trainingswissenschaftler Wagner. Etwa wenn man ständig schlechter abschneidet als andere oder an der Wirklichkeit scheitert. „Körperideale in sozialen Medien sind oft nicht real, das kann viele Menschen frustrieren, weil sie ihre Ziele trotz aller Bemühungen nicht erreichen können“, kritisiert auch Dimitriou.
Rückkehr zur Natur: Wir sehnen uns nach dem Echten
Wer am Wochenende mit dem Auto oder dem Zug Richtung Berge unterwegs ist, muss sich oft durch Staus oder überfüllte Abteile kämpfen. Die Menschen zieht es in die Natur, das zeigen zum Beispiel die Mitgliederzahlen der Alpenvereine. Der Österreichische wuchs 2025 auf einen Höchststand von 748.046 Mitgliedern, ein Zuwachs von über 21.000 in nur einem Jahr. Natürlich gibt es auch am Berg angesagte Trends wie Trailrunning, Gravelbike und Bergmarathons – Sportarten, die das Naturerlebnis mit einem Leistungsanspruch verbinden.
Zugleich ist Natur mit Pflanzen, Tieren und dem Wechsel der Jahreszeiten immer auch fotogen für Instagram. Doch die Mehrheit der Menschen verspüre vor allem die Sehnsucht nach Echtheit, so Experte Dimitriou: „Je mehr der Alltag digitalisiert wird, desto stärker wächst das Bedürfnis nach Naturerfahrung und Entschleunigung.“ Man spreche von einer Renaturalisierung bei der Suche nach Authentizität. Eine Flucht aus der digitalen Welt mit ihren Fake News, manipulierten Körperbildern oder unerreichbaren Idealen. Die Natur dagegen ist echt und tut spürbar gut. Wer sich informiere, findet in den Bergen auch noch Einsamkeit, meint Hobbybergsteiger Wagner. Bekannte Gipfel mögen stark frequentiert sein, „aber abseits der Hauptwege trifft man kaum jemanden“.
Das größte Problem in den Bergen seien Menschen, die sich übernehmen: „Eine steile Passage hinaufzuklettern, ist wesentlich einfacher, als sie anschließend erschöpft hinunterzuklettern.“ Dass die Bergrettung immer wieder ausrücken muss, um solche Personen zu bergen, ließe sich bei realistischer Selbsteinschätzung häufig vermeiden.
Rekordjagd: Bitte immer außergewöhnlicher!
Ein Ironman reicht längst nicht mehr. Ausnahmesportler wie Jonas Deichmann absolvieren 120 Triathlons an 120 aufeinanderfolgenden Tagen, Alexandra Meixner hält mit 30 Irons den Frauen-Rekord. Andere umrunden joggend die Welt oder klettern wie Alex Honnold in Taipeh auf einen 580 Meter hohen Wolkenkratzer. Und Rainer Predl aus Niederösterreich sorgt mit seinen „Crazy Projects“ für Aufsehen. Er verbrachte etwa 30 Tage auf einem Laufband, schaffte dort mit 55 Marathons einen Weltrekord, auf einem Küchentisch lief er mal 70 Kilometer. Schon der Weg zu solchen Ergebnissen wird ausführlich dokumentiert, von Fans gefeiert.
Ultra-Sport findet großes Echo, aber eher wenig Nachahmung. „Es gibt vielleicht zehn Personen auf der Welt, die 120 Marathons laufen können. Wenn die sich gegenseitig übertreffen wollen, ist das eine Schlagzeile, aber kein Massensport. Ich sehe da grundsätzlich nichts Negatives“, sagt Sportwissenschaftler Wagner. Extremsportlerinnen und -sportler habe es schon immer gegeben.
Allerdings erzielen sie heute durch Social Media leichter Aufmerksamkeit und können dann mithilfe von Sponsoren ihr Hobby zum Beruf machen. Oft sogar mit Doppel-Gewinn: Kletterer Honnold setzt sich mit einer Stiftung für benachteiligte Menschen vor allem in Afrika ein. Und Ultra-Sportler Predl läuft meist zugunsten karitativer Zwecke und ist langjähriger Botschafter des Kinderhospizes Sterntalerhof in Loipersdorf-Kitzladen.