Frauenhand mit Smartphone am Ladekabel vor gelben Hintergrund
Müssen Sie auf Entzug gehen?

Digital Detox: So klappt das Abschalten

Wer ständig unter Strom steht, muss irgendwann den Stecker ziehen – und das ganz wörtlich. In Zeiten digitaler Reizüberflutung hilft oft nur der Aus-Knopf. Digital Detox: Wie der digitale Entzug zu neuer Entspannung führen kann.

Echt entspannt ohne Bildschirm

You’ve got mail! Vorbei sind die Zeiten, in denen diese Nachricht die „Early Adopters“ des Internets in Ekstase versetzte. Heute löst sie hingegen meist nur Stress aus, reiht sie sich schließlich in eine schier unendliche Anzahl von SMS, WhatsApp-Chats und E-Mails ein. Sogar der Erfinder des „Like“-Buttons bei Facebook, Justin Rosenstein, ruft mittlerweile zum digitalen Entzug auf für mehr Digital Wellbeing.

Das Smartphone ist unser ständiger Begleiter. Wenn wir damit nicht gerade kommunizieren, haben wir so stets einen willigen Alleinunterhalter zur Hand. Instagram, YouTube, Facebook – das Leben da draußen und immer öfter auch unser eigenes erleben wir mehr und mehr gefiltert durch einen Bildschirm. In vielen wächst dadurch die Sehnsucht zurück zur „Echtheit“, zu Ursprünglichkeit und Entschleunigung. Kein Wunder also, dass eine Rückbesinnung auf das Leben vor der digitalen Revolution stattfindet. Auch die Urlaubsbranche hat das erkannt, wo über Generationen überlieferte Kur- und Entspannungsmethoden boomen. Zahlreiche Wellnesshotels bieten Fußreflexwege, Kräutersaunen und Kneippkuren wie anno dazumal an. Die neueste Strategie, um diese neue alte Art der Entspannung zu vermarkten: Digital Detox.

Unser Tipp:

Entspannung wird verstärkt abseits von hochmodernen Spa-Tempeln in traditionellen Badehäusern und auf Almen gesucht.

Digital Detox – mehr als nur Smartphone-Entzug

Wie der Name schon vermuten lässt, unterscheidet sich ein Digital-Detox-Urlaub deutlich vom gewöhnlichen Wellnessurlaub. Das Handy und alle anderen elektrischen Geräte werden am Empfang abgegeben, Flachbildschirm und WLAN sucht man auf den Zimmern vergebens. Wie so oft waren die Amerikaner auch beim Digital-Detox-Urlaub den Europäern wieder einmal voraus: Ausgerechnet im Silicon Valley, Ursprungsort vieler digitaler Entwicklungen, verschaffen Digital-Detox-Camps seit den frühen 2010er-Jahren stressgeplagten Managern eine technik-freie Auszeit. Genau darum geht es beim sogenannten digitalen Entzug: Jegliche Form der digitalen Beschäftigung oder Ablenkung ist verboten, vom Smartphone-Entzug bis zum TV-Verzicht. Die digitale Enthaltsamkeit soll dabei helfen, den Unruhezustand zu durchbrechen, den unsere ständige Erreichbarkeit verursacht.

Von FOMO zu JOMO

Rund 88 Mal schalten wir pro Tag den Bildschirm unseres Smartphones ein, um zu checken, ob wir etwas verpasst haben. Immerhin 46 Prozent greifen nach dem Aufwachen als Erstes zu ihrem ständigen digitalen Begleiter – noch vor dem Aufstehen. FOMO, „the fear of missing out“, ist längst zum geflügelten Wort geworden. Dem setzt Digital Detox nun JOMO entgegen: „the joy of missing out“ feiert es, sich bewusst der immer schneller und fordernder werdenden Welt zu entziehen. Den einen oder anderen Aus-Knopf zu drücken, ist dazu unumgänglich. Ohne Laptop, Tablet und Co. schrumpft das Erleben auf das Unmittelbare und man lernt seinen Körper wieder zu spüren.

3 Top-Tipps für Digital-Detox-Urlaub in Österreich

  • „Meine Kraftquelle“-Programm im Kurhaus Schärding, Oberösterreich
  • Wiesergut Digital Detox Hotel in Hinterglemm, Salzburg
  • „Switch off“-Programm im Schlosshotel Fiss in Fiss, Tirol

 

„Ist zurzeit nicht erreichbar“: Digital Detox im Alltag

Achtsamkeit zu lehren und die abgestumpften Sinne wiederzubeleben ist auch das Ziel von Digital-Detox-Urlaub. Doch ein Wochenende in einem auf den digitalen Entzug spezialisierten Hotel allein genügt kaum, um für immer tiefenentspannt in die Hektik der modernen Welt zurückzukehren. Vielmehr sollte es Anstoß sein dafür, auch im Alltag ab und zu auf die Elektronik zu verzichten.

Mit diesen 10 Tipps klappt der digitale Entzug im Alltag

  1. sich seines Nutzungsverhaltens bewusst werden (z. B. mit Digital-Detox-Apps wie Quality Time, Menthal oder Offtime)
  2. Apps mit Push-Nachrichten deinstallieren
  3. das Smartphone auf lautlos oder in den Flugmodus schalten
  4. das Smartphone mal ganz ausschalten
  5. Smartphone-freie Zeiten festlegen (z. B. während des Essens)
  6. Smartphone-freie Räume schaffen (z. B. das Schlafzimmer)
  7. Nachrichten nicht sofort beantworten
  8. die Mailbox deaktivieren
  9. sich vom Wecker statt vom Smartphone wecken lassen
  10. den Smartphone-Bildschirm in Schwarz-Weiß anzeigen lassen (bunte Instagram-Stories verlieren so schnell ihren Reiz!)

Ob man ein entspannendes Schaumbad nimmt, wieder einmal ein „echtes“ Buch liest oder sich mit Freunden persönlich trifft: Die durch den digitalen Entzug gewonnene Zeit kann man ganz vielseitig nutzen. Oder auch einfach mal nichts tun, nur dasitzen und in sich hineinhorchen – nicht auf den nächsten Nachrichtenton.

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