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4 Tipps, um Mom Shaming endlich zu stoppen

Wenn Mütter mobben

4 Tipps, um Mom Shaming endlich zu stoppen

Ja, jeder redet einmal schlecht über andere. Aber Frauen mit Kindern trifft es ganz besonders – und von allen Seiten. Doch es gibt Wege, um Mütter-Mobbing zu beenden!

Ob Me-Time oder die eigene Karriere: „Wir opfern immer etwas, wenn wir Frauen Mutter werden“, weiß Katharina Pommer, Familientherapeutin, Mutter von fünf Kindern und Autorin des Buches „Stop MomShaming“. Denn: Laut Studien kehren 70 Prozent der Mütter nicht in ihren Vollzeitjob zurück. Sie arbeiten Teilzeit oder gar nicht. Was sie sich oft anhören müssen: Wieso nur Teilzeit? Oder aber, Stichwort Rabenmutter: Wieso arbeitest du? Wieso hast du überhaupt Kinder bekommen? Mütter können es offenbar niemandem recht machen.

Egal, wie man als Mutter entscheidet – die ganze Welt mischt sich ein, kritisiert, korrigiert, gibt ungefragt (Erziehungs-)Ratschläge. Mom Shaming nennt das die Expertin. Und sie gibt Tipps, wie wir Mom Shaming (auch: Mom Bashing) stoppen und Müttern endlich mit dem nötigen Respekt entgegentreten.

Bedeutung: Was ist Mom Shaming?

Katharina Pommers Definition lautet so: „Mom Shaming ist eine Art von Mütter-Mobbing: ein grenzüberschreitendes, ungefragtes Intervenieren in die Entscheidungen, die eine Mutter mit ihrem (oder über ihr) Kind trifft.“ Passiert das immer wieder im selben Umfeld und über einen langen Zeitraum hinweg, dann ist Mom Shaming eindeutig: Mobbing.

Oft verbunden ist Mom Bashing mit harscher Kritik: Hast du es nötig, arbeiten zu gehen? Wieso stillst du dein Kind nicht, willst du seiner Gesundheit schaden?

Mom Shaming ist übrigens nie gerechtfertigt, sagt die Familientherapeutin. Selbst wenn eine Mutter ihre Kinder wirklich schlecht erziehe, gebe es keine Rechtfertigung dafür, Mütter zu mobben. „Aber es gibt immer eine Rechtfertigung zu fragen: Brauchen Sie oder brauchst du Hilfe?“

Wieso reden wir schlecht über Mütter?

Die Erwartungen der Gesellschaft an eine Mutter sind heutzutage sehr hoch. Eine Frau hat ab einem bestimmten Alter Kinder zu bekommen – und möglichst nur ein oder zwei, bloß kein drittes Kind. Die Mutter soll nicht zu lange aus dem Beruf wegbleiben, den Haushalt schupfen, die Familie organisieren, im Elternbeirat sitzen, Sport machen etc. „Damit waren unsere Mütter und Großmütter nicht konfrontiert“, sagt die Familientherapeutin. Die hohen Anforderungen an das Mutterdasein sind neu und führen nicht selten zu Mental Overload.

Aber wenn Mütter mit all den Ansprüchen überfordert sind und über ihre Sorgen und Probleme sprechen? Werden sie nicht ernstgenommen! Stattdessen heißt es dann: Die jammert nur, so schlimm ist das nicht.

Woher das kommt? „Mütter stehen unter großem Druck und sind zudem oftmals in ihrer Rolle unsicher. Das liegt teils daran, dass sich die Rollenverständnisse verändert haben, aber auch durch Social Media zahlreiche Möglichkeiten des Vergleichs untereinander angeboten werden.“

Wenn Mütter andere Mütter mobben:

Ja, sogar wenn wir selbst Kinder haben, shamen wir insgeheim (oder öffentlich) andere Mütter. Einmal ist Expertin Pommer sogar selbst in die Falle getappt. Sie sagt, das Mütter-Mobbing durch andere Mütter liege am Sich-Vergleichen: „Wenn ich selber keine Orientierung habe, schau ich: Wie macht es die andere?“

Wir vergleichen also. Und das ist in Zeiten von Social Media und Internetforen enorm schwierig. Denn online hören wir ja von Tausenden deren Meinung zu allen möglichen Themen, seien sie darin Expertin oder Experte oder nicht: Baby stillen oder nicht? Wann abstillenKaiserschnitt – ja oder nein? Fremdbetreuung oder lieber länger daheim bleiben? Es gibt so viele Fragen von Müttern mit Neugeborenen – und zu viele Meinungen da draußen im Social Web. Viele Mamas schlagen sich letztlich auf eine Seite und das andere Lager wird gnadenlos geshamt.

Wie können wir Mom Shaming stoppen?

  1. Zivilcourage zeigen

    Eine Mutter wird von anderen beschämt und Sie merken, dass ihr das nahegeht? Dann schreiten Sie ein! „Fragen Sie den Shamer ganz direkt: Merkst du gerade, dass deine Argumente dein Gegenüber verletzen?“

  2. Hilfe anbieten

    Sie beobachten eine Mutter an der Supermarktkassa; ihr Zweijähriger schreit, der Vierjährige sagt: ‚Ich geh schon hinaus zum Auto.‘ Die Mutter ist hin- und hergerissen. Die Kunden in der Schlange verdrehen die Augen oder stressen die Frau mit ihren Kommentaren zusätzlich. Was tun? „Bieten Sie der Mama Ihre Hilfe an! Sie könnten sagen: Gehen Sie Ihrem Sohn nach, ich leg‘ die Sachen für Sie aufs Band.“ Vielleicht hilft es bereits, wenn Sie der Mutter einfach durch ein Kopfnicken oder ein Lächeln signalisieren: Kein Stress, alles gut!

  3. Sich selbst reflektieren

    Reflexion ist ganz wichtig, wenn es um Mom Shaming geht, weiß Pommer: „Machen Sie sich im Umgang mit einer Mutter immer bewusst: Das ist nicht meine Baustelle, dieser Frau zu sagen, wie man es richtig macht. Jede und jeder hat seine Haltung und Perspektive und sie wird das schon richtig machen.“ Greifen Sie nur ein, wenn Sie eindeutig sehen, dass das Wohl des Kindes gefährdet ist, rät die Fünffach-Mama.

  4. Die richtige Haltung weitervermitteln

    „Ich bringe meinen Kindern grundsätzlich die Haltung bei: Jeder Mensch ist von Grund auf gut und hat ein würdevolles Miteinander verdient.“ Wer mit dieser Haltung aufwächst, reflektiert laut Pommer mehr und ertappt sich eher dabei, wenn er schlecht über einen anderen Menschen denkt oder einen anderen verletzt.

Buchcover: Stop MomShaming von Katharina Pommer

Stop MomShaming. Miteinander statt gegeneinander
Katharina Pommer
Verlag: Goldegg Verlag