Was ist eine Vorlesepatenschaft?

In regelmäßigen Abständen lesen Vorlesepatinnen und Vorlesepaten in verschiedenen Einrichtungen vor, beispielsweise im Seniorenheimen oder Kindergärten.

Das Vorlesen wird dabei häufig interaktiv gestaltet und etwa durch Requisiten unterstützt. Die Texte wählen die Vorlesepatinnen und Vorlesepaten selbst aus. Länge und Aufbau werden bewusst angepasst, um Raum für Gespräche und den Austausch mit den Zuhörenden zu schaffen.

Welche Voraussetzungen gibt es für eine Vorlesepatenschaft und wohin können sich Interessierte wenden?

Grundsätzlich kann jede und jeder bei einem Verein oder einer Einrichtung anfragen, ob dort Vorlesestunden angeboten werden können. Darüber hinaus bieten das Österreichische Jugendrotkreuz sowie die Initiative „Ganz Ohr!“ des Katholischen Bildungswerks Ausbildungen zur Vorlesepatin bzw. zum Vorlesepaten an und bereiten Interessierte auf ihr freiwilliges Engagement vor.

Einzige Voraussetzung für die Teilnahme an den Ausbildungen ist ein einwandfreier Strafregisterauszug.

Interview mit Barbara Egger, die sich freiwillig als Vorlesepatin engagiert

Barbara Egger engagiert sich seit zwölf Jahren als Vorlesepatin. Nach ihrer Ausbildung beim Katholischen Hilfswerk begann sie, Kleinkindern sowie Seniorinnen und Senioren vorzulesen.

Frau Egger, wie sind Sie zu Ihrem freiwilligen Engagement gekommen?

Ich bin damals neu in den Ort gezogen und über die Eltern-Kind-Gruppe, die ich mit meinen Kindern besucht habe, zum Vorlesen gekommen. Es hat mir sofort gefallen, und deshalb habe ich auch im Kindergarten nachgefragt. Dort lese ich nach Vereinbarung einer Gruppe von fünf bis zehn Kindern vor.

Außerdem stehe ich mit einem Seniorenheim in Kontakt, um auch dort regelmäßige Lesetreffen anzubieten.

Wichtig ist dabei die Regelmäßigkeit. Schließlich bauen die Zuhörenden im Laufe der Zeit eine Beziehung zur Vorlesepatin oder zum Vorlesepaten auf.

Wie hat die Ausbildung zur Vorlesepatin ausgesehen?

Die Ausbildung hat an vier Wochenenden stattgefunden. Gemeinsam mit Referentinnen und Referenten, die häufig aus dem Bibliothekswesen kommen, haben wir die richtige Lautstärke und Geschwindigkeit für die jeweilige zuhörende Zielgruppe erlernt. Außerdem bietet die Ausbildung die Möglichkeit, sich auch mit anderen Vorlesepatinnen und -paten auszutauschen und Erfahrungen zu teilen.

Mit welchen Herausforderungen werden Sie bei Ihrem Engagement konfrontiert?

Eigentlich gibt es nicht viele Herausforderungen. Manchmal komme ich an meine Grenzen, wenn Kinder sehr unruhig oder laut werden. Das liegt oft daran, dass sie so tief in die Geschichten eintauchen und ganz in der Erzählwelt aufgehen. Die Herausforderung besteht dann darin, die Gruppe wieder zur Ruhe zu bringen.

Bei älteren Menschen entstehen die besonderen Momente meist nach dem Vorlesen. Man merkt manchmal, dass sich jemand gerade etwas von der Seele gesprochen hat. Dieses Mitfühlen kann in solchen Augenblicken durchaus berührend und mitunter auch belastend sein.

Was nehmen Sie von Ihrem Engagement als Vorlesepatin für sich mit?

Ich möchte meinen Kindern einen generationenübergreifenden Alltag vermitteln. Wenn wir am Seniorenheim im Ort vorbeispazieren und ein paar Leute draußen sitzen sehen, gesellen wir uns oft einfach für einen Plausch dazu. Aus den Begegnungen und Erzählungen zieht sie auch für sich selbst einen Mehrwert. Ich bin dann ganz im Moment und kann so viel von diesen Erfahrungen von früher lernen.

Außerdem ist es bei Vorlesepatenschaften mit Kindern ein schönes Gefühl, einen wichtigen Beitrag zur Sprachentwicklung zu leisten. Regelmäßiges Vorlesen ist schließlich eine wesentliche Grundlage für den Wortschatz und das Sprachverständnis, die Kinder im Laufe ihrer Entwicklung aufbauen.