Active Beauty
Kindern vorlesen: Darum sollten Sie gleich damit anfangen

Pippi, Jim Knopf & Co

Kindern vorlesen: Darum sollten Sie gleich damit anfangen

Nicht alle Eltern lesen ihren Kindern regelmäßig aus Büchern vor. Den Kleinen kann das aber viel geben. Ein Plädoyer fürs Vorlesen.
Nur noch eine Seite, nur noch ein Kapitel, nur noch eine Gute-Nacht-Geschichte, biiiiitte! – Das kennen Sie vielleicht vom allabendlichen Zubettbringen Ihrer Kinder. Dann nämlich ist Vorlesezeit bei vielen Familien und die liebste Tageszeit für Kinder: Wenn Geschichten vom Franz, von Pippi Langstrumpf oder dem Grüffelo die Fantasie anregen und die Kleinen sanft ins Traumland geleiten. Vorlesen macht aber nicht nur Spaß, es verschafft Kindern entscheidende Vorteile.


Tipps: Was wichtig ist beim Vorlesen 

Wenn Sie Ihrem Kind vorlesen möchten, finden wir das klasse! Die wichtigste Regel dabei: Machen Sie es sich gemütlich, kuscheln Sie, genießen Sie die Zeit mit Ihrem Kind und seien Sie voll da. Smartphones und andere Ablenkungen schaffen Sie am besten weit weg, damit Ihre ganze Aufmerksamkeit dem Geschehen gilt. Denn: Ihr Kind und Sie selbst sollten sich so geborgen wie möglich fühlen beim Vorlesen. Unterschätzen Sie das nicht, denn eine so gemütliche Atmosphäre stärkt die Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Kind.
 
Außerdem gilt: Wenn Sie Ihren Kindern vorlesen möchten, sollten Sie das regelmäßig tun, am besten täglich zur selben Zeit für mindestens 15 Minuten. Dann haben die Kleinen nicht nur mächtig Spaß, sondern lernen nebenbei spielerisch noch eine ganze Menge. Keine Panik, wenn sich Ihr Zweijähriger noch keine vollen 15 Minuten auf ein und dasselbe Buch konzentrieren kann – das ist völlig normal! Die Konzentrationsfähigkeit verbessert sich mit dem Alter des Kindes.
 
Mit dem Vorlesen können Sie übrigens schon früh beginnen. Im ersten Lebensjahr können Sie Stoffbilderbücher durchblättern und Bilderbücher mit eigenen Worten erzählen oder Sie schauen sich mit dem Kind Wörterbücher wie z.B. Das große Buch der Wörter und Bilder von Ole Könnecke an: Bilder, die es kennt, werden beim Vorlesen mit den Wörtern verbunden, die es später fürs Sprechenlernen braucht. 
 
Altersgerechte Bücher für Ihren Sprössling finden Sie auf entsprechenden Leselisten im Internet, wie bei leseleben.de oder . Sie können aber auch das Personal im Kindergarten oder in der Schule nach passenden Büchern fragen, Sie können sich im Buchhandel beraten lassen, bei anderen Eltern um Tipps bitten – und am besten gehen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind regelmäßig in die Öffentliche Bibliothek. Das Ritual, aus vielen Büchern selbstständig etwas für sich auszusuchen, lieben alle Kinder!
 

Warum vorlesen? 3 gute Gründe

1. Zur Ruhe kommen und reden

In einer schnelllebigen Zeit wie der unseren, fällt es uns allen, auch Kindern, immer schwerer, zur Ruhe zu kommen. Eine gemütliche Vorleseatmosphäre mit viel Gekuschel vor dem Zubettgehen – oder auch nach dem Mittagessen – hilft Kindern dabei, ruhige Momente schätzen zu lernen. 
 
Beim Vorlesen können sie ihre Gedanken sortieren, sich voll auf die vorgelesene Geschichte konzentrieren - und Schul- oder Kindergartenstress loszulassen oder vielleicht sogar darüber reden. Lassen Sie das in jedem Fall zu. Denn: Es geht beim Vorlesen nicht primär darum, möglichst viel von der Geschichte zu erzählen. Wenn Ihr Kind in der Vorlesezeit gerne über Tagesereignisse spricht, dann weil es sich wohl und geborgen fühlt. Gespräche können Sie prima ins Ritual integrieren – dann ist die Vorlesezeit auch Reflexionszeit oder eine Form von Wellness mit Kind. 


2. Neue Wörter lernen

Vorlesen hat noch einen anderen positiven Effekt: Kinder, denen häufig vorgelesen wird, haben einen viel größeren Wortschatz als andere. Eine Studie der Universität Chicago zeigt: Zweijährige, denen regelmäßig vorgelesen wird, beherrschen 291 Wörter mehr als Kinder, denen nicht vorgelesen wird. Eine ganze Menge! Die Kleinen lernen zudem die verschiedenen Zeitformen der deutschen Sprache kennen und unsere Grammatik. 
 
Was noch viel besser ist: Sie können es kaum erwarten, endlich in die Schule zu kommen und selber lesen zu lernen – und sie tun sich dabei auch leichter, wie eine Vorlesestudie aus 2018 belegt: Etwa 78 Prozent der Kinder, denen mehrmals in der Woche oder täglich vorgelesen wurde, fällt das Lesenlernen leicht. Bei Kindern, denen nicht oder selten vorgelesen wurde, sind es nur 50 Prozent.


3. Fantasie und Empathie fördern

Geschichten regen die Fantasie an, die Bilder zur Geschichte entstehen im Kopf des Kindes und werden nicht vom Fernseher vorgegeben. Das fördert die Kreativität. Denn: Die rechte Gehirnhälfte wird angeregt. Geschichten, die zum Beispiel einen Schulwechsel, den Tod des Haustiers oder andere aktuelle Geschehnisse thematisieren, helfen den Kleinen außerdem dabei, über diese Themen zu sprechen oder sie zu verarbeiten.
 
Aber nicht nur das: Sich in die verschiedenen Akteure einer Geschichte hineinzuversetzen schult das Einfühlungsvermögen. Ein Kind entwickelt dadurch mehr Verständnis für andere Menschen, was wiederum seine Sozialkompetenz positiv beeinflusst. Vorlesen bringt viele Vorteile für Kinder und Ihre Beziehungen zu den Eltern und anderen Menschen. Und: So lernen sie, dass Lesen einfach Spaß macht.