Gut gemeint, aber überflüssig: Eltern brauchen keine Ratschläge zur Kindererziehung.
Gut gemeint oder nervig?

Ratschläge für Eltern: Vier Gründe, warum es ohne geht

Von allen Seiten mit Ratschlägen für eine erfolgreiche Erziehung konfrontiert zu werden, kann Eltern nerven und überfordern. Selbst, wenn eine gute Absicht dahintersteckt. Was hilft: einen eigenen Erziehungsstil zu finden.

Wer entscheidet, ob man eine gute Mutter ist? Oder ein guter Vater? Von der eigenen Mutter über Verwandte jeden Grades bis hin zu Freundinnen und Bekannten. Schon kurz nach der Geburt sind Eltern von Menschen umzingelt, die ungefragt Ratschläge für den richtigen Erziehungsstil verteilen.

Doch warum werden Eltern von allen Seiten mit Tipps versorgt? „Ein wenig ist es wohl wie mit der Werbung. Weil jeder sie als Konsument kennt, meinen alle, sich damit auszukennen“, sagt Familienberaterin Linda Syllaba. „Jeder Mensch war einmal Kind, manche haben selbst Kinder. Alle dürfen zumindest Beobachterin oder Beobachter sein. Und weil Menschen per se total verschieden sind, halten sie auch total verschiedene Dinge für ratsam.“ Deshalb gilt es bei einer achtsamen Erziehung vor allem auf sein eigenes Bauchgefühl zu hören.

So pfeifen Sie auf Ratschläge für Eltern und finden Ihren eigenen Stil:

  1. Klare Grenzen setzen

    Es ist nie zu spät, seine eigenen Grenzen nach außen zu setzen. Mit gesunder Abgrenzung bekommen Sie auch private Beratungsteams unter Kontrolle. „Interessant, wie du das siehst. Ich werde es so machen, wie ich es für richtig halte.“ Oder: „Ich freue mich über dein Interesse an uns. Ich werde Bescheid sagen, wenn ich deine Inputs brauche. Bitte respektiere meinen Wunsch, keine ungefragten Ratschläge zu erhalten.“ Der Inhalt muss klar sein, der Ton macht die Musik. Gegebenenfalls sind Wiederholungen notwendig. Wer beleidigt reagiert, darf das mit sich ausmachen.

  2. Nicht mit Anderen vergleichen

    Nicht nur das direkte Umfeld, sondern auch die Gesellschaft schreibt Eltern oft vor, welche Kriterien sie zu erfüllen haben. Am besten ist es sich nicht zu vergleichen. Und oft auch einfach nicht hinzuhören. Ideal wäre ein Filter, den man sich selbst einbaut. Ist die Info hilfreich? Kann ich das für meine Situation adaptieren? Und die allerwichtigste Frage ist: Fühlt es sich für mich richtig an? Der Fokus sollte schließlich immer auf die eigenen Bedürfnisse, Werte und Überzeugungen ausgerichtet sein. Ob das den anderen gefällt oder nicht, ist zweitrangig.

  1. Die eigenen Bedürfnisse ernst nehmen

    Viele haben das Gefühl, sie wären schlechte Eltern, wenn für sie die Kinder nicht ständig an erster Stelle stehen. Das führt allerdings nicht nur zur eigenen Überforderung, sondern auch zu der des Kindes. Achten Sie nicht nur auf die Bedürfnisse des Kindes. Nehmen Sie die Bedürfnisse aller Familienmitglieder ernst. Dann wird abgewogen, priorisiert und von den Eltern entschieden, wie gehandelt wird.

  2. Gefühle zeigen

    Darf man als Elternteil zeigen, wenn man mal einen schlechten Tag hat? Unbedingt! Kindern können Sie sowieso nichts vorspielen. Sie erkennen die Diskrepanz zwischen gesprochenem Wort und Körpersprache sofort. Die Maske dient eher dem Schauspiel anderen Erwachsenen gegenüber, deren Erwartungen man glaubt entsprechen zu müssen. Trotzdem lieber aufgestaute Emotionen nicht ungefiltert hinausbrüllen (weniger schimpfen lässt sich lernen!). Hier gilt es auf der „Klaviatur der Gefühle“ spielen zu lernen. Denn wer lernt mit den eigenen Gefühlen umzugehen, kann auch seine Kinder besser durch so manches Gefühlstal begleiten. Kinder brauchen weder perfekte noch immer nette Eltern. Sie brauchen echte, greifbare Menschen, bei denen sie Halt finden.

Linda Syllaba. Diplomierte Familienberaterin, familylab-Erziehungscoach und Mastermind bei beziehungshaus.at. Außerdem ist sie Autorin von „Die Schimpf-Diät – in 7 Schritten zu einer gelassenen Eltern-Kind-Beziehung“ mit Daniela Gaigg (Beltz Verlag).

Teilen: Artikel bei Facebook teilen Artikel bei Whatsapp teilen Artikel URL kopieren
Anzeige
Anzeige
Anzeige