Mormonengrillen fressen nur, was ihr Körper tatsächlich braucht: Proteine.
Was Proteine so besonders macht

Wie viel Eiweiß braucht unser Körper?

Eine fett- und eiweißreiche Ernährung mit wenig Kohlenhydraten steht vor allem bei Anhängern von Low-Carb- oder Paleo-Diäten am Speiseplan. Doch wie viel Eiweiß braucht der Körper und was hat es mit dem Eiweiß-Effekt auf sich?

Energielieferant Protein: Ein Sonderfall?

Spricht man über die drei Hauptenergielieferanten Kohlenhydrate (Saccharide), Fette (Lipide) und Eiweiße (Proteine), nehmen Proteine tatsächlich eine Sonderstellung ein. Was Proteine so besonders macht? Anders als ihre „Geschwister“ sind sie nicht nur für die Energiezufuhr, sondern vor allem für den Aufbau des Körpers zuständig. Von den Muskeln bis hin zum Immunsystem: Als eine Art Baustoff für den Körper sind Proteine Teil des menschlichen Gerüsts. Wird dem Körper kein Eiweiß zugeführt, fehlt ihm die bauliche Grundlage. Ist diese Struktur jedoch errichtet und der Eiweißbedarf damit gedeckt, spricht man vom sogenannten „Eiweiß-Effekt“. Er bezeichnet das Phänomen, dass der Hunger gestillt ist, sobald genügend Eiweiß aufgenommen wurde. Die Folge ist ein Ernährungsverhalten, das Kohlenhydrate und Fette vernachlässigt. Beobachtet wurde dieser „Effekt“ in weiten Teilen des Tierreichs. Folgt man jedoch Bas Kasts Ernährungskompass ist das auch beim Menschen so. „Erst wenn unser Eiweißhunger gestillt ist, hören wir auf zu essen.“ Ist unsere Nahrung also zu proteinarm, essen wir instinktiv mehr. Kurz: Wir überessen uns und nehmen zu. Wie viel Eiweiß der Körper braucht, wäre damit also geklärt.

Steak versus Kartoffeln: Der „Eiweiß-Effekt“

Zum ersten Mal eingehend beobachtet und erforscht wurde der „Eiweiß-Effekt“ bei einer nordamerikanischen Heuschreckenart namens Mormonengrille. Sie zieht alle Jahre im Frühling in Millionenscharen durch den Westen der USA, jedoch ohne dabei kahlgefressene Landschaften zu hinterlassen. Ob Pusteblumen oder die Blätter von Hülsenfrüchten: Mormonengrillen fressen nur, was ihr Körper tatsächlich braucht, und zwar Eiweiß. Belegt wurde die Beobachtung durch ein Experiment der australischen Insektenforscher Stephen Simpson und David Raubenheimer. Auf der Suche nach Futter, das den Eiweißbedarf deckt, haben sich die Mormonengrillen bei einer Auswahl von vier Schälchen ausgerechnet auf jenes mit unverdünntem Eiweiß gestürzt, während die anderen drei nahezu unangerührt blieben.

Wie viel braucht der Körper? Eiweiß für Wachstum & Alterung

Dass Eiweiß bei vielen lebenswichtigen Prozessen im Körper eine entscheidende Rolle spielt, nutzen vor allem Anhänger von Low-Carb-Diäten als Argument für eine proteinreiche Ernährung. Allerdings haben zumindest tierische Proteine nicht uneingeschränkt positive Effekte. Als Baustoff für den Körper beschleunigen Proteine das Zellwachstum – doch was in der Kindheit noch überaus wichtig ist, kann im Erwachsenenalter problematisch werden. Ein Überschuss an Proteinen kann sich ansammeln, verklumpen und Zellen sogar zerstören. Das Wachstum schlägt dann in Zellalterung um. Zudem beschleunigen Proteine nicht nur das Muskelwachstum, sondern auch das Wachstum von krankhaften Zellen. Erst ab einem Alter von 65 verschwindet der schädliche Effekt, den eine proteinreiche Ernährung haben kann, wieder.

Ein Hoch auf pflanzliche Proteine

Das Interessante dabei ist, dass alle schädlichen „Nebenwirkungen“, die tierische Proteine vor allem in der mittleren Lebensphase haben können, nicht für pflanzliche Proteine gelten. Warum das so ist, konnte die Wissenschaft bis heute nicht restlos klären. Fest steht: Pflanzliche Proteine funktionieren genauso für den Muskelaufbau und Körperbau (man bedenke, dass Riesentiere wie Elefanten, Nilpferde und Gorillas Pflanzenfresser sind), senken im Gegensatz zu den meisten tierischen Proteinen aber den Blutdruck, verringern das Diabetesrisiko und vieles mehr.

Pflanzliche eiweißhaltige Lebensmittel, u.a.:

Bohnen, Linsen, Kichererbsen, Weizenkeime, Haferflocken, Bulgur, Quinoa, Samen, Sonnenblumen- und Kürbiskerne, Nüsse, Brokkoli, Spinat, Spargel.

Tierische Proteine, aber in Maßen

Im Gegensatz dazu belegen die meisten aktuellen Studien, dass häufiger und hoher Fleischkonsum sehr ungesund ist, vor allem der Konsum von rotem Fleisch wie Rind und Schwein sowie industriell verarbeiteten Fleischprodukten. Die Kast’sche These dafür argumentiert jedoch nicht nur mit der unterschiedlichen Beschaffenheit von tierischen und pflanzlichen Proteinen selbst, sondern vor allem mit den „Gesamtpaketen“, in denen Fleisch- und Pflanzenproteine daherkommen. So bringen Fleischproteine meist gesättigte Fettsäuren, Salz und Eisen mit, während Pflanzenproteine in Kombination mit Ballast- und anderen wertvollen Stoffen, meist mit entzündungshemmender Wirkung, vorkommen. Lediglich bei zwei tierischen Proteinquellen stimmen laut Kast die mitunter sogar verjüngenden, schlankmachenden „Gesamtpakete“, da sie Entzündungsprozesse drosseln: bei Joghurt (Milchsäurebakterien) und Fisch (Omega-3-Fettsäuren).

Bas Kasts 5 Regeln für eine gesunde Ernährung:

  1. Essen Sie echtes (nicht verarbeitetes) Essen.
  2. Machen Sie Pflanzen zu Ihrer Hauptspeise.
  3. Lieber Fisch als Fleisch.
  4. Joghurt: ja. Käse: auch okay. Milch: nach Möglichkeit vermeiden.
  5. Zucker minimieren, industrielle Transfette meiden.

Alle 12 Ernährungsregeln von Bas Kast und viele spannende Zusatzinfos zum Thema finden Sie im bestverkauften Sachbuch 2018.

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