Die Krawatte – A Gentleman’s Guide

Veröffentlicht am 18. Januar 2019

Als elegantes Männeraccessoire kommt die Krawatte in der Ballsaison wieder verstärkt zum Einsatz. Stilexperte Christof Nothaft verrät Trends und Tipps, mit denen auch bei Krawattenmuffeln der Knoten platzt.

Totgesagte leben länger: Die Krawatte kehrt zurück

„Eine gut gebundene Krawatte ist der erste seriöse Schritt im Leben“, schrieb einst Oscar Wilde, Inbegriff des modebewussten Dandys. Knappe 150 Jahre später stellt sich so manchem modischen Beobachter die Frage, ob dieses geschichtsträchtige Stückchen Stoff überhaupt noch angesagt ist. Zu erfolgreich war lange die Abschaffung der Krawatte, die von der Start-up-Kultur des Silicon Valley ausgehend selbst die Top-Manager großer Unternehmen erfasste. Hemdsärmeliger und vor allem jugendlicher wollte man sich damit zeigen. Dabei sind es heute ausgerechnet die Jungen, die wieder öfter zum Schlips greifen. „Weil es grundsätzlich ein schönes Männeraccessoire ist und ein Stück weit – in entsprechender Qualität – auch ein Statussymbol“, so Christof Nothaft. Und der Geschäftsführer von Haftton Clothing, Salzburgs „True Men’s Department Store“, muss es schließlich wissen. Nicht nur ist er in England, der Heimat des guten Stils, aufgewachsen, er besitzt auch selbst eine große Krawattensammlung. Von den liebevoll kuratierten Einzelstücken findet so manches Exemplar als Ausstellungsstück sogar seinen Weg in den Concept Store im Andräviertel. Dort kümmert sich Christof Nothaft seit mittlerweile fünf Jahren um das modische Erscheinungsbild der männlichen Festspielstadtbewohner und darüber hinaus.

Die neue Lässigkeit des Krawattentragens

Längst gehen bei Nothaft also wieder mehr Krawatten über den Ladentisch. Vor allem Woll- und Strickkrawatten, gerne auch breiter, liegen derzeit im Trend. Wobei Christof Nothaft lieber von Stil als von Modetrends spricht. Denn der ist vom Typ anhängig: Sowohl bei der Farbe als auch bei der Breite kann man selten ein allgemeines Urteil fällen. „Ist man schlank gebaut, ist durchaus eine schmalere Krawatte angezeigt, während bei einer kräftigeren Statur eher ein breiteres Modell passt“, rät Christof Nothaft zu einem typgerechten Styling. Individualität wird vom Salzburger Männerausstatter generell großgeschrieben – auch und gerade, was das Krawatten-Binden betrifft. Dieses Angstthema vieler Männer darf man neuerdings ruhig etwas entspannter angehen. Ordentlich ja, aber perfekt muss das Ergebnis keineswegs sein: „Lieber ein bisschen lässiger und mit einer gewissen Leichtigkeit, nicht mehr ganz so konservativ.“

Mit diesen Krawatten kann Mann nichts falsch machen

Perfektion ist laut dem Stilexperten out, stattdessen laute das Motto „Anything goes“. Doch wie sieht es bei festlichen Anlässen aus, die einen gewissen Dresscode vorgeben? „Hier heißt es: je festlicher, je zurückhaltender, desto besser. Große Streifen, wie zum Beispiel bei einer englischen oder amerikanischen Clubkrawatte, sind in einem festiven Rahmen unpassend.“ Stattdessen empfiehlt Christof Nothaft eine gedeckte Krawattenfarbe, am besten uni oder mit einem ganz reduzierten Muster. Davon dürften es gerne zwei bis vier Modelle im Schrank sein, wobei der Durchschnittsmann mit insgesamt fünf bis zehn Krawatten ausreichend ausgestattet sei. Für Business und Freizeit kommen nämlich noch ein, zwei Clubkrawatten sowie auffälligere Exemplare hinzu. Ein Paisleymuster hilft, ein klassisches Outfit aufzulockern und ist ein Muss für Mutigere.

Die Konkurrenz der Krawatte: vom Einstecktuch bis zur Fliege

Stilsicherheit ist auch bei der Wahl weiterer Accessoires gefragt. Bei der Abstimmung des Einstecktuchs auf die Krawatte sollte – man ahnt es schon – von Perfektionismus abgesehen werden: „Souveräner ist es, einen Stilbruch zu wagen.“ Gerade gedeckte, einfarbige Krawatten laden dazu ein, mit Mustern und Materialien zu experimentieren. Doch das Einstecktuch darf auch gerne einen Soloauftritt wagen, wenn auf eine Krawatte verzichtet wird. Eine weitere Alternative zum Schlips ist die Fliege, die sich wie die Krawatte im Aufwind befindet. Seidenschals, wie sie ab und zu an älteren Herren zu sehen sind, wirken hingegen laut Christof Nothaft eher „altmodisch“. Ganz weit hinten in den Schrank gehören außerdem Krawattennadeln und Tiermuster. Und auch die vorgebundene Krawatte entlockt ihm nur ein müdes Lächeln. Denn mit ein paar Kniffen geht das Krawatten-Binden ganz leicht – mehr dazu im Video!

Unser Tipp

Wer sich von Christof Nothaft gerne persönlich beraten lassen möchte, kann im Haftton Clothing Store vorbeischauen.


18 Januar 2019 | TEXT: Elisabeth Schmiedjell | VIDEO: Bluforce

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