Frau mit dicker Jacke in der Sonne - vermutlich tankt sie Vitamin D fürs Immunsystem
Abwehrreaktion

Vitamin D: 3 Fakten zum Immunsystem-Booster

Warum Vitamin D eigentlich ein Hormon ist, warum es gegen Corona wahrscheinlich nicht hilft, aber unser Immunsystem ohne es quasi den Geist aufgibt: Wir haben die Antworten.

Vitamin D steht aktuell in Zusammenhang mit Corona hoch im Kurs: Laut einer deutschen Studie, las man unlängst, ließe sich durch die Einnahme des Vitamins die Schwere des Krankheitsverlaufs verringern. Ist so nicht ganz richtig: Denn im Zuge der Studie wurde nur der Vitamin-D-Spiegel im Blut der erkrankten Probanden gemessen. Den Erkrankten wurden dagegen keine Vitamin-D-Präparate verabreicht. Damit ergeben die Daten keinen eindeutigen Zusammenhang, der einen positiven Effekt von Vitamin D auf Covid-19 belegt.

Überhaupt ist die Studienlage schlecht, was die generelle Wirksamkeit von Vitamin-D-Präparaten auf das Immunsystem betrifft, sagt Dr. Martin Spinka, Spezialist für Traditionelle Europäische Medizin und Kurarzt im Curhaus Bad Kreuzen. Laut einem dänischen Forscherteam um Carsten Geisler von der Uni Kopenhagen aber ist Vitamin D für die Immunabwehr unverzichtbar. Anders gesagt: Wir brauchen Vitamin D für ein normal funktionierendes Immunsystem. Aber warum eigentlich?

So wirkt Vitamin D aufs Immunsystem

Ist genügend Vitamin D im Körper vorhanden, ist unser Immunsystem leistungsfähiger. Vitamin D wirkt positiv auf die Makrophagen (Fresszellen) und die Gedächtniszellen des Immunsystems, sagt die Salzburger TCM-Ärztin Dr. Ursula Kaufmann. Die Studie aus Dänemark fand heraus: Nur wenn Vitamin D in ausreichender Menge vorhanden ist, werden die sogenannten Killerzellen der Immunabwehr aktiv. Diese erkennen und vernichten von Krankheitserregern befallene Zellen. Ein wichtiger Job in der Immunabwehr – wenn nicht der wichtigste. Des Weiteren hilft das Vitamin unserem Körper beim Einbau von Kalzium in Knochen und Zähnen und versorgt die Muskulatur mit genügend Kalzium.

Das Sonnenvitamin bekommen wir übrigens genau so: über die Sonne. Beziehungsweise unser Körper bildet es in Wirklichkeit selbst – mithilfe von Sonneneinstrahlung. Und das ist übrigens der Grund, warum Vitamin D eigentlich eine Hormon-Vorstufe ist, kein Vitamin. Zwar können wir Vitamin D auch mit der Nahrung aufnehmen, etwa über fetten Fisch oder Eigelb. Allerdings deckt unsere Nahrung nur einen Bruchteil unseres Bedarfs an Vitamin D. Sonne ist also unbedingt notwendig.

Darum raten Ärzte ihren Patientinnen und Patienten mit Vitamin-D-Mangel, oft ins Freie zu gehen und Sonne zu tanken. Vor allem im Winter leiden trotzdem viele von uns an einem Mangel. Rund 80 Prozent der Bevölkerung sind betroffen, schätzt Medizinerin Kaufmann. Weil die Sonne in der kalten Jahreszeit kürzer und schwächer scheint, gelangt zum Beispiel in Österreich etwa von Oktober bis März nicht genügend UV-B-Strahlung zur Erdoberfläche und der Körper kann nicht ausreichend Vitamin D produzieren.

Tabletten oder Tropfen: Ist Vitamin-D-Substitution im Winter notwendig?

Kommt drauf an: „Ein Vitamin-D-Mangel kann mittels Blutabnahme und Analyse im Labor gut, sicher und schnell festgestellt werden“, sagt Dr. Spinka. Wer keinen Mangel hat, braucht auch im Winter keine Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen. Liegt dagegen ein Mangel vor, gehen Mediziner laut Spinka wie folgt vor: „Messen und gegebenenfalls substituieren und die Sache ist wieder im Lot.“ Ob Ihr Vitamin-D-Mangel mit Tabletten oder Tropfen behoben wird, entscheiden die Expertinnen und Experten.

Wichtig: Eine Vitamin-D-Substitution sollten Sie in jedem Fall vorher mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin besprechen und nicht eigenmächtig handeln. Denn eine Überdosierung kann sich wiederum negativ auf die Immunabwehr auswirken.

Welche Folgen hat eine Überdosierung?

Eine Überdosierung von Vitamin D kann das Immunsystem schwächen (Stress übrigens auch) – genau das, was man nicht will. Auch deshalb noch einmal der dringende Appell, nicht einfach eigenmächtig Vitamin D-Tropfen oder -Tabetten einzunehmen, ohne dies mit Arzt oder Ärztin abgesprochen zu haben.

Auch Nierenschäden und andere schwere Leiden können laut Robert Koch Institut bei einer Vergiftung mit Vitamin D auftreten. „Da Vitamin D im Körper gespeichert werden kann, ist neben einer akuten auch eine schleichende Überdosierung möglich“, schreibt das Institut.

Hinzu kommt: Wie viel Vitamin D jeder von uns braucht, kann sich individuell stark unterscheiden. Denn ein jeder von uns produziert unterschiedlich viel davon. Wie viel Vitamin D Ihr Körper herstellt, hängt von einigen Faktoren ab – Wohnort, Alter und Lebensgewohnheiten sind nur drei davon.

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