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Offen sein für Neues: In 3 Schritten zu mehr Weisheit

Nicht alles liegt in unserer Macht, viele Dinge passieren einfach, schöne wie schlimme. Aber auch in schlechten Erfahrungen liegt eine Chance: Wir können offener für Neues werden und Weisheit erlangen. Wenn wir drei Schritte beachten …

Laut Wissenschaft haben schwierige Zeiten wie jetzt bei Corona und Lebenskrisen auch etwas Gutes: Sie erhöhen die Chance für uns alle, Weisheit zu erlangen. Aber was haben weise Menschen an sich? Die Kärntner Psychologieprofessorin Judith Glück schreibt ihnen fünf Eigenschaften zu: Einfühlungsvermögen, kritisches Reflektieren, Überwindung von Kontrollillusionen, guter Umgang mit Gefühlen und Offenheit (für Neues). „Weisheit beruht darauf, dass man Dinge reflektiert, die passiert sind“, sagt sie. „Das kann etwas Schlimmes sein, wie eine Erkrankung oder ein Jobverlust, aber auch etwas Schönes wie die Geburt des ersten Kindes.“

Wer offen ist für neue Erfahrungen, kann sich weiterentwickeln und daran wachsen – und damit ein Stück Weisheit erlangen. Was auch hilft: über andere Sichtweisen nachzudenken. „Offenheit kann uns helfen, nicht eingefahren in unseren Schubladen zu denken“, sagt Judith Glück. Und das kann man lernen:

Offen sein für Neues und Weisheit erlangen? So geht’s!

1. (Unangenehme) Gefühle hinterfragen

Wenn wir offen für Gefühle  sind – auch für unsere eigenen – lernen wir unsere Motive kennen. „In der Coronazeit habe ich häufig gehört, dass bei Menschen depressive Emotionen aufgekommen sind. Natürlich kann man versuchen, sie zu übertauchen. Oder man kann sich ein bisschen genauer damit beschäftigen. Denn ein Gefühl ist auf jeden Fall Information“, sagt Judith Glück. Wenn Sie solche Gefühle tendenziell wegschieben, Einsamkeit überwinden und sich denken, ‘Wurscht, ich muss das jetzt ignorieren und meine Arbeit machen‘, dann entwickeln Sie sich nicht so stark weiter. Weisheit beruht darauf, Dinge zu reflektieren, die passiert sind.

Empfehlenswert wäre es, sich auch unangenehmen Gefühlen zu stellen und sie zu hinterfragen. Zum Beispiel können Sie sich selbst fragen: Wie ging es mir während des Lockdowns? Was habe ich gut ausgehalten, was hat mir gefehlt?

2. Die Komfortzone ausfindig machen

Manche Menschen lieben es, Neues auszuprobieren und ferne Orte zu erkunden. Andere hingegen haben eher das Bedürfnis, in einem Muster zu bleiben. Bis zu einem gewissen Grad ist Offenheit als Eigenschaft wohl angeboren, sagt die Wissenschaft. Der Rest ist aber Entscheidungssache: Laut Expertin Glück können wir im Laufe unseres Lebens beeinflussen, wie offen wir sein wollen. Wie? Indem wir unsere Komfortzone ausfindig machen: „Fragen Sie sich, wo für Sie die Zone liegt, die nicht mehr so ganz Ihre Komfortzone ist, wo es aber auch noch nicht zu schwierig wird. Denn es ist zwar in Ordnung, es sich gemütlich zu machen und jedes Jahr dasselbe Hotel in Italien zu buchen. Aber die Möglichkeiten, neue Erkenntnisse zu gewinnen und sich weiterzuentwickeln, sind größer, wenn Sie Neues ausprobieren und andere Erfahrungen machen.“

3. Weisheit erlangen, indem wir Denk-Schubladen aufbrechen

Wir erleben heute in der Gesellschaft eine große Polarisierung: Sehr viele Menschen sehen sich politisch auf einer Seite und diskutieren sehr wenig mit der anderen. Ein weiser Mensch wäre aber jemand, der sagt, mich würde auch einmal interessieren, wie jemand denkt, der Donald Trump gewählt hat. Und der sich überlegt: Wie kommt das? Aus welchen Erfahrungen heraus? Was denken sich diese Menschen? Wenn er sich damit genauer beschäftigt, lernt er dadurch vielleicht nicht Donald Trump schätzen, aber die Menschheit besser zu verstehen. Weil er feststellt, welche Motive Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen haben. „Offenheit kann uns helfen, nicht eingefahren in unseren Schubladen zu denken“, sagt Expertin Glück.

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