Streit und Versöhnung bei Kindern ist wichtig
Clever und gewaltfrei

Streit schlichten: 6 Fähigkeiten, die Kinder dafür brauchen

Konflikte unter Kindern sind etwas Alltägliches. Damit sie nicht eskalieren, brauchen Eltern nicht unbedingt eingreifen. Diese sechs Fähigkeiten müssen Kinder haben, um Streit clever und gewaltfrei schlichten zu können.

Die kleine Schwester zerstört das Lieblingsposter. Der Sitznachbar leiht sich ständig ungefragt den Radiergummi aus. Das Nachbarmädchen findet das neue Lieblingslied doof. Streit hat viele Gründe. Für Eltern ist das nervenaufreibend. Was sie tun können? Ihren Kindern schon früh Fähigkeiten beibringen, wie sie Streit selbst schlichten und Konflikte lösen können. Jedes Kind kann dank der richtigen Erziehung und folgenden Erziehungstipps für die Eltern zu einem sozialen Wesen werden!

Konfliktfähig: Wenn Kinder streiten

Meinungsverschiedenheiten, Streit und Konflikte gehören zum Leben. Und sie machen auch vor Kindern keinen Halt. Sie können so schnell aufziehen wie ein Gewitter. Mit dem richtigen Handwerkszeug lässt sich Streit aber auch genauso schnell schlichten, wie er entstanden ist – wenn Kinder die entsprechenden Fähigkeiten entwickelt haben. Und die lassen sich lernen. Die klinische Psychologin und systemische Familientherapeutin Sigrun Eder hat eine Kinderbuchreihe entwickelt, in der Protagonist Konrad den kleinen und großen Lesern Tipps gibt, wie sich Wogen glätten und Streit ohne Gewalt austragen lässt.

6 Kompetenzen, die Schulkinder zu cleveren Konfliktlösern machen

1. Lernen, die eigenen Gefühle wahrzunehmen

Gefühle helfen dabei, Erlebnisse, Reaktionen und Bedürfnisse zu beschreiben. Sie steuern das Verhalten und ermöglichen uns, Beziehungen aufzubauen und zu bewahren. Gute Gefühle sind etwas Positives: Sie machen das Leben abwechslungsreich. Unangenehme Gefühle sind wie ein Wachhund: Sie zeigen, dass etwas nicht in Ordnung ist. Unterstützen Sie Ihre Kinder daher, ihre Gefühle einordnen und benennen zu lernen. 

2. Sich unter Kontrolle haben

Sich selbst unter Kontrolle haben, bedeutet, sich auch in herausfordernden Situationen steuern zu können. Wird das Verhalten anderer als störend und ablenkend empfunden, fühlen sich viele Kinder angespannt. Das kann zu körperlicher Gewalt führen, die andere Menschen verletzt oder Gegenstände zerstört. Sich unter Kontrolle zu haben, können Kinder lernen. Finden Sie heraus, welche Situationen Ihre Kinder unter Druck setzen, provozieren oder stressen und helfen Sie ihnen, gewaltfreie Reaktionen zu entwickeln.

3. Sich mit Körpersprache auskennen

Eine Katze macht einen Buckel und zeigt damit, dass ihr etwas missfällt. Schwanzwedeln bei einem Hund heißt, dass er sich freut. Auch Menschen signalisieren mit ihrer Körpersprache – meist ganz unbewusst – was in ihnen vorgeht. Kinder, die sich in der menschlichen Körpersprache auskennen, besitzen eine nützliche Fähigkeit. Denn der Körperausdruck macht unausgesprochene Gefühle, Absichten und Gedanken des anderen sichtbarer und lässt Konflikte frühzeitig entschärfen.

4. Trotz Kritik & Beleidigungen gelassen bleiben

Kritik zu empfangen ist genauso schwierig, wie bei Beleidigungen gelassen zu bleiben. Kritik ist eine schwer verdauliche Kost, die allerdings auch begründet sein und ins Schwarze treffen kann. Beleidigungen hingegen sind ein fieses Mittel, um Konflikte zu verschärfen. Auf Kritik oder Beleidigungen mit Gegenkritik zu reagieren, verschärft den Konflikt. Wie Ihr Kind die Situation entschärfen kann: Tief durch die Nase ein und den Mund ausatmen, Kritik in Ruhe anhören, schauen, welche Gefühle sich entwickeln und die Antwort mit Bedacht wählen, z.B.: „Es ärgert mich, wenn du mich beschimpfst.“ „Ich mag es nicht, dass du mich so nennst.“ „Was du sagst, macht mich traurig.“ „Wieso redest du so mit mir?“

5. „Ich-Botschaften“ sind besser als „Du-Botschaften“

Der Satz „Du bist feige!“ ist eine „Du-Botschaft“. „Du-Botschaften“ verhindern die Lösung eines Konflikts, weil sie den anderen beschuldigen, bewerten und in die Ecke drängen, ohne von der eigenen Person etwas preiszugeben. Im Unterschied dazu ermöglichen „Ich-Botschaften“, aufeinander zuzugehen und Frieden zu schließen. Denn sie helfen, Stimmung, Gefühle und Gedanken mitzuteilen, und signalisieren gleichzeitig die Bereitschaft, den Konflikt zu beenden.

6. Versöhnungsbereit sein

Versöhnungsbereitschaft ist die Grundvoraussetzung, um Konflikte beizulegen und Frieden zu schließen. Wer versöhnungsbereit ist, geht auf den anderen zu, achtet ihn und versucht, ernsthaft eine gute Lösung für beide Seiten zu finden. Versöhnungsbereite Kinder sind Friedensstifter, weil sie die Sache klären wollen, geduldig sind, gute Entscheidungen treffen können und trotz starker Gefühle die Absicht haben, den Konflikt im Guten zu lösen. Besonders schön ist, wenn sich die Konfliktparteien am Ende des Gesprächs als Zeichen der Versöhnung z.B.  umarmen, die Hand oder einen Handschlag geben oder liebevoll knuffen.

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