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Nachhaltig reisen und dabei die Welt noch mal neu entdecken
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Grüner reisen

Nachhaltig reisen und dabei die Welt noch mal neu entdecken

Urlaub machen, ohne die Umwelt – und die Reiseregion – zu belasten: Das möchten viele. Doch wie plant man ökologisch und sozial verantwortungsvolle Ferien am besten? Hier kommen Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Auf der Strandliege dösen, einen Vulkan besteigen oder auf einem Dorffest tanzen: Urlaub bietet Erholung, Abenteuer und Perspektivenwechsel. Zugleich hat er Auswirkungen auf Umwelt, Klima und das Leben vor Ort. Neun Prozent der globalen CO₂-Emissionen entstehen durch den Tourismus, hat die australische University of Queensland erforscht. Einen großen Anteil daran hat die Mobilität. Die klimaschädlichste Fortbewegungsart ist laut dem deutschen Umweltbundesamt das Fliegen. Auch der Aufenthalt selbst hinterlässt Spuren: Pro Gast und Hotelübernachtung fallen laut Global Nature Fund (GNF) im Schnitt 1,38 Kilogramm Abfall und laut 2030report.de zwischen 84 und 2.400 Liter Wasser an, etwa für Dusche, Poollandschaft und Garten. Hinzu kommt der Übertourismus: Wo sich viele Menschen an einem Ort tummeln, wird es schnell voll, eng und laut. Archäologische Stätten, der örtliche Handel, die gewachsene Infrastruktur und das Ökosystem sind gefährdet.

Aber Urlaub geht auch sozial und ökologisch verträglicher, das Angebot für nachhaltiges Reisen wächst. Von flugfreien Routen bis zu nachhaltigen Unterkünften: Zahlreiche Plattformen informieren mittlerweile über Alternativen zu herkömmlichen Urlaubsmodellen. Auch direkt vor Ort passiert viel: Immer mehr Hotels setzen auf umweltschonende Bauweisen, erneuerbare Energien, durchdachte Lieferketten, Müllreduktion, einen sparsamen Umgang mit Wasser und das Wohl von Einheimischen und Beschäftigten. Doch auch in dieser Branche besteht die Gefahr von Greenwashing – indem sich Hotels oder Reiseziele nachhaltiger darstellen, als sie sind. Anerkannte Gütesiegel, etwa das EU-Ecolabel, geben Orientierung. Und es hilft, bei der Reiseplanung genau hinzusehen: Was steckt hinter Schlagwörtern wie „grün“ oder „öko“? Was tut das Hotel laut Website genau für die Umwelt?
Ausgewählte Expertinnen geben in unserem Report ebenso konkrete wie einfach umzusetzende Empfehlungen für verantwortungsvolle Reiseentscheidungen:

Gibt es Siegel für nachhaltiges Reisen, denen ich trauen kann?

„Ja, die gibt es! Der Tourismus-Labelguide (über tourismus-labelguide.org zu finden) bewertet mehr als 60 internationale und europäische Labels nach Unabhängigkeit, Transparenz und internationalen Standards. So erkennt man, welche Siegel tatsächlich glaubwürdig sind, und kann fundiert umwelt- und sozialverträglich buchen. Besonders empfehlenswert sind Zertifizierungen nach den Kriterien des Global Sustainable Tourism Council (GSTC) – darunter etwa Travelife, Green Key oder das Good Travel Seal von Green Destinations. Sie erfüllen internationale Standards in Umwelt- und Sozialverträglichkeit, sind transparent und unabhängig geprüft.“

Vera Thaler, M.Sc., Expertin für Nachhaltigkeit und Tourismus bei der Non-Profit-Organisation fairunterwegs.

Wie kann ich beim Reisen am meisten Emissionen einsparen?

„Mit bis zu 80 Prozent der Emissionen liegt der größte Hebel eindeutig bei der An- und Abreise, sprich Zug und Bus vor Flug. Wie das am besten geht, verraten flugfreie Reiseanbieter wie traivelling.com oder gleisnost.de. Aber auch vor Ort lässt sich die Klimabelastung niedrig halten, indem man sich regional, saisonal und vegetarisch ernährt und zu Fuß, mit dem Rad oder im Kajak im ,Slow-Modus‘ unterwegs ist. Neben gesundheitsfördernden Effekten nimmt man die Umgebung intensiver wahr, lebt im Moment und hebt die persönliche Erholung auf ein intensiveres Level. Ganz nach dem Motto: ,Mindful‘ statt, Mind full‘.“

Anna Kodek, bei Naturfreunde Internationale (NFI)

Wie verhalte ich mich bei der Hotelwahl und im Hotel möglichst umweltfreundlich?

„Generell gilt: Direkt beim Hotel anfragen und buchen, auf gute Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln achten oder Abholservices nutzen. Auf der Website Umwelt- und Sozialinitiativen sowie Nachhaltigkeits-Zeichen prüfen. Im Hotel Energie und Wasser sparen, Zimmer nur bei Bedarf reinigen lassen, Badeschlappen selbst mitbringen. Beim Frühstück auf saisonale, regionale Produkte achten und das Personal auch darauf ansprechen. Wer vor Ort Interesse zeigt, kann viel bewirken.“

Mag. (FH) Andrea Dietl, berät mit ihrer Agentur knallgrün touristische Organisationen in den Bereichen nachhaltige Entwicklung und gesellschaftliche Verantwortung

Welches Reisemittel hat den geringeren CO₂-Fußabdruck: Bahn oder Bus?

„Wer mit Bahn oder mit Bus auf Reisen geht, hat im Vergleich zu Auto- oder Flugreisen eine viel bessere Umweltbilanz. Zusätzlich zu den viel niedrigeren CO₂-Emissionen spielt auch der deutlich geringere Platzverbrauch von Bahn und Bus eine wichtige Rolle: Ein Bus mit 50 Sitzplätzen ersetzt 25 Pkw mit durchschnittlich zwei Insassen, ein Zug mit 400 Plätzen sogar rund 200 Pkw. Ob Bahn- oder Busfahren umweltfreundlicher ist, lässt sich nicht pauschal beantworten – das hängt davon ab, ob die Bahnstrecken elektrifiziert sind und erneuerbare Energien eingesetzt werden. Sehr umweltfreundlich sind natürlich Radreisen.“

Ulla Rasmussen, M.Sc., Geschäftsführerin des Verkehrsclubs VCÖ – Mobilität mit Zukunft

Schon gewusst? Es gibt auch klimafreundliche Jobs! Alles, was Sie darüber wissen sollten, finden Sie im Beitrag Green Jobs.

Machen Buchungen bei Airbnb & Co. die Städte kaputt?

„In gewissem Sinne ja – denn durch die Umwandlung von Wohnungen wird Städten bezahlbarer Wohnraum entzogen. Die Mieten steigen und Viertel verlieren durch die kommerzielle Ausrichtung auf den Tourismus ihr soziales Gefüge. Auch geraten kleinere Unternehmen durch die Bewertungsmechanismen auf großen Plattformen ins Hintertreffen. Reisende können dem entgegenwirken, indem sie Buchungsplattformen verantwortungsvoll auswählen – Beispiele dafür sind fairbnb.coop oder socialbnb.orgdirekt beim Anbieter buchen oder auf Nachhaltigkeit spezialisierte Veranstalter nutzen.“

Alien Spiller, Referentin für Tourismus und Entwicklung bei Brot für die Welt

Wenn ich fliege: Ist es sinnvoll, den Flug zu kompensieren?

„Kompensation kann Emissionen nicht wettmachen, aber mit den richtigen Projekten zumindest einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Vorsicht: Viele Programme haben keinen Klimamehrwert, manche sogar lokal schädliche Auswirkungen auf Ökosystem oder Bevölkerung. Ratgeber wie der Flyer des deutschen Umweltbundesamtes (auf umweltbundesamt.de unter „Publikationen“) zeigen, worauf man achten sollte. Wichtig ist zum Beispiel, dass die Klimaschutzprojekte nicht auch ohne Spenden durchgeführt worden wären.“

Mag. Dr. phil. Elisabeth Worliczek, Kultur- und Sozialanthropologin und Klimawandelforscherin an der Universität für Bodenkultur, Wien

Wie können die Menschen vor Ort von meiner Reise profitieren?

„Indem die lokale Wirtschaft unterstützt wird – angefangen von einer Nächtigung in familiär geführten Unterkünften über angemessenes Trinkgeld bis hin zu Guides und regionalen Produkten. Wertschätzung bedeutet, Natur und Kultur zu respektieren und Müll zu vermeiden. Damit Tourismus nicht nur eine Verschiebung der westlichen Lebenswelt woandershin ist, ist es wichtig, aufgeschlossen zu sein – etwa durch den Besuch lokaler Märkte oder die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Das stärkt Gemeinschaften und ermöglicht Begegnungen, die einem selbst und den Menschen vor Ort zugutekommen.“

Anna Kodek, Naturfreunde Internationale (NFI)

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