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Streit in der Beziehung: Bitte mit Respekt!

Dann klappt’s auch mit der Beziehung

Streit in der Beziehung: Bitte mit Respekt!

Ein Beziehungsgewitter kann reinigend wirken – oder die Liebe verwüsten. Ein Beziehungscoach erklärt, wie Paare sich zusammen- und nicht auseinanderstreiten.
Eine Beziehung ohne Krach? Das galt nicht einmal zu Goethes Zeiten als erstrebenswert. „Im Ehestand muss man sich manchmal streiten, denn dadurch erfährt man mehr voneinander“, befand der deutsche Dichter schon vor 200 Jahren. Auch für Beziehungscoach Natascha Koller gehört Streit zu jeder gesunden Beziehung. „Natürlich sollte er nicht an der Tagesordnung sein, aber ein kräftiges Gewitter reinigt hin und wieder die Luft. Es kann auch helfen, einander besser zu verstehen.“ 

Wer Gefühle zurückhält und eine Aussprache vermeidet, erhöht nur den Stress. Deshalb rät die Expertin dazu, vor Konflikten nicht zurückzuscheuen. „Beide Partner sollten lernen, es auszuhalten, sich durch unterschiedliche Meinungen und Haltungen zu arbeiten. Manchmal wird ein Konsens gefunden, manchmal ist es nötig, den Widerspruch zu akzeptieren.“  


So schadet der Streit der Beziehung nicht

Wahre Liebe zerbricht nicht an einem Streit, sondern kann sogar an ihm wachsen. Natascha Koller empfiehlt, sich um konstruktive Konfliktbewältigung zu bemühen:


Auf das „Wie“ achten

Der Ton macht bekanntlich die Musik. „In allem, was wir sagen oder nicht sagen und tun oder nicht tun, liegt eine Aussage“, erklärt die Beziehungsexpertin. „Daher geht es häufig viel mehr darum, wie etwas zum Ausdruck gebracht wird, als darum, was jemand sagt.“ 


Reden und reden lassen

Besonders wichtig ist das aktive Zuhören. „Seien Sie präsent und aufmerksam. Hören Sie zu und versuchen Sie zu verstehen, um welches Bedürfnis es sich handelt. Um sicherzugehen, dass Sie den anderen wirklich verstanden haben, stellen Sie gezielte Fragen.“ Der Fokus kann sich dabei auf die Emotion richten, die wahrgenommen wird – und darauf, was der andere braucht. „Wenn sich beide richtig verstanden haben, ist konstruktive Kommunikation geglückt.“ 
 

Wertschätzende Kritik äußern

„Das ist relativ einfach. Leider haben wir es meist weder in der Schule noch im Leben gelernt“, sagt Koller. „Bevor Sie Kritik üben, ist es wichtig, herauszuarbeiten, was Sie am anderen schätzen. Wenn das gelingt, ist der andere bereit, zuzuhören.“ Geht es gleich mit der Kritik los, wird sich der Partner sehr wahrscheinlich sofort innerlich zurückziehen. 

Wichtig: Niemals die Person kritisieren, sondern immer das Verhalten. Und auf keinen Fall versuchen, Schuldgefühle auszulösen: „So etwas lähmt und schadet der Beziehung.“ 


Nicht wütend ins Bett gehen

Die Beziehungsexpertin rät davon ab, zerstritten schlafen zu gehen: „Kommen Sie auf den anderen noch vor dem Ins-Bett-Gehen zu und versöhnen Sie sich. Es reicht, zu sagen: ,Schatz, ich liebe dich! Lass uns morgen darüber sprechen.‘“


Kinder raushalten

Wenn Kinder bei einem größeren Streit dabei sind, ist das laut Koller sehr belastend. Denn sie verstehen die Welt der Erwachsenen noch nicht und brauchen Schutz, besonders von den Eltern. Dennoch werden sie hin und wieder in Streitigkeiten hineingezogen, wodurch sich Mütter und Väter oft schuldig fühlen. Allerdings sind Schuldgefühle kein Ersatz für gutes Handeln.

„Wenn die Kinder bei einem größeren Streit dabei waren, sollten sich die Eltern gemeinsam bei ihnen entschuldigen und versichern, dass es nicht mehr vorkommen wird. Aber Vorsicht: Sie müssen sich dann wirklich an dieses Versprechen halten, sonst kommt es zu einem Vertrauensverlust.“