Selbstbewusster werden oder geselliger? Ja, die Persönlichkeit lässt sich ein Leben lang verändern!
Tipps einer Psychologin

Eine ganz andere sein: Wieso es dafür 30 Tage braucht

Selbstbewusster werden oder aufgeschlossener: Wir alle wären manchmal gerne ein wenig anders als wir sind. Aber geht das: Können wir unsere Persönlichkeit ändern? Lesen Sie hier die überraschende Antwort darauf – und was die Zahl 30 damit zu tun hat!

Es sind gar nicht so wenige Menschen, die gern ganz anders sein würden: Laut Umfragen haben mehr als 90 Prozent der Befragten den Wunsch nach einer Persönlichkeitsveränderung, weiß Christine Hoffmann. Und das geht tatsächlich, sagt die Wiener Psychologin. Sie gibt uns Tipps, wie wir selbstbewusster werden, mit welchem Make-up wir im Job kompetenter wirken – und welche Persönlichkeitsänderung wirklich jeder von uns vornehmen sollte. (Und diese Ressourcen brauchen Sie grundsätzlich für eine Veränderung.)

Was hält uns davon ab, eine andere zu sein?

Im Film oder einer Serie passiert es oft, dass eine warmherzige, aufopfernde Mutter ihre Familie verliert und plötzlich zur verbissenen Kämpferin wird. Frau Hoffmann, funktioniert das so auch im echten Leben? Dass mit einem schockierenden oder traumatischen Erlebnis eine Persönlichkeitsänderung einhergeht?

Ja, das funktioniert defintiv auch im echten Leben so. Wir Psychologen sprechen aber erst dann von Persönlichkeitsänderung, wenn sich jemand mindestens ein Jahr lang anders verhält. Wenn sich zum Beispiel ein Mann nach einer Trennung von seinem Freundeskreis zurückzieht, ist das meist nur vorübergehend – und noch keine Persönlichkeitsänderung.

Es kann also wirklich jeder seine eigene Persönlichkeit ändern?

Früher meinten Wissenschaftler: Spätestens im frühen Erwachsenenalter sei die Persönlichkeit ausgereift. Heute aber weiß man: Die Persönlichkeit ist wie Knetmasse und wird ständig neu geformt. Tatsache ist: Wir haben das ganze Leben Einfluss auf Änderung. Ich kann Ihnen dazu eine pauschale Formel geben: Ändert sich das Leben, wandelt sich der Mensch. Denn die Hälfte unseres Charakters ist geprägt durch unsere Erfahrungen und ein Leben lang wandelbar. Die andere Hälfte ist genetisch bedingt. Das heißt: Menschen, die mit fröhlichem Charakter geboren werden, haben zwar einen Startvorteil, wenn es darum geht, ein glüchliches Leben zu führen. Sie können aber durch Menschen überholt werden, die aktiv an ihrem Lebensbild arbeiten!

Am Lebensbild arbeiten: Wie geht das? Wie ändern wir unsere Persönlichkeit?

Zum einen verändert das Leben uns; die Erfahrungen die wir selber machen, bei mir war es der Tod meiner Mutter. Das hat meine Persönlichkeit und mich als Mensch verändert – in eine noch positivere, lebensbejahende Richtung, die mir die Menschen die mir am Herzen liegen noch näher gebracht hat. Wir können unsere Persönlichkeit aber auch bewusst abändern: Indem wir gezielt nach Erfahrungen suchen, die uns verändern.

Und wie geht das konkret: Wie werden wir zum Beispiel geselliger?

Wenn Sie geselliger werden wollen, suchen Sie sich häufig Gesellschaft und zwingen Sie sich zum Blickkontakt mit anderen und dazu, diese Menschen auch anzusprechen. Wenn Sie das über einen gewissen Zeitraum aktiv machen, werden neue neuronale Trampelpfade im Gehirn gepflanzt. Denn interessant ist: Mit 50 haben wir keine der angeborenen Gehirnzellen mehr, die sind dann alle durch neue ersetzt worden! Wir können uns also von allem Alten verabschieden, wenn wir gezielt Erfahrungen suchen, die uns prägen. Das kostet natürlich Überwindung und verunsichert. Veränderung funktioniert auch nicht per Knopfdruck. Sie brauchen täglich die Willenskraft und Energie, sich nachhaltig in die gewünschte Richtung zu verändern.

Wie finde ich heraus, was mich ausmacht? Und ob ich wirklich danach handle?

Was uns ausmacht, finden wir über Erfahrungen heraus: Wenn wir uns erlauben herauszufinden, was uns entspricht und was zu unseren Überzeugungen passt. Fragen Sie sich einfach: Was sind Überzeugungen die mich selbst ausmachen, was hab ich mir abgeschaut? Menschen sind vielfältig und kennen und leben dadurch ihr volles Persönlichkeitsprofil, wenn sie sich auch erlauben, unterschiedlich zu sein. Das heißt: Ja sagen zu meinem traurigen Ich, zum fröhlichen Ich, auch zu dem Ich, das gerade lieber alleine sein will und zu dem Ich. das die erste auf der Tanzfläche sein will.

Merken wir es, wenn wir gegen unsere eigentliche Persönlichkeit leben?

Ja! Handeln Menschen gegen ihre innere Überzeugung, spüren sie meist einen inneren Widerstand. Es gibt auch einen Begriff dafür: kognitive Dissonanz. Das heißt: Das Denken stimmt nicht mit dem Handeln überein. Ein Beispiel: Ich selbst bin Veganerin. Wenn ich bei einer Grillfeier Steak essen würde, um mich anzupassen, hätte ich in mir drin ein unangenehmes Gefühl, es würde sich nicht stimmig anfühlen. Für mich als Psychologin ist die viel spannendere Frage aber: Wer will ich sein? Wir sollten uns eher diese Frage stellen und überlegen, wie wir in Zukunft leben wollen. Und dann gleichen wir die Persönlichkeitsänderung daran an.

Unsere Persönlichkeit ändern: Geht das bis zu einem gewissen Grad auch durch optische Anpassungen? Werden wir zum Beispiel selbstbewusster mit dem richtigen Make-up?

Ein positives Selbstbild und die Einschätzung gut zu sein so wie wir sind, haben zu einem gewissen Grad damit zu tun, wie wir von außen wahrgenommen werden: Durch Zuspruch und Anerkennung zum Beispiel wächst das Selbstbewusstsein. Wenn Menschen sich selbstbewusst und mit ihren Stärken zeigen, zum Beispiel ihre schönen Augen noch schöner schminken oder die gute Figur betonen, erhöht das den Zuspruch von außen – und das kann wiederum zu mehr Selbstbewusstsein führen. Aber: Schon der Schritt vorher, ist wichtig.

Welcher Schritt ist das?

Sich einfach vor den Spiegel zu stellen und sich zu fragen: Was finde ich an mir am schönsten – die Augenbrauen, die schön geschwungenen Wimpern, die hohen Wangenknochen? Gerade Frauen fokussieren meist auf zu dicke Oberschenkel oder Augenringe. Lieber sollten wir uns bewusst Stellen suchen, die wir schön finden oder zumindest Stellen, die wir weniger furchtbar finden. Ganz wichtig: Sagen Sie sich das jedes Mal, wenn Sie in den Spiegel schauen. Dann ist das der Beginn der Entwicklung zu mehr Selbstbewusstsein. Übrigens: Eine der wichtigsten Persönlichkeitsveränderung ist es, sich selbst eine gute Freundin zu sein und sich liebevoll zu betrachten. Denn mit uns selbst verbringen wir unser gesamtes Leben.

Wie lange dauert es, bis sich die Veränderung im Gehirn gefestigt hat?

Man geht davon aus, dass es etwa 30 Tage dauert, bis sich das verselbstständig. Also wenn Sie 30 Tage lang vor dem Spiegel immer wieder bewusst die schönen Stellen an Ihrem Körper betrachten, dann machen Sie es an Tag 31 automatisch.

Haben Sie noch einen Tipp, wie wir es schaffen, uns so zu akzeptieren wie wir sind?

Die meisten Menschen glauben, sie sind immer noch so, wie sie einst waren: Etwa, weil dir der Vater in der Kindheit immer gesagt hat, ‚du bist ungeschickt mit dem Ball‘. Dann trauen wir uns auch später als Erwachsener nicht zu, Ballspiele erfolgreich zu spielen. Das nennt man limitierende Überzeugungen. Anderes Beispiel: Ich bin zu dick oder meine Figur erlaubt es nicht, dass ich Röcke trage. Fragen Sie sich einmal selbst: Ist das wirklich wahr? Die Antwort wird häufig sein: Ich glaube eher nicht. Und dann schaffen Sie sich neue Überzeugungen, die es Ihnen leichter machen, ein erfülltes Leben zu leben.

Mag. Christine Hoffmann ist Arbeitspsychologin, Coach und Yogalehrerin. Sie bietet von ihrer Praxis in Wien aus psychologisches Coaching, Impulsvorträge und Seminare an. Eigens entwickelt hat sie Glücksyoga – indem sie Elemente der positiven Psychologie mit Yoga verknüpfte.

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