Frau ertastet Triggerpunkt im Schulterbereich
Schmerz, lass nach!

Triggerpunkte: Weg mit den Schmerzen!

Die Schulter schmerzt, der Nacken ist steif oder der Arm tut permanent weh? Möglicherweise ist ein Triggerpunkt der Auslöser! Und den sollten wir unbedingt behandeln lassen.

Steifer Nacken, Schmerzen im Arm oder im Rücken sind typische Schmerzen von Erwachsenen. Gerade Menschen, die viel und lange vor dem Computer sitzen müssen, können ein Lied davon singen. Was viele jedoch nicht wissen: Der Auslöser für die Schmerzen – der Triggerpunkt – liegt oft ganz woanders. Wir haben mit Physiotherapeut Peter Stefanich-Engel darüber gesprochen, was Triggerpunkte sind, wie sie behandelt werden und was Sie selbst dagegen tun können.

Triggerpunkte: Alles, was Sie darüber wissen sollten

1. Was ist ein Triggerpunkt?

Ein Triggerpunkt ist eine Stelle, an der sich der Muskel nicht mehr entspannen kann. Der Punkt wird nicht mehr durchblutet, Nährstoffe und Sauerstoff nicht mehr angeliefert. Ein einzelner Triggerpunkte ist nur so groß wie ein Muskelfaserkomplex, also etwa einen Mikrometer. Doch die Schmerzen, die die sogenannten myofaszialen Triggerpunkte im Muskel weiterleiten können, sind meist groß. Auftreten können sie in verschiedenen Regionen: „Ein Triggerpunkt in der Schulter zum Beispiel strahlt oft in den Arm aus, ein Triggerpunkt im Gesäß ins Bein und den Fuß“, weiß der Physiotherapeut.

2. Wo treten sie am häufigsten auf?

Laut dem Experten hängt es davon ab, welche Muskeln man am häufigsten anspannt: „Wer regelmäßig im Büro arbeitet und seine Computermaus falsch platziert, bekommt irgendwann Probleme im Infraspinatus, einem Muskel im Schulterblatt. Sportlerinnen und Sportler haben hingegen oft Triggerpunkte im Bereich des Gesäßes.“

3. Wie entstehen Triggerpunkte?

Die Punkte im Muskel, die Schmerzen weiterleiten können an andere Orte im Körper, können mehrere Ursachen haben. Hauptursache aber sind:

  • Unfälle, wie zum Beispiel Stürze, bei denen wir uns abstützen müssen, und Hebetraumata – also falsch und viel heben -, bei denen eine Überdehnung im Muskel dazu führt, dass dieser sich zusammenzieht und nicht mehr loslässt.
  • Überlastung: Und zwar nicht nur körperliche Überanstrengung, sondern auch psychische. Denn unsere Seele spielt bei Triggerpunkten eine wichtige Rolle – Stress und Sorgen erhöhen die Körperspannung. „Wenn das zu lange geht, sagt der Körper: Ich kann mich nicht länger ausreichend mit Sauerstoff versorgen.“ Die Folge: eine gesteigerte Grundspannung, die Triggerpunkte entstehen lassen kann.

4. Wie werden sie behandelt?

Weil Triggerpunkte so winzig klein sind, sind sie sehr schwer aufzuspüren. Darum lassen sie sich bei einer physiotherapeutischen oder osteopathischen Behandlung selten bei nur einer einzigen Behandlung auflösen. „Der wichtigste Grundsatz lautet: Schaffe Durchblutung!“ Heißt: Drücken, massieren, kreisende Bewegungen, ein Schröpfglas, Infrarotstrahlung, Ultraschalltherapie, Stoßwellen oder eine Faszienrolle. Besonders gut funktioniert aus Expertensicht eine spezielle Akupunkturtechnik, das Dry Needling.

5. Kann ich Triggerpunkte selbst behandeln?

Bei Muskel- oder Gelenkschmerzen greifen viele Menschen instinktiv zu Wärmendem, wie Wärmflasche, Wärmepflaster usw. Doch bei Triggerpunkten hilft Wärme nur bedingt. Denn die Wärme gelangt nicht in die tieferen Hautschichten. „Allenfalls bei Triggerpunkten im Nacken – wo die Haut eher dünn ist – kann eine Infrarotlampe helfen“, sagt der Expterte.

Für alle anderen Stellen rät er: „So fest draufdrücken wie Sie es aushalten – mit dem Daumen, einem Hölzchen, einer Faszienrolle oder einem anderen Gegenstand, der punktuell Druck ausübt.“ Wichtig ist allerdings die richtige Behandlungsdosis: Behandeln Sie die Stelle nicht jeden Tag, sonst leiden angrenzende Gefäße und Nerven darunter. Daher zwischen den einzelnen Behandlungen immer drei Tage vergehen lassen.

6. Wie reagiert der Körper auf unbehandelte Triggerpunkte?

Wird ein einzelner Triggerpunkt nicht behandelt, kann er durchaus zu weitreichenden körperlichen Veränderungen führen. In der Medizin spricht man dann vom myofaszialen Schmerzsyndrom. Schmerzen sind dann nicht die einzigen Folgen, sondern als Langzeitfolgen kennt Therapeut Stefanich-Engel:

  • Muskelschwäche im betroffenen Bereich
  • eingeschränkte Bewegung, zum Beispiel der Schulter
  • Unter Umständen kann die Hitze-Kälte-Regulierung der Hände aus dem Ruder laufen – an einer Hand schwitzen oder frieren wir dann schneller.
  • Koordinationsstörungen können die Folge sein: wenn z. B. durch einen lange unbehandelten Triggerpunkt im Gesäß eine Tiefenwahrnehmungsstörung entsteht – wir kommen häufiger ins Stolpern.

7. Wie beugen wir Triggerpunkten vor?

Einem Sturz können Sie schlecht vorbeugen. Überlastung aber sehr wohl, und zwar so:

  • Die richtige Muskelpflege beugt Triggerpunkten vor. Sport und Bewegung sollte folgende Komponenten beinhalten bzw. trainieren: Ausdauer, Sauerstoffversorgung an der frischen Luft, Kraftübungen und Dehnen. „Das sorgt dafür, dass der Stoffwechsel im Muskel optimal laufen kann.“ Gut geeignet: Yoga, Pilates, CrossFit.
  • Achten Sie auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung.
  • Vermeiden Sie zudem (so gut es geht) psychische Faktoren, die Sie permanent unter Spannung setzen.
  • Entlasten Sie Ihre Schulter! Bürostuhl und Schreibtisch sollten ergonomisch richtig eingestellt sein. Und die Computermaus mittig vor dem Körper liegen – also dort, wo am Laptop das Touchpad ist.
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