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Dammriss: Was passiert wirklich und wie vorbeugen?

Kein Grund zur Panik

Dammriss: Was passiert wirklich und wie vorbeugen?

Der Gedanke an einen Dammriss macht vielen Schwangeren Angst. Dabei spüren die meisten nicht einmal wirklich, wenn es doch passiert. Worauf sich Gebärende einstellen können:

Dammriss: Dieses Wort macht vielen Schwangeren Angst, je näher die Geburt rückt. Zumindest, wenn sie Erstgebärende sind. Fakt ist: Geburtsverletzungen jeglicher Art kommen bei etwa der Hälfte aller Geburten vor – und ein guter Teil davon sind Dammrisse. Erstgebärende betrifft ein Dammriss häufiger als Frauen beim zweiten oder dritten Kind. Doch so schlimm das Wort auch klingt: Je mehr frau darüber weiß, desto unbeschwerter können Schwangere in den Kreißsaal gehen, sind Expertinnen wie die freie Hebamme Eva Schranz überzeugt.

Was ist überhaupt dieser Damm, der während des Pressvorgangs in den letzten Minuten so enorm beansprucht wird, wenn Babys Köpfchen und Schultern nach draußen drängen? „Der Damm ist der Bereich zwischen Vagina und After, und scheint eine gewisse natürliche Sollbruchstelle zu sein, wenn nicht genügend Platz für das Köpfchen vorhanden ist“, sagt Schranz. Obwohl flexibel und nachgiebig, kann diese Stelle einreißen, „genau wie ein Haargummi, das sich weit dehnen lässt, aber irgendwann reißt, wenn es zu stark gedehnt wird.“

Dammriss: Was Schwangere darüber wissen müssen

Dammschnitt versus Dammriss: Wo ist der Unterschied?

Bei einem Dammriss kommt es während des Geburtsvorgangs von selbst zu Einrissen. Anders beim Dammschnitt, bei dem für das Köpfchen bewusst mehr Platz geschaffen wird: „Bei einem Dammschnitt setzen Hebamme oder Ärztin bzw. Arzt einen Schnitt schräg vom Scheideneingang in den Damm, um die letzte Phase der Geburt zu verkürzen.“ Allerdings, so die Expertin, sollte man den Schnitt nur mehr in Ausnahmefällen durchführen, etwa wenn das Baby sehr gestresst ist.

Angst vorm Dammriss: Wie schlimm ist er wirklich?

Nach der Geburt wissen Frauen: So schlimm wie gedacht war der Dammriss gar nicht. Normalerweise ist der Riss auch gar nicht spürbar: „Die letzten Wehen, in denen der Damm sehr gedehnt wird, und die Geburt des Köpfchens sind ohnehin so intensiv, dass die Gebärende im Normalfall nicht sagen kann, ob jetzt gerade etwas reißt oder nicht.“ Auch ein Dammschnitt sei nicht schmerzhaft, sofern er richtig durchgeführt wird. Dennoch gilt: „In den Tagen nach der Geburt ist ein Riss oder Schnitt aber spürbar und muss heilen wie jede andere Verletzung auch.“

Grad der Schwere: Wie wird beim Dammriss unterschieden?

Am häufigsten kommt es zu einem Dammriss 1. Grades (Vaginalschleimhaut und Dammhaut eingerissen) oder 2. Grades (zusätzlich Muskulatur betroffen). Ist der Schließmuskel des Afters verletzt, spricht man von Grad 3, bei Grad 4 sind Schließmuskel und Darmschleimhaut verletzt. Verletzungen 3. und 4. Grades kommen aber kaum vor – laut Expertin Schranz sind nicht mehr als zwei Prozent der Gebärenden betroffen.

Muss ein Dammriss genäht werden?

Wenn keine Muskulatur betroffen ist und die Wundränder gut aneinander liegen, müssen Dammrisse nicht unbedingt genäht werden. „Sie werden aber trotzdem oft unter lokaler Betäubung genäht.“ Nach dem Nähen können die Fäden in der ersten Zeit unangenehm sein – vor allem beim Sitzen. Dieses Gefühl gibt sich, sobald sich die Fäden von allein auflösen. „Für alle, die einen größeren Schmerz spüren, gibt es auch stillverträgliche Schmerztabletten“, sagt die Expertin.

Wochenbett: Ausruhen und Narben pflegen

Deshalb sind die Tage nach der Geburt auch so wichtig, rät die Expertin Schwangeren: „Nehmen Sie das Wort „Wochenbett“ wirklich ernst, ruhen Sie sich viel aus und liegen anfangs oft – auch Ihrem Beckenboden zuliebe.“ Anschließend empfiehlt sich ein guter Rückbildungskurs für die geschwächte Muskulatur.

Bei Rissen an den inneren Vulvalippen verspüren Frauen mitunter Schmerzen beim Urinieren. Tipp der Expertin: „Beim Wasserlassen langsam eine Flasche voll Leitungswasser über die Vulva gießen.“ Das geht auch gut mit einer (neuen) Po-Dusche. Das Wasser verdünnt den Urin und lindert das Brennen.

Angst vor dem ersten Stuhlgang nach einem Dammriss ist aus Sicht der Hebamme meist unbegründet – dass die Naht aufgeht oder wehtut, kommt in der Regel nicht vor. „Nur bei einem Dammriss dritten oder vierten Grades bekommt frau in den ersten Tagen routinemäßig Medikamente, die den Stuhl weicher machen, damit der frisch genähte Schließmuskel geschont wird.“

Spüren Frauen die Narbe später beim Geschlechtsverkehr, ist diese nicht immer die tatsächliche Ursache. Auch der Östrogenmangel während des Stillens kann Schuld sein: „Er macht die Vaginalschleimhaut generell empfindlicher, trockener und weniger dehnbar“, sagt Eva Schranz. Bei größerem Leidensdruck legt sie Frauen ans Herz, sich frauenärztlich beraten zu lassen sowie die Narbe gut zu pflegen und zu massieren – und sich gegebenfalls zu Medikamenten wie Hormonsalben beraten zu lassen.

Vorbeugen: Lässt sich ein Dammriss verhindern?

Gänzlich verhindern lässt sich ein Dammriss nicht, aber Schwangere können einiges zur Vorbeugung tun. Folgende Faktoren können entscheidend sein:

  • Regelmäßige Dammmassagen mehrmals pro Woche mit Öl ab circa der 34. Schwangerschaftswoche – wie genau diese funktioniert, lassen sich Schwangere am besten von ihrer Hebamme vor der Geburt erklären.
  • Beckenbodengymnastik während der Schwangerschaft.
  • Warme Kompressen, die die Hebamme in der letzten Geburtsphase auf den Damm legt, können schützen.
  • Auch die Geburtsposition hat einen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit eines Dammrisses: Dammschonende Positionen sollen vor allem die Seitenlage sein oder kniende Positionen wie der Vierfüßlerstand. Die Rückenlage oder die tiefe Hocke hingegen sollten vermieden werden.

Dammriss: Was bringt der Epi-No?

Manche Expertinnen und Experten empfehlen Schwangeren, die Beckenbodenmuskulatur vorzudehnen mit Hilfe eines speziellen Beckenbodentrainers namens Epi-No. Hierbei wird ein kleiner Ballon aus weichem, medizinischem Silikon vaginal eingeführt und vorsichtig aufgepumpt. Wiederholt wird das Ganze in den Wochen vor der Geburt täglich mit jeweils einer kleinen Steigerung des Aufpump-Volumens. Der Ballon kann soweit aufgepumpt werden, dass er die Größe eines Neugeborenen-Köpfchens erreicht – mit dem Ziel, idealerweise die Geburt zu erleichtern und sogar einem Dammriss vorzubeugen.

Hebamme Eva Schranz rät Schwangeren vom Epi-No ab. Aus diesen Gründen hält sie das Hilfsmittel gar für kontraproduktiv:

  • Unabhängige Studien finden keinen Effekt, dass Epi-No einem Dammriss vorbeugt.
  • Es gibt tatsächlich Frauen, die sich damit schon vor der Geburt einen Dammriss zuziehen.
  • Der Beckenboden dehnt sich normalerweise nur einmal so extrem: während der Geburt unter einem ganz besonderen Hormoncocktail. Starkes Vordehnen unter völlig anderen Bedingungen ist unnatürlich und ruft eventuell sogar Mikroverletzungen in Muskulatur und Bindegewebe hervor.
  • Es gibt keine Studien über Langzeitfolgen und somit ist nicht auszuschließen, dass Frauen, die mit dem Epi-No trainiert haben, später häufiger unter Inkontinenz und Organsenkungen leiden. Auch bei der Rückbildung müssen sie konsequenter als andere Mütter sein, um ihren vorgedehnten Beckenboden wieder zu festigen.

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