Auch junge Frauen leiden unter Symptomen der Wechseljahre, was sich aber durch Medikamente beheben lässt.
Die Macht der Hormone

Mit 20 im Wechsel? Wie Medikamente dann helfen

Depressionen, Burnout, Schlafstörungen: Mit 20 schon in den Wechseljahren? Tatsächlich leiden heute bereits junge Frauen an typischen Beschwerden der Wechseljahre – aber auch immer mehr Männer. Der Gynäkologe Armando Farmini erklärt, was genau die Hormone belastet und warum Medikamente dann helfen können.

Die Hormone können einem übel mitspielen. Ist das hormonelle Gleichgewicht aus dem Lot, bringt das manche in Schwitzen. Andere lassen Haare oder pfagen sich mit unreiner Haut. Aber auch schlaflose Nächte, depressive Verstimmungen und Erschöpfungserscheinungen sind symptomatisch. Heute sind zunehmend mehr junge Frauen und auch Männer betroffen von  typischen Symptomen der Wechseljahre – doch Medikamente könnten helfen. Gynäkologe Armando Farmini nennt die vier Gründe, warum auch junge Menschen unter Wechseljahrsbeschwerden leiden. Und sagt, wie sich der Hormonstatus wieder beruhigen lässt.

Welche Symptome deuten eigentlich auf ein hormonelles Ungleichgewicht hin – bei Frauen, aber auch bei Männern?

Viele Dinge, die sich im Gehirn abspielen, wie Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Anspannung oder innere Unruhe. Aber genauso Herz-Rhythmus-Störungen, Allergien, Asthma oder Atembeschwerden. Als Folge eines Hormonmangels kann es zu unreiner, entzündeter oder stark behaarter Haut kommen genauso wie zu Haarausfall. Viele Menschen leiden an Libidomangel oder Erektionsstörungen, Schlafstörungen, Antriebslosigkeit, Depressionen oder Schilddrüsenunterfunktion. Eine weit verbreitete Krankheit ist auch Burnout. Das zu behandeln oder dem vorzubeugen wäre nicht schwierig, wenn man die richtigen Hormone in der richtigen Dosis und im richtigen Verhältnis einsetzen würde. Mir tut es leid, dass viele Menschen bei Beschwerden der Wechseljahre langfristig mit verschiedenen Medikamenten behandelt werden. Obwohl es sich oft um ein hormonelles Problem handelt, das relativ einfach zu lösen wäre.

Bei Depressionen oder Burnout ist der erste Weg von Betroffenen aber nicht unbedingt der zum Gynäkologen. Und auch für einen Mann ist der Gang zum Frauenarzt eher untypisch.

Da haben Sie recht. Aber mein Schwerpunkt liegt in der ganzheitlichen Medizin und betrifft somit auch Männer. Seit sieben Jahren beschäftige ich mich intensiv mit bioidenter Hormontherapie, nachdem ich selbst von Burnout betroffen war. Ich fasse für jede Erkrankung Studien zusammen, die belegen, welche Hormondefizite bei der Erkrankung vorliegen und welche Hormone in der Therapie einsetzbar sind. Aber natürlich gibt es auch Kritiker, die sagen: Der glaubt, mit Hormonen kann man alles heilen.

Und, wie ist es: Lässt sich mit Hormonen alles heilen?

Die Macht der Hormone wird unterschätzt. Sie beeinflussen jedes Organ. Nehmen wir als Beispiel die Leber. Sie kann anatomisch perfekt sein und trotzdem nicht optimal funktionieren. Da muss man sich dann anschauen, was die Hormone in unserem Körper machen. Allerdings ist für Gesundheit und Wohlbefinden das Gleichgewicht des gesamten Hormonsystems wichtiger, als die einzelnen absoluten Werte. Das lässt sich anhand von gesunden Menschen gut überprüfen.

Wir haben viel über die Symptome gesprochen. Warum kämpfen auch immer mehr junge Frauen mit Hormonproblemen?

Grundsätzlich ist der Hormonwechsel die natürliche Abnahme der Hormonproduktion, die mit etwa 30 Jahren beginnt. Zum Teil setzt das auch schon früher ein, weil die Belastungen des Hormonsystems steigen! Und das betrifft eben auch Männer, denn die kämpfen mittlerweile mit annähernd denselben Beschwerden wie Frauen, nur sie sprechen selten darüber.

Was sind also konkret die Ursachen für einen durcheinander geratenen Hormonstatus?

Es gibt vier Faktoren, die negativ auf die Hormonwerte wirken: Erstens hormonelle Verhütungsmittel. Es zeigt sich: Auch Jahre nach dem Absetzen der Antibaby-Pille bleiben die Hormonwerte sehr niedrig. Zudem enthalten einige Pillen Bestandteile, die Entzündungsreaktionen im Körper erzeugen. Was noch hinzukommt: Die Pille landet im Wasser und wir trinken somit alle die Pille, wenn wir Leitungswasser trinken. Zweites Problem: Handy-Strahlungen, denn Studien zeigen: Die Handystrahlen reduziert die Hormonproduktion in den Eierstöcken, in den Hoden und auch in der Schilddrüse! Bei jungen Männern, die ihr Handy in der Hosentasche tragen, merkt man das ganz deutlich: Die Werte der Nebenniere sind in der Regel optimal, die der Hodenhormone hingegen meist katastrophal. Der dritte negative Faktor sind endokrine Disruptoren. Das sind Substanzen, die zum Beispiel in Shampoos oder Putzmitteln enthalten sind. Sie können eine verminderte Hormonproduktion verursachen. Der vierte und zugleich der größte Hormonkiller aber ist Stress.

Sie setzen auf die „bioidente Hormontherapie“. Wie lassen sich durch Medikamente hormonelle Probleme wie jene der Wechseljahre behandeln?

Zuerst wird der Hormonstatus, der hormonelle Ist-Zustand, ermittelt. Ich mache bei allen Patienten eine Messung sowohl im Blut als auch im Speichel. Denn Blutwerte alleine sind für eine gute Therapie unzureichend. Der Speicheltest ist in bestimmten Punkten aussagekräftiger. Hormone, die fehlen beziehungsweise von denen der Körper zu wenig produziert, lassen sich ersetzen. Es gibt viele bioidente Hormone, die von der chemischen Struktur gleich sind, wie die körpereigenen. Wobei es bei der Dosierung ganz wichtig ist, wie vorhin schon erwähnt, auf das Gleichgewicht der Hormone zu achten.

Erfolgt die Hormontherapie in Form von Pillen?

Die meisten Hormone werden über Cremen verabreicht. Mikronisierte Hormone sind kleiner als die Poren und werden dadurch von der Haut gut aufgenommen. Sie gelangen direkt ins Blut und wenig später in die Organe. Werden Hormone geschluckt, kommen sie zuerst in die Leber und ein großer Teil geht verloren. Aber natürlich gibt es auch Organe wie die Schilddrüse, die sich nicht mit Cremen behandeln lassen. Hier muss mit Kapseln therapiert werden.

Armando Farmini arbeitet als Gynäkologe in Salzburg. Neben Brustkrebs-Vorsorgeuntersuchungen und Schwangerschaftsbegleitung gehört die „bioidente Hormontherapie“ zu seinen Kerngebieten. Entwickelt und bekannt gemacht wurde sie vom US-Mediziner Jonathan Wright.

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