Diese 9 Reisetrends machen Lust, die Welt anders zu entdecken
Auf zu neuen Urlaubsabenteuern! Wie wäre es, statt mit dem Auto einmal mit dem Zug zu fahren? Oder an die Orte der Lieblingsserie zu reisen? Oder das Land zu erkunden, aus dem die Lieblingsspeise stammt? Wir zeigen die aktuellen Reisetrends und liefern konkrete Vorschläge für passende Destinationen.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Lesereisen: Bestseller an ihren Schauplätzen schmökern
- 2. Urlaub mit Frischekick: Fjorde, Almen, Wälder
- 3. Astro-Reisen: Unterwegs zwischen Himmel und Erde
- 4. Die allerschönsten Wochen des Jahres: Beauty wird mitgebucht
- 5. Zugfahren: Die Kunst des langsamen Vorwärtskommens
- 7. Hotel als Erlebnis: Schlafen in anderen Sphären
- 8. Kulinarik-Touren: Genuss, der die Welt erklärt
- 9. Auszeit um die Ecke: Erholung ohne Abreise
1. Lesereisen: Bestseller an ihren Schauplätzen schmökern
Angetrieben von modernen Buchclubs und Social-Media-Communitys wie „BookTok“ entsteht gerade ein Trend, der Bücher und Orte miteinander verknüpft: „Readaway“ (von „read“ für lesen und „away“ für weg). Die Idee dahinter: Man liest nicht irgendwo, sondern an Orten die zur Handlung des Buches passen, weil die Umgebung die Atmosphäre des Erzählten verstärkt. Großer Beliebtheit erfreut sich derzeit das Genre „Romantasy“, also Storys, die in die Welt von Drachen, Werwölfen und anderen Fabelwesen entführen. Laut einer Erhebung von booking.com können sich 71 Prozent der Befragten vorstellen, wegen solcher Bücher in alten Burgen oder märchenhaften Wäldern Urlaub zu machen. Wie wäre es also mit der Lektüre im verwunschenen Schlossgarten? Reiseanbieter, Hotels und Buch-Communitys erstellen inzwischen ganze Leselisten für bestimmte Destinationen. Den Lucy-Foley-Bestseller „Abendrot“ etwa liest man beispielsweise dort, wo er spielt: mitten in Paris. Mit Blick auf die alten Fassaden und mit Métro-Geräuschen im Ohr wird die Stadt nicht zur Kulisse, sondern zum Teil der Geschichte.
2. Urlaub mit Frischekick: Fjorde, Almen, Wälder
„Coolcations“ (Kofferwort aus „cool“ = kalt und „vacation“ = Urlaub) sind gezielte Reisen in kühlere Regionen. Der Reisetrend ist als Reaktion auf die Klimaerwärmung und die immer heißer werdenden Sommer entstanden – und, wenn man so will, auch ein Revival der guten, alten Sommerfrische. Statt Brutzeln am Strand und Sightseeing-Touren im aufgeheizten Süden geht es an Orte, an denen der Körper nicht sofort bei der kleinsten Bewegung ins Schwitzen gerät und auch ausgedehnte sportliche Aktivitäten wie z. B. Radtouren oder lange Wanderungen möglich sind. Das hält den Kopf frisch und lässt einen Landschaften intensiver wahrnehmen. Beliebte Destinationen diesbezüglich sind die Rhodopen in Bulgarien oder der tschechische Böhmerwald. Auch Slowenien wird als Geheimtipp gehandelt. In den Julischen Alpen und den Karawanken verbinden sich alpine Höhenlagen mit viel Wald und Wasser, was für ein ausgeglichenes Sommerklima sorgt.
3. Astro-Reisen: Unterwegs zwischen Himmel und Erde
„Astrotravel“ gleich Sternderl schauen? Nicht nur! Zum einen geht es an Orte, an denen der Nachthimmel selbst zur Attraktion wird. Die ungarischen „Dark Sky Parks“ in Bükk, Zselic und Hortobágy etwa zählen zu den dunkelsten Himmelsregionen Europas. Zum Trend gehören aber auch Reisen, die auf dem eigenen Horoskop basieren. Dabei werden anhand der Positionen von Sonne, Mond und Planeten zum Zeitpunkt der Geburt „energetisch“ günstige Ziele ermittelt. Ebenfalls gefragt sind Trips zu den sogenannten Erd-Chakren. Das sind Orte, die – angelehnt an die sieben Chakren des Körpers – als Plätze mit besonderer Energie gelten. Beispiele hierfür sind der Vulkan Mount Shasta in Kalifornien und die Pyramiden von Gizeh. Was all diese Reisearten verbindet, ist die Sehnsucht nach stillen Landschaften mit fast mystischer Ausstrahlung – ein Trend, der aktuell unter dem Begriff „Mystic Outlands“ auf Plattformen wie Pinterest zu finden ist.
4. Die allerschönsten Wochen des Jahres: Beauty wird mitgebucht
Andere Länder, andere Pflegegeheimnisse. Als internationales Vorbild für sogenannte „Glowcations“ („Glow“ steht für Strahlen und „Location“ für Ort) gilt Südkorea. „K-Beauty“ ist mehr als nur ein Trendwort: Die Labore arbeiten dort extrem schnell und testen neue Wirkstoffe oft mutiger als europäische Marken. Das heißt: Man findet Produkte oder Behandlungen, die bei uns noch nicht erhältlich sind oder erst viel später auftauchen. Doch auch in Europa wächst das Angebot rund um Schönheitsreisen. Der Fokus liegt dabei auf pflanzenbasierten Wirkstoffen aus alpinen und mitteleuropäischen Regionen, zum Beispiel Edelweiß, Enzian, Arnika oder Schafgarbe. Viele Spas setzen auf Green Peels, also Kräuterschälkuren aus Heilpflanzen, Algen, Enzymen und Mineralien. Oder sie bieten tiefgehende Gesichtsmassagen an, die die Durchblutung ankurbeln und als „manuelles Facelift“ angepriesen werden. Gäste können zudem in Kursen lernen, wie Ölauszüge, fermentierte Kosmetik oder Tinkturen hergestellt werden – für Wissen, das über den Urlaub hinaus schön macht. Und wenn im Kulturbeutel noch Platz bleibt, kann man Souvenirs in Form von lokaler Kosmetik mit nach Hause nehmen.
5. Zugfahren: Die Kunst des langsamen Vorwärtskommens
Strecken mit der Bahn zurückzulegen, bietet eine Art von Entschleunigung, die im Flugverkehr verloren gegangen ist: Man sieht und spürt, wie die vorbeiziehende Landschaft den Rhythmus vorgibt. Manche Trips erweisen sich sogar als echte Abenteuer: Wer etwa den Zug von Serbiens Hauptstadt Belgrad ins montenegrinische Bar nimmt, überquert nicht nur den Skutarisee – ja, es geht direkt übers Wasser! Man tuckert auch durch hunderte Tunnel und schließlich über das Mala-Rijeka-Viadukt, Europas höchste Eisenbahnbrücke, die 200 Meter über dem Tal schwebt. Der European Sleeper verbindet bei einer 16-stündigen Fahrt gleich vier europäische Hauptstädte miteinander: Man steigt abends in Prag ein, passiert Berlin und trinkt am Morgen in Amsterdam seinen Frühstückskaffee, bevor es weiter nach Brüssel geht, wo man am Vormittag ankommt.
Das Reisen an die Drehorte berühmter Filme und Serien hat sich unter dem Namen „Set-Jetting“ zu einer eigenen Form des Welterkundens entwickelt. Unsere Bildschirmzeit wird immer länger – und die Orte, die wir durch Filme und Serien kennenlernen, sorgen für eine gewisse emotionale Bindung und wecken die Neugier, sie „in echt“ zu erleben. Aktuell pilgern beispielsweise Fans der Netflix-Serie „Wednesday“ nach Rumänien. Die düsteren Abenteuer von Wednesday Addams wurden fast vollständig in den südlichen Karpaten gedreht. Als Kulisse für das Internat Nevermore diente das Schloss Cantacuzino in Bușteni (mehr dazu gibt's im Beitrag „Roadtrip durch Transsilvanien“ inklusive Video). Deutlich näher liegt die 26 Kilometer lange Kaunertaler Gletscherstraße, die unter anderem für eine Verfolgungsjagd im James-Bond-Streifen „Spectre“ genutzt wurde. Für den Fantasyfilm „Woodwalkers“ wiederum wurde dort mit einer Drohne entlang eines Naturpfades gefilmt.
7. Hotel als Erlebnis: Schlafen in anderen Sphären
Manchmal reicht eine kurze Flucht aus dem Alltag. Und ist das Hotel so außergewöhnlich, dass man den Daheimgebliebenen mit leuchtenden Augen davon erzählt – umso besser. In der tschechischen Stadt Liberec thront das Hotel Ještěd auf dem Gipfel des gleichnamigen Bergs. Das rund 100 Meter hohe, raumschiffartige Bauwerk dient zugleich als Rundfunkstation und ermöglicht nachts einen gigantischen Ausblick auf die Stadt. Doppelzimmer gibt’s ab ca. 115 Euro pro Nacht. Das Beste: Erlebnis-Hotels dieser Art findet man immer mehr – in den unterschiedlichsten Facetten. So kann man etwa in einem ausgebauten Weinfass, einem Baumhaus oder in einem Unterwasserzimmer schlafen. Oder man quartiert sich in einer durchsichtigen Kapsel an einer Felswand ein.
8. Kulinarik-Touren: Genuss, der die Welt erklärt
Eine Tour durch die Weinstraße im slowenischen Wippachtal? Trüffelsuche im istrischen Mirna-Tal? Oder Bergbauern in Tirol beim Käsemachen zuschauen? Kulinarik-Ferien bedeuten mehr als nur Kosten und Kochkurse. Ganz nebenbei erfährt man bei diesem Reise-Trend auch etwas über die Geschichte der Zutaten und den Weg, den sie über Märkte und Häfen nahmen. Wer schon einmal erlebt hat, wie in asiatischen Garküchen Nudeln, Kräuter, Fermentiertes und Chili zu einer Mahlzeit verschmelzen, weiß: Essen erklärt Kultur oft besser als jedes Museum. Viele Routen bieten dabei spannende Kontraste. In Sizilien beispielsweise führt der Weg von Zitronenhainen über Fischmärkte bis hin zu Händlern, die ihre Cannoli seit Generationen per Hand füllen. Reisen und Essen – eine unschlagbare Kombination, oder?
9. Auszeit um die Ecke: Erholung ohne Abreise
Urlaub daheim klang lange nach einem Kompromiss. Von wegen! Mittlerweile hat sich das Bild gedreht: „Staycations“ (Wortkombination aus „stay“ = bleiben und „vacation“ = Urlaub) sind laut Trendforschern zu einer eigenen Reiseform geworden. Ihre Begründung: Krafttanken hänge nicht mit gepackten Koffern zusammen, sondern mit einem freien Kopf. Es geht weniger ums „Wohin“ als ums „Wie“. Der See, an dem man sonst nur vorbeifährt, oder die Wanderung samt Jause zur nahegelegenen Berghütte werden zum Kurzurlaub. Endlich kann man mal ein ausgiebiges Frühstück am Balkon genießen oder nach Feierabend einen Cocktail! Man besucht endlich mal das Museum, in das man schon immer wollte. Das Ganze ist deshalb maximal erholsam, weil man sich weder mit überfüllten Reisezentren noch mit langer Planung herumschlagen muss. Man kann im eigenen Tempo entdecken – und abends ins vertraute Bett fallen.