Töpfchentraining ohne Druck: So wird Ihr Kind entspannt windelfrei
Im Durchschnitt wird ein Kind zwischen 4000 und 6000 Mal gewickelt, bevor es bereit fürs Sauberwerden ist. Doch wie gelingt der Einstieg ins Töpfchentraining am besten? Eine Expertin gibt hier die Antworten.
Inhaltsverzeichnis
- Frau Eder, ab wann sollte bzw. muss ein Kind windelfrei sein?
- Woran erkennen Eltern, dass ihr Kind bereit für das Töpfchentraining ist?
- Ab wann ist es sinnvoll, ein Kind zu ermutigen, aufs Töpfchen zu gehen – und wie geht man damit um, wenn kein Interesse besteht?
- Ab wann sollte ärztlicher Rat beim Töpfchentraining eingeholt werden?
- Bis zu welchem Alter ist eine Windel in der Nacht noch als normal anzusehen?
- Gibt es weitere hilfreiche Tipps, die Eltern beim Töpfchentraining unterstützen können?
Mag. Sigrun Eder ist Mama von Zwillingen, Klinische und Gesundheitspsychologin, Psychotherapeutin und Autorin der SOWAS!-Sachbuchreihe
Frau Eder, ab wann sollte bzw. muss ein Kind windelfrei sein?
Kinder ab dem vierten Lebensjahr sollten in der Lage sein, ihre Ausscheidungen zu kontrollieren. Damit Herr Kacks und das Pi am richtigen Zielort landen, müssen Kinder einige Fähigkeiten beherrschen und miteinander kombinieren. Diese Fähigkeiten heißen „Toilettenfertigkeiten“.Sie umfassen die folgenden Aspekte:
- Wissen, was Kot und Urin ist.
- Wissen, wie noch dazu gesagt werden darf (z.B. Kacks und Pi, großes und kleines Geschäft, Kacka, Pipi).
- Wahrnehmen, ob Kacks und/oder Pi rauswollen.
- Sich auf dem Weg zum Töpfchen oder zum Klo machen.
- Sich die Unterbekleidung ausziehen.
- Sich auf das Töpfchen oder das Klo (am besten mit Klositzverkleinerer) setzen.
- Den Schließmuskel entspannen und Kacks und/oder Pi rauslassen.
- Sich richtig abputzen (Scheide/Penis reinigen und den Po von vorne nach hinten abwischen).
- Sich die Unterbekleidung wieder anziehen.
- Die Spülung betätigen oder Kacks und/oder Pipi aus dem Töpfchen in die Toilette leeren und dann runterspülen.
- Sich die Hände sorgfältig waschen, besonders nach dem großen Geschäft oder der Benützung öffentlicher Toiletten.
Töpfchen-Trainingshosen können beim Sauberwerden unterstützen.
Woran erkennen Eltern, dass ihr Kind bereit für das Töpfchentraining ist?
Training klingt mehr nach Anstrengung als nach Freude. Etwas Neues zu lernen klappt besser mit Neugierde und Leichtigkeit. Eltern können beobachten, um welche Uhrzeit bzw. nach welchen Aktivitäten die Windel meistens voll ist, wie das Kind kurz vorher wirkt und wie es sich verhält. Bezugspersonen können meist gut erkennen, wenn sich ein Kind für das Klogeschäft zurückzieht, hinhockelt und zu drücken beginnt oder einen eher glasigen Blick bekommt.Ab dem Laufenlernen können Eltern ihrem Kind ein Töpfchen oder einen Klositzverkleinerer anbieten. Geht das Kind gerne drauf? Hat es eine geeignete Erhöhung für die Beine, wenn es auf der Toilette sitzt, und eine Anhaltemöglichkeit? Ist das Klo freundlich gestaltet? Kann das Töpfchen nicht umkippen nach dem kleinen und großen Geschäft? Wenn es am Po kleben bleibt und sich der Inhalt nachher über den Spieleteppich ergießt, ist das ungünstig.
Ab wann ist es sinnvoll, ein Kind zu ermutigen, aufs Töpfchen zu gehen – und wie geht man damit um, wenn kein Interesse besteht?
Anbieten, so früh es geht. Wenn die Verfügbarkeit gewährleistet ist, zeigen Kinder umso früher daran Interesse. Auch sollte das Töpfchen in der kindlichen Umgebung erreichbar sein, sodass das Spielen nicht lange unterbrochen werden muss.Desinteresse ist daran erkennbar, dass das Kind sich vom Töpfchen abwendet oder es ignoriert. Es kann auch sein, dass es mehrfach protestiert, wenn es Eltern oder Bezugspersonen auf das Töpfchen setzen wollen.
Kindergesundheit – hier werden die wichtigsten Fragen kompetent beantwortet.
Ab wann sollte ärztlicher Rat beim Töpfchentraining eingeholt werden?
Ein Kind soll nach seinem vierten Geburtstag in der Lage sein, seine Ausscheidungen zu regulieren. Hat es Schwierigkeiten dabei, wird eine ärztliche Abklärung empfohlen. So können organische Ursachen (z.B. Fehlmündung der Harnröhre) ausgeschlossen werden und psychische Ursachen in den Fokus rücken.Die Toiletten-Titel der SOWAS!-Reihe helfen Kindern, die wichtigen Phasen beim Großwerden im Hinblick auf die Ausscheidungsprodukte unseres Körpers souverän zu meistern und Experten für sich selbst zu werden. Sie sind gewissermaßen die Psychologin für zu Hause.
Nachts abstillen: So gelingt die Entwöhnung sanft und bedürfnisorientiert.
Bis zu welchem Alter ist eine Windel in der Nacht noch als normal anzusehen?
Das kommt ganz darauf an, wie früh ein Kind auch nachts „dicht hält“. Den meisten Kindern ist es zuerst möglich, den Mastdarm nachts zu kontrollieren, dann am Tag. Im nächsten Schritt gelingt ihnen die Blasenkontrolle am Tag und schließlich in der Nacht. Es ist also nicht ungewöhnlich, wenn das Pipi anfangs trotz guter Kontrolle tagsüber in der Nacht fallweise noch im Bett landet.Frühestens ab dem 18. Lebensmonat und meistens ab dem 24. Lebensmonat können Kinder ihren Schließmuskel kontrollieren und somit Kacks und Pi bewusst zurückhalten bzw. loslassen. Gespräche unter Eltern können verunsichern, weil sich Kinder höchst unterschiedlich entwickeln. Daher ist es ganz wichtig, jedem Kind sein eigenes Tempo zu lassen und bei Toiletten-Themen keinen Druck aufzubauen. Auch wenn sie für die Bezugspersonen z.B. im Hinblick auf nächtliches Einnässen viel Arbeit bedeuten können.
Eltern und Betreuungspersonen sollten Kinder dabei unterstützen, ihre eigenen Körpersignale bewusst wahrzunehmen und zu verstehen. Einfühlsame Begleitung, verständliches Lob und liebevolle Zuwendung helfen jedem Kind, diesen wichtigen Entwicklungsschritt hin zur Selbstständigkeit mit mehr Freude und Sicherheit zu meistern.
Zudem ist es sinnvoll, darauf zu achten, wie viel und zu welchem Zeitpunkt das Kind zuletzt getrunken hat. Ungünstig sind gesüßte Getränke sowie salzige Snacks, da sie vor dem Schlafengehen zusätzlichen Durst verursachen können.
Nächtliches Einnässen liegt dann vor, wenn eine unbewusste, weitgehend vollständige Blasenentleerung nachts ab dem Alter von fünf Jahren zumindest zweimal im Monat stattfindet. Typisch hierfür sind große Urinmengen, schwere Erweckbarkeit und nahe Verwandte, die als Kind ebenfalls davon betroffen waren.
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Gibt es weitere hilfreiche Tipps, die Eltern beim Töpfchentraining unterstützen können?
Selbstverständlich, die besten davon haben wir in der SOWAS!-Reihe zusammengefasst. Vor allem sind es die vielen Mitmach-Seiten, die Kindern dabei helfen, zu erspüren, was sie brauchen. Denn auch bei Toiletten-Themen gilt: Übung macht die Meisterin und den Meister.Jedes Kind ist individuell und einzigartig, daher darf jedes Kind für sich selbst herausfinden, was es gerne hat und was nicht. Davon abgesehen gibt es aber grundlegende Regeln:
- Das Töpfchen hat immer Vorrang.
- Pipimachen lässt sich nicht aufschieben.
- Es braucht niemandem peinlich zu sein, jetzt „sofort“ mit dem Kind aufs Klo zu gehen.
- Eltern sollten die Bedürfnisse ihrer Kinder ernst nehmen und bewusst Zeit für Töpfchen und Klo einplanen.
Sigrun Eder hat mehrere Bücher zum Thema verfasst, darunter:
Herr Kacks und das Pi, edition riedenburg, 20,46 Euro, eBook 16,99 Euro
Herr Kacks und das Pi, edition riedenburg, 20,46 Euro, eBook 16,99 Euro