Igel retten: So helfen wir den bedrohten Stachelträgern
Inhaltsverzeichnis
- Alles Wissenswerte rund um Igel im Garten
- Darf man Igel füttern?
- Was tun, wenn man einen Igel gesichtet hat?
- Wieso darf man Igel nicht anfassen?
- Wie verhält sich ein kranker Igel?
- Braucht ein Igel im Spätherbst oder Winter Hilfe?
- Was tun mit Igel-Babys?
- Wo kann man Igel abgeben?
- Tina Perina, Igelretterin aus Leidenschaft
In Österreich sind sowohl der Braunbrust- als auch der Weißbrustigel gesetzlich geschützt. Trotzdem gehen ihre Bestände zurück. Sie sind daher hierzulande auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten als gefährdet eingestuft. Wer dagegen etwas tun möchte, kann seinen Garten so igelfreundlich wie möglich gestalten.
Alles Wissenswerte rund um Igel im Garten
Ein Igel im Garten ist ein gutes Zeichen – denn das stachelige Säugetier ist sehr nützlich. Er frisst ungebetene Gäste wie Schnecken, gräbt kleine Löcher und belüftet so den Boden. Seine Anwesenheit fördert daher ein gesundes Ökosystem im Garten.
Wie sieht ein igelfreundlicher Garten aus?
- Haufen aus Laub und Reisig sowie ungemähte Bereiche bieten perfekte Verstecke für die abend- und nachtaktiven Tiere.
- Mähroboter sind für Igel und andere Tiere lebensgefährlich. Wer darauf nicht verzichten mag, sollte nur tagsüber den Mähroboter aktivieren und vorher den Garten abgehen, um eventuell gefährdete Tiere rechtzeitig zu entdecken.
- Wichtig sind auch Löcher im Zaun, durch die die Igel auf ihren Wanderungen durchschlüpfen können. Ein zehn mal zehn Zentimeter großes Loch reicht dafür bereits aus.
- Heimische Pflanzen locken Nahrungstiere des Igels in den Garten.
- Pestizide und insbesondere Schneckenkorn sind in einem igelfreundlichen Garten tabu. Stattdessen bietet sich die biologische Schädlingsbekämpfung an.
- Besonders in den warmen Monaten ist eine flache Schale mit täglich frischem Wasser eine bei Igeln gern gesehene Trinkstelle.
- Der Kompost sollte von Oktober bis März nicht umgeschichtet werden, Laub sollte nicht weggeräumt werden (oder auf einen großen Haufen in einer Ecke aufgeschichtet werden). Die Verstecke bieten den Igeln geschützte Verstecke für den Winterschlaf.
- Kellerfenster und Lüftungsschächte sind gefährliche Fallen für Igel, aus denen sie nicht mehr herauskommen. Daher sollten sie vergittert sein.
- Wer einen Gartenteich hat, sollte mit einem Brett am Uferbereich einen sicheren Ein- und Ausstieg schaffen.
Darf man Igel füttern?
Wie alle Wildtiere sollten Igel generell nicht gefüttert werden. In einem guten Lebensraum – wie etwa einem naturnahen Garten – finden sie ausreichend Nahrung. Zudem entspricht kein Futter der natürlichen Nahrung des Igels. Wird er dauerhaft gefüttert, kann sich sein Darmmikrobiom verändern, was Krankheiten zur Folge haben kann. Zudem verändern Igel durch regelmäßiges Füttern ihr natürliches Verhalten. Sprechen sich Futterstellen herum, kann es sein, dass Igel aufeinandertreffen, die sich sonst eher aus dem Weg gehen würden. Das bedeutet für die Tiere Stress und Konkurrenzdruck. Auch Krankheiten unter den Tieren werden so schneller verbreitet.
Igel sollten daher nur in Ausnahmefällen gefüttert werden, zum Beispiel im zeitigen Frühjahr (vor Ende März) oder im Spätherbst (ab Mitte Oktober), wenn die Natur nur wenig Nahrung bietet. Fallen die Außentemperaturen unter vier Grad Celsius, sollte das Füttern allerdings eingestellt werden. Denn die Tiere sollten dann einen Anreiz bekommen, sich in den Winterschlaf begeben.
Von der Mutter verlassene Igelsäuglinge sollten nicht eigenständig gefüttert werden. Sie brauchen eine Spezialnahrung und besondere Pflege, die nur bei Igelauffangstationen gewährleistet werden kann.
Tipps für eine Igelfutterstelle
- Die Futterstelle sollte immer sauber gehalten werden. Reste sollten täglich entfernt werden, zudem muss die Schüssel täglich abgespült werden.
- Ein kleines Futterhaus mit einem Eingang von maximal zehn mal zehn Zentimetern. So ist das Futter für größere Tiere nicht zugänglich.
- Wird das Häuschen als Schlafplatz oder Überwinterungsunterschlupf genutzt, sollte darin kein Futter angeboten werden.
Was fressen Igel?
Pflanzliche Kost wie Getreide, Nüsse, Obst etc. sind für Igel ungeeignet. Als reine Fleischfresser haben Igel einen relativ kurzen Darm, daher sind sie auf proteinreiche Nahrung angewiesen. In der Natur sind Schnecken und Insekten wahre Leckerbissen für die kleinen Raubtiere. Wer „seine“ Igel im Garten besonders verwöhnen möchte, kauft deshalb im Spezialfachgeschäft Insekten wie Mehlwürmer, Heuschrecken oder Soldatenfliegenlarven.
Auch hochwertiges Katzenfutter ist als Mahlzeit für ausgewachsene Igel geeignet. Es zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus: getreide- und zuckerfrei, hoher Fleischanteil von mindestens 60 Prozent, Proteingehalt von mindestens 10 Prozent, Fettgehalt von mindestens fünf Prozent, keine Soße oder Gelee, keine pflanzlichen Zusätze.
Was tun, wenn man einen Igel gesichtet hat?
Gesunde Igel kommen bestens allein zurecht und brauchen keine menschliche Unterstützung. Hat der Igel eine rundliche, kräftige Gestalt und ist nachts aktiv, braucht er keine Hilfe. Trifft man einen Igel bei Tageslicht an, sollte man einen genaueren Blick auf ihn werfen. Hat man das Tier bloß unbeabsichtigt in seinem Versteck aufgescheucht, sucht es sich ein neues, sicheres Platzerl, ist aber nicht hilfsbedürftig. Läuft das Tier Gefahr, zertreten oder überfahren zu werden, sollte man es an einen sicheren Ort bringen. Aber bitte nicht mit bloßen Händen angreifen, sondern nur mit Einweghandschuhen und darüber stachelsicheren Arbeitshandschuhen!
Wieso darf man Igel nicht anfassen?
Igel können Träger von Krankheitserregern sein, die direkt auf den Menschen übertragbar sind. Auch eine indirekte Übertragungsweise, etwa über Zecken, ist möglich. In Österreich gibt es noch keine Nachweise, doch in Süddeutschland wurde das sogenannte „Bornavirus“ bei Igeln festgestellt. Noch gibt es keine Hinweise darauf, dass der Erreger Borna Disease Virus 1 (BoDV-1) auf den Menschen übertragen werden können. Vorsicht ist aber besser als Nachsicht.
Wie verhält sich ein kranker Igel?
Ein kranker Igel ist tagsüber sichtbar, apathisch, mager und hat eingefallene Augen. Manche geben auch röchelnde Atemgeräusche von sich oder sondern Schleim ab. Ein mäßiger Befall mit Flöhen und Zecken ist bei Wildtieren normal. Mehr als 30 Zecken sind jedoch ein Warnhinweis, dass es dem Igel nicht gut geht. Die Parasiten sollten nicht in Eigenregie behandelt werden. Viele Medikamente, die für Haustiere zugelassen sind, sind für Igel giftig. Schon geringe Mengen können tödlich wirken. Deshalb dürfen nur geschulte Fachpersonen betroffene Igel medizinisch behandeln. Wer einen kranken oder verletzen Igel findet, benötigt also fachkundige Unterstützung. Diese findet man bei speziellen Igel- bzw. Wildtierstationen oder in einer tierärztlichen Ordination.
Eine detaillierte Übersicht, wie man einen kranken von einem gesunden Igel unterscheidet, findet man auf der Website des BUND Naturschutz in Bayern e.V.
Braucht ein Igel im Spätherbst oder Winter Hilfe?
Im Herbst sind Igel auf intensiver Nahrungssuche, um sich einen Winterspeck anzufressen. Ab Mitte November bzw. wenn die Temperaturen dauerhaft unter fünf Grad Celsius fallen, beziehen sie meistens ihr Winterquartier. Ist die Witterung sehr mild, kann es schon mal vorkommen, dass die Tiere während ihres Winterschlafs hin und wieder aufwachen. Üblicherweise bleiben sie aber in ihrem Versteck. Gesunde, gut genährte Igel brauchen keine Hilfe und sollten keinesfalls im Haus überwintert werden.
Manchmal kann es jedoch sein, dass ein Igel Unterstützung in Form von Futter braucht, um das nötige Gewicht zu erreichen, das ihn über den Winter bringt. Bei Jungigeln liegt die Gewichtsgrenze bei mindestens 500 Gramm, bei ausgewachsenen Tieren bei mindestens 800 Gramm.
Auch Igel, die nach Wintereinbruch noch aktiv sind und bei Dauerfrost oder Schnee tagsüber unterwegs sind, sollten genau beobachtet werden. Es ist zudem ratsam, eine spezielle Igel- bzw. Wildtierstation oder eine tierärztliche Praxis hinzuzuziehen.
Was tun mit Igel-Babys?
Igel-Säuglinge sind noch auf Muttermilch angewiesen und generell sehr hilflos. Ihre Augen und Ohren sind noch geschlossen. Sechs Wochen lang werden die Kleinen gesäugt, danach verlässt die Mutter den Wurf. Oft bleiben die Geschwister danach noch eine Weile zusammen, bevor jedes Tier seine eigenen Wege geht. Jungigel sind schon selbständig, aber noch nicht ausgewachsen. Gesunde Jungigel brauchen grundsätzlich keine menschliche Unterstützung. Anders verhält es sich bei Igel-Säuglingen.
Werden Igel-Säuglinge außerhalb des Nests gefunden, brauchen sie sofort Hilfe. Am besten deckt man sie vorsichtig mit einem angewärmten Handtuch zu oder setzt sie auf eine handwarme Wärmeflasche. Danach sollte man unverzüglich eine Igel- bzw. Wildtierstation kontaktieren, die die weitere Betreuung übernimmt.
Entdeckt man zufällig Igel-Säuglinge im Nest, darf dieses nicht an eine andere Stelle gesetzt werden. Hier gilt: abwarten, ob die Mutter innerhalb von zwei Stunden zurückkehrt. Tut sie das nicht, ist auch hier fachliche Expertise angesagt.
Wo kann man Igel abgeben?
Wer einen verletzten, schwachen oder kranken Igel in seine Obhut nimmt, ist verpflichtet, so rasch wie möglich mit einer qualifizierten Igel- oder Wildtierfachstelle Kontakt aufzunehmen. Diese trifft dann die Entscheidung, ob tierärztliche Hilfe erforderlich ist oder ob der Igel in die Freiheit entlassen werden kann.
Der Österreichische Tierschutzverein und regionale Wildtier- bzw. Igelstationen übernehmen kostenlos die Beratung und die fachgerechte Betreuung der Tiere. Der gemeinnützige Verein Igelfreunde für ganz Österreich e.V. vermittelt gerne an eine Igelstation in der Nähe.
Tina Perina, Igelretterin aus Leidenschaft
Hinter dem Haus von Tina Perina im niederösterreichischen Traisen erstreckt sich ein großer, biodiverser Garten. Seit sechs Jahren dient er als Auffangstation für verletzte, unterernährte oder verwaiste Igel. „Ich las, dass Auswilderungsplätze für Igel gesucht werden, und mein großer Garten eignet sich perfekt“, erzählt sie. Kurz, nachdem sie sich gemeldet hatte, kam auch schon die Frage, ob sie bedürftige Igel aufpäppeln würde. „Ich bekam einen Crashkurs, besorgte alles, was ich dafür brauchte, lernte, lernte, lernte und dachte: Was habe ich mir da angetan?“, erinnert sich Perina lachend.
Heute organisiert sie sich mit Gleichgesinnten über die Facebook-Gruppe „Igelfreunde für ganz Österreich e.V.“. „Ziel ist es, den gesunden Igel wieder dorthin zu bringen, wo er herkam, oder einen neuen Platz in einer Siedlung zu finden. Mittlerweile habe ich schon ein Netzwerk aus passenden Gärten“, erzählt die Igelretterin. Besonders wichtig ist ihr auch die Aufklärungsarbeit, wie man Igel unterstützen kann.
Derzeit wohnen zehn Igel vorübergehend bei den Perinas. Im Haus der Familie stehen kleine Quartiere mit Nestern und Futter bereit. Alle Tiere haben Namen, werden täglich gewogen und genau beobachtet. Tierarztbesuche, Medikamente und Futter für ihre Schützlinge zahlt Perina stets selbst. Ganz allein stemmt Perina diese Aufgabe jedoch nicht. Ihr Mann Martin und die Kinder helfen mit. Besonders, wenn Igelbabys alle drei Stunden gefüttert werden müssen – auch nachts.
Manchmal kommen die Findlinge daher mit in den Kindergarten, wo Perina arbeitet. Lange Reisen sind durch ihr Engagement komplizierter geworden. Doch wer durch den großen Garten voller wilder Pflanzen, Insekten und kleiner Igelhäuschen geht, versteht: Familie Perina hat sich ihr eigenes Naturparadies längst nach Hause geholt.
Machen Sie mit – und anderen Lust an Zukunft
Sie engagieren sich auch für eine lebenswerte Zukunft für Mensch, Tier und Umwelt? Dann können Sie auf der Mitmach-Plattform dm-lustanzukunft.at von Ihrem Einsatz erzählen – und damit andere inspirieren, ebenfalls aktiv zu werden. Auch Vereine, Initiativen und gemeinnützige Organisationen können auf der Plattform ihre Projekte vorstellen und sie so bekannter machen. Besonders innovative und wirksame werden im Oktober 2026 prämiert und von dm drogerie markt finanziell unterstützt.