Frau, deren dunkle Haare im Wind wehen
Ein Grundbedürfnis

Respekt: Wie wir ihn im Alltag leben

Wir wollen alle respektiert werden. Aber muss man sich Respekt auch verdienen? Oder gar mit Ellbogen durchsetzen? Nein, sagt Experte Christoph Schlick.

Die Chefin schreit uns an, der Ehemann demütigt uns vor Freunden, die Mutter lässt uns nicht ausreden: Das alles verletzt uns. Das alles sind Beispiele für respektloses Verhalten. Und niemand wünscht sich, so behandelt zu werden. Respekt ist ein Geschenk. Respekt kann man erhalten oder ihn jemandem entgegenbringen. Der Logotherapeut und psychologische Berater aus Salzburg, Christoph Schlick, verrät uns, wie wir mehr Wertschätzung in unseren Alltag bringen.

Was ist Respekt? Den anderen so nehmen, wie er ist

Respektiert werden wollen wir alle, das ist uns immens wichtig. Warum? Es stärkt unsere Autonomie, weiß der Logotherapeut: „Es ist für uns alle ein Grundbedürfnis, respektiert werden.“ Manche Menschen glauben, Respekt müsse man sich verschaffen. Weil er ihrer Meinung nach denjenigen zustehe, die ihre Ellbogen zur Genüge einsetzen, um sich weit genug nach vorne zu boxen.

Falsch, findet Logotherapeut Schlick. Er denkt anders: „Für mich hat Respekt viel mehr mit der Würde des Menschen zu tun: Ich nehme den anderen so wie er ist, respektiere ihn in seiner Art, in seinem ‚So sein‘.“ Diese Achtung und Wertschätzung stehe jedem zu: „Respekt muss man sich nicht verdienen.“

3 Tipps: Wie wir Respekt im Alltag leben

  1. Respektieren Sie Ihre Werte – und versuchen Sie nicht, andere Menschen zu ändern

„Das Problem ist: Wir wollen die Leute immer so richten, wie sie für uns passen“, sagt Schlick. Für ihn der falsche Ansatz, denn: Respekt fängt nicht bei anderen an, sondern bei mir selbst. Es fällt Ihnen leichter, auch Ihrem Gegenüber Respekt entgegenzubringen, wenn Sie sich selbst und Ihre Werte respektieren. Und: Lernen Sie, sich selbst genügend Respekt und Achtung entgegenzubringen, dann tun andere das auch.

„Wenn ich dagegen mit meiner Ernährung, Gesundheit oder meinem Zeitmanagement nicht respektvoll umgehe, werden mich andere mit der Zeit auch nicht mehr achten“, weiß der Experte. Das fängt an bei Kleinigkeiten und ist auch in Coronazeiten Thema: Arbeite ich im Homeoffice im Jogginganzug oder ziehe ich mich gescheit an, wasche und frisiere mich, obwohl mich niemand sieht?

Auch eine Partnerschaft basiert auf gegenseitigem Respekt – und das schreibt sich leichter als es sich lebt: „Gerade im Beziehungsgeschehen agieren Frauen oft so: ‚Ich werde ihn mir so richten, wie ich ihn haben will‘ – und Männer so: ‚Hoffentlich bleibt sie immer so, wie ich sie kennengelernt habe‘. Das ist kein respektvoller Umgang, denn man darf und muss sich auch verändern dürfen“, sagt Logotherapeut Schlick.

  1. Respekt heißt: Ich stehe für meine Werte ein und kommuniziere diese

Das was mir wichtig ist, sollte ich so leben, dass andere es verstehen. „Manche leben ihre Werte im Geheimen und tun nach außen so, als ob es ihnen eh egal wäre“, weiß der Logotherapeut. Das liefert anderen ein falsches Bild von Ihnen und Sie werden oft einen inneren Konflikt erleben, weil Sie etwas tun, das Ihren Werten nicht entspricht. Darum heißt es ab jetzt: auch nach außen einstehen für meine eigenen Werte.

Und das heißt auch: das was mir wichtig ist, mit Zivilcourage einfordern, wenn ich den Eindruck habe, der mir wichtige Wert wird sonst verletzt. „Auch bei einem Dritten sollten wir das tun, denn Respekt funktioniert nur mit Gegenseitigkeit: Was du willst, dass man dir gibt und ausdrückt, das lebe auch für andere.“

  1. Wertschätzen Sie auch die Natur und materielle Werte

Respekt kann man nicht nur gegenüber anderen Menschen ausdrücken sondern auch für die Natur. Denn dieses Bewusstsein von Achtung, Wertschätzung und Respekt betrifft viele Ebenen: Menschen, Natur und auch materielle Werte. „Das darf man bewusst herholen und sich fragen: Wo gehe ich respektvoll mit anderen oder etwas anderem um und wo noch nicht?“

Denken Sie zum Beispiel beim Thema Müll mal gründlich nach, was ein respektvoller Umgang mit der Natur ist: Schmeiße ich meinen Müll aus dem Autofenster oder nehme ich Müll von anderen mit und werfe ihn in den Mistkübel?

Was tun, wenn andere mich respektlos behandeln?

Hier kommt es darauf an: Werden Sie wirklich respektlos behandelt oder empfinden Sie das vielleicht nur so? Fragen Sie am besten die Kollegenschaft oder Freundinnen und Freunde, die entsprechende Situationen beobachtet haben, in denen Sie sich von anderen respektlos behandelt gefühlt haben. Wie denken andere darüber? Stimmen sie Ihnen zu?

Falls ja, werden Sie vermutlich tatsächlich respektlos behandelt und können das ruhig ansprechen. Schlick rät: „Fordern Sie Respekt für sich ein und sagen Sie klipp und klar: Das ist nicht in Ordnung, wie du mit mir umgehst.“

Anders ist es, wenn die Respektlosigkeit womöglich nur in Ihrer subjektiven Wahrnehmung stattfindet. Dann fangen Sie wiederum am besten bei sich selbst an: „Wenn wir uns selbst nicht mögen und respektieren, tun wir uns schwer, andere wertzuschätzen, zu achten und zu respektieren.“ Fragen Sie sich also zuallererst: Bin ich mir bewusst, was ich wert bin und was andere wert sind?

Teilen: Artikel bei Facebook teilen Artikel bei Whatsapp teilen Artikel URL kopieren
Anzeige
Anzeige
Anzeige